Selbst für sie fühle es sich in den ersten Tagen auf Big Island an, als würde sie sterben, sagt Daniela Ryf (31). «Dabei weiss ich, dass ich austrainiert bin», sagt die Solothurnerin, am Tag der Abreise nach Hawaii. Eben erst wurde sie in Port Elizabeth zum vierten Mal Weltmeisterin über die halbe Ironman-Distanz, quasi aus dem Training heraus.

Nicht einmal ein gerissener Reissverschluss konnte sie bremsen. Der Titel gibt ihr die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein. Es laufe nach Plan, aber sicher fühle sie sich nie. «Im Triathlon kann so viel passieren», sagt Ryf.

Hattrick für Solothurner Triathletin

Hattrick für Solothurner Triathletin

Zum dritten Mal in Serie gewann die 30-jährige Triathletin Daniela Ryf aus Solothurn den Ironman in Hawaii und erreicht den Legenden-Status.

Nichts ist mit den Bedingungen beim Ironman auf Hawaii zu vergleichen. 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer auf dem Fahrrad, und zum Abschluss noch ein Marathon: 42,195 Kilometer. Bei Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit und starken Winden.

Es ist ein Rennen der Superlative. Eines, das nur bestreiten kann, wer den Körper auf Höchstleistung getrimmt hat. «Nie im Leben würde ich hier antreten, wenn ich nicht absolut bereit dazu wäre. Dafür ist es einfach zu hart», sagt Ryf.

Ohne Druck an die Herausforderung

Paula Newby-Fraser hat hier acht Mal triumphiert, sechs Mal siegte Natascha Badmann, vier Mal Chrissie Wellington. Doch vier Erfolge in Serie – das ist noch niemandem gelungen. Genau dieser Herausforderung stellt sich Daniela Ryf. «Druck mache ich mir keinen. Ich habe nur einen Anspruch an mich: Ich möchte ein besseres Rennen zeigen als im Vorjahr.»

Es ist nicht so, dass Daniela Ryf keine Konkurrenz hätte. Es ist nur vielmehr so, dass es sie nicht besonders zu kümmern scheint. Sie versteht den Ironman als Kampf mit sich selber. Einer, bei dem es gilt, besser, kompletter, schneller zu werden.

«Ich finde immer etwas, das ich hätte besser machen können, auch wenn es ein perfektes Rennen war. Manchmal zermürbt mich das vielleicht, weil es besser wäre, wenn ich einmal zufrieden bin.» Anderseits sei ihr Streben nach Perfektion wohl auch ihr Erfolgsrezept. Es ist faszinierend, mit wie viel Akribie und Disziplin sie die eigenen Grenzen sucht.

Velodrom und Windkanal

März 2018, Velodrom in Biel. Mit einem Heer von Spezialisten tüftelt Ryf am Fahrrad. Es geht um verschiedene Helme, um die Räder, den Lenker, die Position. April 2018: Ryf weilt für drei Wochen im Trainingslager auf Gran Canaria. Im Fokus: das Schwimmen.

Fünf Minuten verlor sie 2017 auf die Besten, «das wird mir in diesem Jahr nicht mehr passieren.» Verbessert habe sie sich, «aber ich bin realistisch. Ich werde wieder zwei, drei Minuten verlieren.» Doch das Rennen werde erst auf dem Rad oder beim Laufen entschieden.

Dort ist Ryf zwar die Beste. Doch sie will noch besser werden. Mai 2018. Immenstadt im Allgäu. Windkanaltests. Dort können nicht nur Daten zur Aerodynamik gewonnen, sondern auch Seitenwinde simuliert werden. Im Mittelpunkt stehen die Haltung des Kopfes und die Position der Getränkeflasche. Der Spezialist glaubt: «Daniela wird auf der Radstrecke drei Minuten schneller sein.»

Im Juni gewinnt Ryf zum fünften Mal den Ironman in Rapperswil. Im Juli triumphiert sie in Frankfurt. Die vergangenen drei Monate verbringt sie in der Höhenlage von St. Moritz. Sie sagt, viele würden ihren Körper extrem unterschätzen.

Sie habe nie geglaubt, dass es möglich sei, solche Leistungen zu erbringen. «Aber Triathlon zeigt dir, zu was der Körper wirklich fähig ist.» Sie selber ist das beste Beispiel dafür. Und zwar unabhängig davon, ob sie am 13. Oktober zum vierten Mal auf Hawaii gewinnt.