Mit dem Spiel gegen den letztjährigen Qualisieger und Superfinalisten Köniz startet der SVWE im sogenannten «season opener» bereits morgen Freitag in die neue Saison. Eine Saison, in der man aus Wiler Sicht gespannt sein darf, ob die Reaktion erneut so ausfallen wird wie 2014, als man auf das Viertelfinal-Aus 2013 mit dem neunten Titelgewinn antwortete.

Allerdings hat Rückkehrer Thomas Berger nicht primär den Gewinn von weiteren Titeln  ins Pflichtenheft geschrieben erhalten, sondern auch den Vollzug des Generationswechsels beim zehnfachen Meister.  Gelingt dem Trainerstaff und dem Team dieser Balanceakt? Einen persönlichen Balanceakt absolviert auch Patrick Mendelin, der auf sein Doppel-Engagement beim SVWE und Basel Regio im Vergleich zum Vorjahr nun noch einen draufpackt.

Köniz am Freitag, Basel am Samstag und Tenero am Sonntag. Dies sind nicht etwa Etappenorte der Tour de Suisse, sondern die Ortschaften, wo Patrick Mendelin an diesem  Saison-Auftaktwochenende für Wiler (NLA) und Basel Regio (NLB) im Einsatz stehen wird.  Drei Spiele innerhalb von 43 Stunden! Das berühmte «müde Lächeln» hat der 29-Jährige Basler wohl übrig für die Fussballer, welche jeweils über zwei englische Wochen in Folge stöhnen, dabei Profis sind und sich ganz auf Fussball konzentrieren können.

Mendelin wird ab kommenden Freitag bis Weinachten mindestens immer zwei Spiele pro Wochenende bestreiten, viermal gar deren drei, dazu kommen in der Regel vier Trainingseinheiten und als Zugabe allenfalls noch eine WM-Teilnahme mit vorgängigen EFT und vor allem aber: Mendelin  arbeitet auch noch 60 Prozent im Bankenbereich.

Die Liebe und Leidenschaft zum Unihockey

Wie geht das überhaupt, droht nicht die Gefahr, sich im Projekt-Labyrinth zu verirren?  «Einerseits muss man den Unihockeysport lieben, andererseits muss man gut planen können und auf seinen Körper hören.» Mendelin weiss, dass er mit seinem «Doppel-Leben» bei Wiler-Ersigen und Basel-Regio an die eigenen Grenzen stösst, doch er sieht es als Herausforderung und nicht als Belastung, weil seine Leidenschaft.  Doch die Frage bleibt, wie Mendelin den Fokus - und wofür überhaupt - bei so viel unterschiedlichen Aufgaben, finden kann. «Zum Glück sind die Ausgangslagen bei Wiler, Basel und im Job so unterschiedlich, dass es mir relativ leicht fällt, die jeweilige Rolle anzunehmen.»

Zusatzrolle in der Nati?

Man glaubt es Mendelin, auch, dass er sogar mit einer zusätzlichen Rolle zurechtkommen würde: Jener des Nationalspielers. Wegen seines im Vorjahr gestarteten Doppelmandats hat Patrick Mendelin seine Chancen als Natispieler gemindert, das weiss er und es wurde ihm vom Nationaltrainer David Jansson auch kommuniziert. Doch Jansson ist schlau genug zu wissen, dass es in der Schweiz wenig Spieler gibt, welche die Skills besitzen, die Mendelin seit jeher auszeichnen. Es sind dies der Torinstinkt und die Spielintelligenz. Kein Nachteil zudem, dass «Mendes» ein Rechtsausleger ist.

Nach dem letztjährigen Champions Cup  wurde er von tschechischen Experten gar in die TopTen der besten Spieler weltweit eingereiht. Ob man gleich derart weit gehen kann, darüber darf man sich getrost streiten und dazu wird man von Mendelin auch keine Auskunft erhalten: «Die Einschätzung meiner Qualitäten überlasse ich anderen.»

Chamäleon dank Spielintelligenz

Richtig aber ist, dass es die Spielintelligenz Mendelin erlaubt, sich leichter auf andere Aufgabenstellungen und Mitspieler umzustellen, als es anderen Topspielern gelingt, die oftmals ihre Umgebung brauchen um Topleistungen abzurufen. «Ich habe noch nie erlebt, dass Mendelin sich nicht in einem Block integrieren konnte, meist hat er sogar rasch das Zepter an sich gerissen und die Mitspieler besser gemacht», analysiert sein langjähriger Sportchef Marcel Siegenthaler.

Gegenüber den Vereinen Basel und Wiler sind die Abmachungen gerade umgekehrt im Vergleich zum Vorjahr. «In der Qualifikation wird diesmal Basel Priorität geniessen, weil es  möglichst viele Punkte zu holen und den Ligaerhalt zu sichern hat,» sagt Mendelin. In den Playoffs und im Cupwettbewerb möchte der Basler dafür in seinem elften SVWE-Jahr weitere Erfolge feiern.  Aktuell ist er zuversichtlich, beide Ziele erreichen zu können.

Bezüglich Basel sagt er: «Die Vorbereitung hat gezeigt, was mit dem sehr jungen Team möglich sein könnte, wenn wir uns immer weiter entwickeln.» Und bezüglich dem SVWE wird er etwas ausführlicher. «Man merkt schon, dass seit der Rückkehr von Thomas Berger die Intensität im Training wieder deutlich zugenommen hat. Zudem ist es spannend zu beobachten, wie sich der Ehrgeiz der zahlreichen Jungen auf die erfahrene und erfolgsverwöhnte Generation auswirken wird. Der Konkurrenzkampf ist jedenfalls sehr belebend.»

Viele Teams mit Ambitionen

Noch sei es aber zu früh, ein Fazit zu ziehen, denn auch hier sei der Prozess erst am Anfang. «Neuer Trainer, neues System, viele junge Spieler, das braucht Zeit, um sich zu entwickeln.» Bis zu den Playoffs soll dieser Prozess aber so weit entwickelt sein, dass nicht erneut der Viertelfinals Endstation bedeutet.  Aber Mendelin ist sich sicher: «Es wird auch in diesem Jahr wieder prominente und ambitionierte Teams treffen. Für mich ist die Liga so ausgeglichen wie nie und ab den Playoffs wird es gegen jeden Gegner sehr hart werden. Einen klaren Favoriten sehe ich nicht, auch wenn ich schon denke, dass am Ende der Meister aus dem Trio GC, Köniz oder Wiler-Ersigen kommen wird.»