Ski alpin

Patrick Küng: «Ich bin ein schwieriger Typ»

Patrick Küng: «Solange ich die Verletzung im Krafttraining spüre, werde ich nicht auf die Ski stehen.»

Patrick Küng: «Solange ich die Verletzung im Krafttraining spüre, werde ich nicht auf die Ski stehen.»

Weltmeister Patrick Küng über seine Verletzung, lukrative Angebote und den Umgang mit Managern. Er zeigt sich zuversichtlich, dass es für die Rennen in Nordamerika reicht.

Wie sieht es mit Ihren Patellasehnenbeschwerden aus?

Patrick Küng: Der Stand ist gleich wie im Sommer. Ich fuhr noch nie Ski, ausser ein paar Tage Anfang August. Meine Aktivitäten beschränken sich auf Krafttraining und Physiotherapie, ein- bis zweimal in der Woche in Basel und Bad Ragaz. Bis mindestens Mitte Oktober wird das so bleiben.

Trotzdem sind Sie zuversichtlich, im November beim Speed-Auftakt in Nordamerika dabei zu sein.

Auf jeden Fall. Vielleicht werde ich das Skitraining erst in Nordamerika aufnehmen und ein bisschen früher dort hinfliegen. Solange ich die Verletzung im Krafttraining spüre, werde ich nicht auf die Ski stehen.

Aber in Beaver Creek, wo Sie WM-Gold holten, werden Sie sicher präsent sein – notfalls ohne Ski.

Mein Ziel ist, dort am Start zu sein. Aber man weiss nie, was noch passieren wird und wie der Heilungsprozess verläuft.

Ein Weltmeister hat immer viele Verpflichtungen. Viele bezahlten für diesen Stress in der folgenden Saison die Zeche. Jetzt haben Sie wenigstens Zeit dafür?

Zeit hat man als Verletzter eben auch nicht, fast weniger, als wenn man gesund ist. Die Rehabilitation ist aufwendig und zeitraubend. Man ist ständig unterwegs. Bis jetzt ist es mir gelungen, die Balance zu halten und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Fehlt Ihnen durch die Verletzung die Zeit, das Material zu testen?

Ja, ich konnte verschiedene Tests, die ich im Frühling begonnen hatte, nicht fortsetzen. Man kann nicht einfach einen neuen Ski oder ein neues Schuhmodell nehmen, ein-, zweimal fahren und dann passt es. Diese Versuche sind blockiert.

Ein Markenwechsel stand nie zur Diskussion? Als Weltmeister steigt der Marktwert.

Ich habe noch einen laufenden Vertrag – und ich bin zufrieden mit meinem Ausrüster. Die Zusammenarbeit mit Salomon funktioniert sehr gut.

Trotzdem dürften Sie bei der Konkurrenz Interesse geweckt haben.

Es haben sich zwei, drei Firmen gemeldet. Doch für mich war das nie ein Thema. Ich habe noch bis im Frühling einen Vertrag, und dann schauen wir weiter.

Dann sind Sie finanzstrategisch in einem falschen Moment Weltmeister geworden. Es schaute zwar wohl ein Bonus heraus, aber am Fixum änderte sich nichts?

(lacht) Ich bin ja auch in der übernächsten Saison noch Weltmeister. Das Finanzielle muss stimmen, aber die grossen Brötchen kann man im Skisport nicht mehr backen.

Zumindest beim neuen Kopfsponsor (BKW, der gleiche wie neu auch Swiss-Ski: die Red.) scheint das Angebot gepasst zu haben?

(lacht wieder) Sonst hätte ich nicht unterschrieben.

Haben Sie die Verhandlungen selber geführt? Im Moment sind Sie ja ohne Manager.

Grösstenteils führte ich sie selber. Es gab schon Leute, die mich unterstützten. In Sachen Management bin ich daran, wieder etwas aufzubauen. Es tut sich was, aber es ist noch nichts fix.

Mit der Managementgruppe um Didier Cuche und Daniel Mahrer sind Sie nicht mehr liiert?

Nein. Ansprechpartner war dort Christof Marti; mit Cuche und Mahrer hatte ich kaum Kontakt. Wir schlossen einen befristeten Vertrag ab, um uns kennenzulernen. Ende Februar liessen wir ihn auslaufen.

Warum?

Aus diversen Gründen. Ich hatte ja schon verschiedene Manager. Und habe schon einige verschlissen (Originalzitat: «duregla»; die Red.). Wahrscheinlich bin ich ein schwieriger Typ (schmunzelt). Und es ist ein schwieriges Business.

Nach dem Sieg in der Abfahrt von Wengen 2014 sagten Sie, dieser hätte Sie emotional überfordert. War das nach dem WM-Triumph ähnlich – dass es im Weltcup nicht im ähnlichen Stil weiterging.

Nein, heute sind einfach alle Athleten so nahe beisammen. Wenn ich Fünfter werde, kann ich persönlich mit diesem Resultat gut leben. Um ganz nach vorne zu fahren, braucht es den perfekten Tag. Für einen Athleten ist die kleine Kristallkugel für den Disziplinen-Weltcup das Grösste. Trotzdem möchte ich den Lauberhorn-Sieg und den WM-Titel nie eintauschen.

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