Tobias: Ich befürchte, unser Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer will an den Olympischen Spielen gar keine Medaille gewinnen. Anders kann ich mir nicht erklären, dass er die besten Spieler nicht aufbietet.

Pius: Ich bitte dich! Unser Appenzeller Held Jonas Hiller ist doch dabei.

Tobias: Schön und gut. Aber ein Torhüter schiesst keine Tore. Die NHL-Stars dürfen bekanntlich nicht an Olympia teilnehmen. Das heisst: Kanada, Schweden und die USA treten mit B-Teams an. Das ist wie ein Geschenk. Denn dadurch steigt die Schweiz gar in den erweiterten Kreis der Favoriten auf.

David: Also alles im Lot, oder?

Tobias: Nein, eben nicht. Denn Fischer verzichtet auf die besten, produktivsten Stürmer des Landes. Statt auf unberechenbare Tormaschinen wie Luganos Fazzini und Hofmann oder Zugs Martschini setzt er auf verlässliche, aber unspektakuläre Arbeiter.

David: Vielleicht ist es Fischers Konzept, aus einer gesicherten Defensive den grossen Coup zu landen.

Flavio: Meine Worte. Man kann auch mit 1:0 weit kommen.

François: Du meinst deine Werte? Das war vielleicht mal im Fussball so. Mittlerweile solltest auch du registriert haben: Minimalismus allein reicht nicht. Nicht mal, um sich für die Fussball-WM zu qualifizieren.

Flavio: Pezzo di Merda.

David: Ganz ruhig Freunde.

François: Flavio ist schon tief unten.

David: Lass gut sein.

Tobias: Ich bedaure, dass Fischer ein falsches Zeichen setzt. Er macht mit seinem Aufgebot das Schweizer Eishockey kleiner, als es ist. Um die Aussenseiter-Attitüde zu untersteichen, bietet er auch noch zwei Spieler von Kloten auf – Bravo! Denn Hollenstein und Praplan haben sich in dieser Saison ans Verlieren gewöhnt. Die reisen mit einem Selbstbewusstsein so gross und stark wie Eiskristall nach Südkorea.

David: Vielleicht spielen andere Gründe eine Rolle. Kann ja sein, dass die Kloten-Spieler besser mit dem Rest harmonieren als die Lugano-Spieler.

Flavio: Oder Fischer hat einen Lugano-Komplex?

François: Nur weil er dort als Trainer mal entlassen wurde? Vergiss es.

David: Oder er leidet am Boris-Becker-Syndrom.

Pius: Hä? Versteh ich jetzt nicht. Besenkammer-Affäre und so?

David: Nein, Fischer findet nicht, was er sucht. Wie Boris Becker. Er soll pleite sein. Um die Schulden zu tilgen, will er nun seine Pokale verkaufen. Aber er findet sie nicht. Zumindest nicht alle.

Pius: Dumm gelaufen.

David: Vielleicht. Becker hofft nun auf sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung.

Flavio: Befürchtet Becker, in der Hitze des Gefechts den einen oder anderen Pokal in einer Besenkammer liegen gelassen zu haben?

David: Ich weiss es nicht. Vielleicht verfolgt Fischer mit seinem Aufgebot einen pädagogischen Ansatz. Viele Sportler leben in der Gegenwart und auf grossem Fuss. Sie machen sich keine Gedanken, was nach der Karriere kommt. Und wenn alles schiefläuft, haben sie immer noch Medaillen und Pokale, die sie verkaufen können. Deshalb: Je weniger Medaillen, desto grösser das Verantwortungsbewusstsein.