Schwingen
Patrick Räbmatter war einst Fussballer, jetzt legt der Aargauer selbst die Stärksten auf den Rücken

Es gelingt nur ganz wenigen, einen König zu stürzen – oder ihn zumindest auf den Rücken zu legen. Patrick Räbmatter kann das von sich behaupten. Am Berner Kantonalfest, ausgerechnet in der Heimat des Gegners, konnte der Aargauer den Schwingerkönig Matthias Sempach besiegen.

Martin Probst
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Patrick Räbmatter mit einem Siegermuni.

Patrick Räbmatter mit einem Siegermuni.

Uwe Zinke

Wer jetzt aber glaubt, dass Räbmatter nach diesem Exploit zur Kampfansage ausholt, gar Anspruch auf den Thron am «Eidgenössischen» Ende August anmeldet, der irrt sich. Obwohl der 153-Kilo-Mann eine imposante Erscheinung ist, entspricht ein solch grossspuriges Auftreten nicht seinem Charakter.

Fast schon leise erzählt er vom Gefühl, den König besiegt zu haben, erzählt, dass es ihm schon Selbstvertrauen gebe. Aber: «Es war unser erstes Duell, wer weiss schon, wie es beim nächsten Mal ausgeht?» Einzig seine leuchtenden Augen verraten den Stolz über diesen prestigeträchtigen Erfolg.

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Uwe Zinke

Ein Betrieb, drei Generationen

Diese Episode erzählt, wie der 24-Jährige lebt. Wie wichtig Räbmatter seine Familie ist, zeigt auch noch eine andere Geschichte. Auf seine Wade hat er sich die Buchstaben P, J und M tätowiert – umrandet mit zwei Sternen. «Das symbolisiert meine Familie», sagt Räbmatter. Das P steht für ihn selbst, das J für seine Schwester Jasmin, das M für seinen Bruder Mathias, die zwei Sterne für die Eltern. Die Ellenbogen des Schwingers zieren zudem zwei grosse Sonnen. Als Erinnerung an seinen Grossvater. «Das gibt mir Kraft.»
Bei so viel Nähe ist es nur logisch, dass Räbmatter im Familienbetrieb angestellt ist. Beim Transportunternehmen in Uerkheim, das den Familiennamen trägt, arbeitet der 24-Jährige als Lastwagenchauffeur und in der Disposition. Später will er den Betrieb einmal übernehmen. «Drei Generationen arbeiten bei uns», sagt Patrick Räbmatter, der eine Lehre als Metallbau-Praktiker abgeschlossen hat. Der Familienbetrieb hat für seine Karriere als Schwinger Vor- und Nachteile. «Vorteile, weil mich mein Vater manchmal ins Training schickt und sagt, wir schaffen das schon.» Nachteile, weil es für ihn schwierig ist, die Familie «im Seich» zurückzulassen. «Dann mache ich lieber Überstunden.»

Zwei Trainer für den Erfolg

Wie viele Schwinger betreibt Räbmatter seinen Sport als Amateur. Das heisst, er arbeitet mit einem 100-Prozent-Pensum und geht am Abend in den Schwingkeller oder in den Kraftraum. Entdeckt hat er die Leidenschaft zum Schwingen erst mit 17 Jahren. «Zuvor war ich Goalie beim SC Schöftland», erzählt er. Aus der Fussballkarriere wurde nichts. Dafür jetzt im Sägemehl. Dass manche Fussballer die Chance haben, als Profi ihren Sport zu betreiben, das Schwingen verglichen damit sehr grosse Opfer fordert, stört ihn nicht. «Es ist, wie es ist», sagt er gelassen, ganz seinem Naturell entsprechend.
Ein wenig professionalisiert hat sich aber auch Räbmatter. Für diese Saison mit dem «Eidgenössischen» als Höhepunkt hat er zwei Trainer engagiert. Mit einem arbeitet er im Schwingkeller an seiner Technik, der andere treibt ihn im Kraftraum an die Grenzen. «Ich brauche jemanden, der mir manchmal in den Arsch tritt», sagt er und lacht. Das ruhige Gemüt lässt sich nicht immer abschalten.
Anders als viele seiner Kollegen blieb Räbmatter als Schwinger von Verletzungen verschont. «Nur aus dem Militär haben sie mich nach sieben Wochen heimgeschickt», erzählt er. Ein familiär vererbtes Leiden am Ischiasnerv wurde von den Ärzten festgestellt. «Ich wollte fertig dienen, doch ich durfte nicht.» Und wie als Beweis dafür gehört er heute zu den Stärksten im Sägemehl. Ganz ohne Beschwerden und Leiden. «Man muss nicht jeden Entscheid verstehen.» Da ist sie wieder, diese Lockerheit, die Patrick Räbmatter auszeichnet. Und die ihm am «Eidgenössischen» vielleicht den Kranz ermöglicht. Es wäre sein Traum.