Es ist leider ein Trugschluss, zu glauben, dass ich mit meiner Akkreditierung bis in das heiligste Innere des Tennis-Zirkus vordringen kann. Alles ist bis ins letzte Detail geregelt. Wer als Schreiber hier ist, darf keine Fotos schiessen und keine Videos aufzeichnen.

Zwar habe ich in den grossen Arenen, wo Roger Federer oder Stan Wawrinka spielen, einen fixen Platz. Viel mehr Privilegien geniesse ich nicht. So ist es zum Beispiel untersagt, Spieler beim Training anzusprechen. Klar, wünsche ich mir hie und da einen besseren Zugang.

Damit ich Sie, liebe Leserin und lieber Leser, mitnehmen und Ihnen Einblicke verschaffen kann in einen Kosmos, der sehr viel mehr ist als das, was die TV-Kameras einfangen. Als ich gestern auf der Anlage einen Bekannten aus meinem Heimatdorf treffe, kann ich ihn nicht mit Kabinengeflüster beeindrucken. Hinter der glänzenden Fassade ist der Beruf des Journalisten oft doch viel banaler, als viele glauben.

Es bedarf schon eines Zufalls, dass ich plötzlich durch Korridore wandle, die nicht für meine Augen bestimmt sind. Nach dem Treffen mit dem Bekannten muss ich dringend eine Toilette aufsuchen. Weil mir die sanitären Anlagen im Medienzentrum lieber sind als die Plumpsklos auf der Anlage, peile ich meinen Arbeitsplatz an. Nicht, dass Sie ein falsches Bild bekommen: Auch dort sind die Pissoirs nicht vergoldet, aber etwas weniger frequentiert. Das hilft.

Weil es eilt, nehme ich den direktesten Weg, quer über die Anlage. Ich laufe an einem schläfrigen Wächter vorbei durch den Hintereingang in den Bauch des Gebäudes. Erst hier realisiere ich, dass ich an einem Ort gelandet bin, zu dem ich keinen Zugang haben sollte.

Im Fitnessraum wärmt sich Novak Djokovic auf. Auf einer Couch wartet Maria Scharapowa auf den Transport ins Hotel. Das alles ist mir in diesem Moment egal. Ich muss jetzt Wasser lassen. Und zwar dringend. Und wenn ich schon hier bin, kann ich das auch hier tun.

Rein in die Toilette, los zum Pissoir. Erleichterung. Bis ich realisiere, wer da neben mir steht: Rafael Nadal. Übrigens: Auch hier sind die Toiletten nicht aus Gold. Und ja, es stimmt, auch hier duftet es nicht immer nach Rosenöl und Lavendel.