Super League
Peng! Carlos Bernegger ist zurück: Sein Temperament ist (fast) so feurig wie früher

Carlos Bernegger, der häufig «Vulkan» oder «Choleriker» genannt wird ist zurück an der Super League-Seitenlinie. Er versucht aber ein ruhigerer Akteur zu sein als während seiner Zeit als Luzern-Coach.

Sébastian Lavoyer
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Carlos Bernegger hat einen aktiven Coaching-Stil.

Carlos Bernegger hat einen aktiven Coaching-Stil.

Keystone

Ohne Umweg läuft er auf die Basler Bank zu. Sein Ziel: Urs Fischer, sein Kollege, wieder sein Kollege, muss man sagen. Seit sechs Tagen ist Carlos Bernegger offiziell wieder Super-League-Trainer. Nachfolger von Pierluigi Tami, der letzten Sonntag, nach dem kläglichen 1:2 gegen Vaduz, gefeuert wurde bei GC.

Ein Handshake, ein herzliches Lachen, zwei, drei Worte. Carlos ist zurück, zurück im Business, zurück in Basel. Hier waltete er von 2008 bis 2011 als Nachwuchschef, danach für weitere zwei Jahre als U21-Trainer, ehe er Cheftrainer bei Luzern wurde. Unter dem damaligen Sportchef Alex Frei. Bernegger rettete die Innerschweizer vor dem Abstieg, führte sie in die Europa League und musste nach anderthalb Jahren trotzdem den Hut nehmen. Zu einem Zeitpunkt, als der FCL auf dem letzten Platz lag.

Es ist kaum auszuhalten

Es wurde ruhig um den impulsiven Mann mit der markanten Glatze. Ruhig, bis er letzten Herbst bei GC als Ausbildungschef vorgestellt wurde. Man munkelte schon damals, dass er Tami dereinst beerben könnte. Letzten Sonntag war es so weit. Damit gerechnet hat er nicht, behauptet er selbst. Aber er sagt auch: «So ist unser Beruf, wir leben von solchen Veränderungen. Man muss dann einfach bereit sein, damit man in diesen Situationen bestehen kann.»

So läuft er nun also über den Rasen im Joggeli. Weisses Hemd, dunkler Anzug, dunkelbraune Lederschuhe, keine Krawatte. Die ersten fünf Minuten hält er es auf der Bank aus. Danach sitzt der Mann nicht mehr, der je nach Medium als «Vulkan» oder «impulsiver Choleriker» bezeichnet wird.

Fünf Minuten blieb er sitzen, dann verfolgte GC-Trainer Carlos Bernegger (l.) das Spiel gegen Basel emotional an der Seitenlinie.

Fünf Minuten blieb er sitzen, dann verfolgte GC-Trainer Carlos Bernegger (l.) das Spiel gegen Basel emotional an der Seitenlinie.

KEYSTONE

Er sagte vor dem Spiel, er sei ruhiger geworden. Im Vergleich zu früher, zu seinen Zeiten in Luzern. Ein bisschen. Aber Bernegger tigert noch immer der Linie entlang, die Arme meist hinter dem Rücken verschränkt. Als müsste er sich selbst zurückhalten. Dann wieder bricht es aus ihm heraus. Wenn er zum Beispiel bei der Einwechslung von Ridge Munsy neben seinem Flügel steht und tänzelt, als würde er gleich selbst auf den Platz spurten. Oder wenn Munas Dabbur aus elf Metern vergibt, völlig freistehend, und Bernegger die Hände erst verwirft und sich dann an den Kopf greift. Es ist kaum auszuhalten.

Niemand im Team von GC wirkt an diesem Samstagabend so entschlossen wie sein Trainer, wie Carlos Bernegger. 0:1 endet sein erstes Spiel nach über zweijähriger Abwesenheit. «Was wir gezeigt haben, war in Ordnung, aber nicht gut genug. Wir müssen punkten. Dafür müssen wir uns daran gewöhnen, zu leiden», sagt Bernegger.

Er wirkt gefasst, als er das sagt. Die Stimme ruhig. Ein ausgeglichener Mann. Es sind rund 45 Minuten vergangen, seit die Niederlage feststeht. Die erste in seinem ersten Spiel als neuer GC-Trainer, die sechste im siebten Spiel 2017 für GC. Als er gefragt wird, ob es schwierig war, sich zu kontrollieren, lacht er erst, freut sich, dass seine Bemühungen erkannt wurden, und sagt dann: «Es ist wichtig, in dieser Phase eine gewisse Reife an den Tag zu legen. Wir müssen bewusst, konsequent und zielstrebig auftreten. Als Chefcoach muss ich vorausgehen.»
Bernegger, ein neuer Mensch? Nein. Vielleicht ein bisschen kontrollierter auf dem Platz. Daneben aber kann er noch immer wie früher.

GC-Spieler Nicolas Hunziker, hier im Trikot des FCB: «Pierluigi Tami ist ein ruhiger Coach. Carlos Bernegger ist eher extrovertiert.»

GC-Spieler Nicolas Hunziker, hier im Trikot des FCB: «Pierluigi Tami ist ein ruhiger Coach. Carlos Bernegger ist eher extrovertiert.»

Uwe Zinke

«Es ist doch sehr laut geworden in der Pause», sagt Nicolas Hunziker, leihweise vom FCB bei GC bis Ende Saison. Unter Bernegger weht ein neuer Wind. Bernegger geht voraus. Wild entschlossen. Zweimal hat er während seiner ersten Woche bei den Hoppers auf dem Campus übernachtet, weil es so spät wurde. Hunziker sagt: «Das ist schon ein Unterschied. Pierluigi Tami ist ein ruhiger Coach, besonnen. Carlos Bernegger ist doch eher extrovertiert, haut auch mal auf den Tisch und wird laut.»

Viel Arbeit für den neuen Mann

So auch nach dem Spiel. Man hört den GC-Trainer bis auf den Gang hinaus. Nein, mit diesem 0:1 ist er nicht zufrieden. Das hat jeder Spieler verstanden, auch wenn er nicht jedes Wort verstanden haben sollte. GC steckt mitten im Abstiegssumpf, GC braucht Punkte, GC braucht Wille. Wie Bernegger. Ob Feuerlöscher oder nicht, er scheint der richtige Mann, um den Rekordmeister aus seiner Lethargie zu wecken.
Carlos Bernegger hat nun während der Nati-Pause zwei Wochen Zeit, seine Ideen zu vertiefen, mit dem Team die Umstellung auf ein neues System – von 4-2-3-1 auf 4-4-1-1 – besser einzuüben. Und er muss sich überlegen, wie er den gesperrten Goalgetter und Captain Munas Dabbur im wegweisenden Spiel am 2. April auswärts gegen Lausanne ersetzt. Viel Arbeit für den neuen Mann. Er nimmt sie an, ohne Umweg.