Stefan Küng hat die schwierigen Monate hinter sich gelassen. Das hofft er zumindest, denn wer weiss schon, ob die Krankheit nicht wieder zurückkehrt. Im Herbst fühlte sich der 22-jährige Thurgauer ausgelaugt und müde, im Dezember wurde bei ihm das Pfeiffersche Drüsenfieber festgestellt. Eine Diagnose, die eine harte Geduldsprobe nach sich zog für ihn, den Jungstar, dem es kaum schnell genug gehen kann mit dem Aufstieg in die Weltspitze.

Nach einem intensiven ersten Profijahr streikte plötzlich der Körper. Nach einem Jahr, das auf der Bahn mit dem WM-Titel in der Einzelverfolgung begonnen und der Silbermedaille mit dem Vierer an der EM in Grenchen aufgehört hatte. Und das ihm auf der Strasse die ersten Profisiege beschert hatte, bei der Tour de Romandie unter anderem und an der WM in Richmond im Team-Zeitfahren, aber auch den ersten Rückschlag und dem Sturz beim Giro d’Italia mit Wirbelbruch.

Vom eigenen Körper verraten

Und nun also das Drüsenfieber, diese schwer fassbare Krankheit, die wenig dramatisch daherkommt und doch den lange begleiten kann, der sich nicht die nötige Ruhe gönnt. «Das ist schwierig für einen Sportler, der sich gewohnt ist, seinen Körper zu fordern», sagt Küng. «Du verlierst das Vertrauen in deinen Körper.» Mit enger ärztlicher Begleitung durfte der Ostschweizer zwar schon bald wieder mit leichtem Training beginnen und dem Körper für einen gesunden Aufbau gewisse Reize setzen, sich aber keinesfalls in einen höheren Pulsbereich begeben. «Das ist eine Gratwanderung», sagt er. «Jetzt sollte die Krankheit zwar überstanden sein, aber eine gewisse Unsicherheit bleibt doch.»

«Jetzt sollte die Krankheit zwar überstanden sein, aber eine gewisse Unsicherheit bleibt doch.»

Stefan Küng

«Jetzt sollte die Krankheit zwar überstanden sein, aber eine gewisse Unsicherheit bleibt doch.»

Während seine Profikollegen längst wieder Rennen fuhren, hielt Küng in dieser Zeit bewusst Distanz zum sportlichen Geschehen. Der Matura-Absolvent nutzte die Zeit zum Bücherlesen oder um Freunde zu treffen. Und ist doch froh, darf er jetzt wieder im Sattel sitzen. In der Anfangsphase der Krankheit dachte Küng auch mal darüber nach, wie es wäre, wenn er einen anderen Weg eingeschlagen hätte. Ein Studium beispielsweise. «Aber sobald es wieder etwas besser lief, habe ich gemerkt, dass es nichts Schöneres gibt als den Radsport», sagt er. «Das Studium läuft mir nicht davon.»

Seit drei Wochen darf Küng seinen Körper nun wieder in voller Intensität belasten. Und seit gut zwei Wochen ist er auch schon wieder rennmässig unterwegs – und wird von seinem Team bereits wieder in den grossen Klassikern eingesetzt. Seine erste Flandern-Rundfahrt am letzten Sonntag hinterliessen dem Thurgauer gemischte Gefühle, nachdem seine Equipe BMC einen rabenschwarzen Tag einzog. Aus dem Augenwinkel bekam er mit, wie 100 km vor dem Ziel fast alle Mannschaftskollegen zu Boden gingen – und mit ihnen auch die Hoffnung auf ein Spitzenresultat. Küng aber kämpfte sich noch ins Ziel, obwohl er in der Anfangsphase viel Helferdienste geleistet hatte.

Pflastersteine für die Zukunft

Am Sonntag folgt nun Paris–Roubaix, jener Ritt über die Pflastersteine des französischen Nordens, das es ihm bei seiner ersten Teilnahme vor einem Jahr so angetan hat. «Ich habe mich gleich in dieses Rennen verliebt», sagt der grossgewachsene Küng, der von der Statur her an den dreifachen Roubaix-Sieger Fabian Cancellara erinnert. Auch auf Küng sollte der Klassiker zugeschnitten sein. «In Zukunft könnte das zu einem Rennen für mich werden», sagt er.

Bei seinem zweiten Start in der «Hölle des Nordens» dürfte Küng noch nicht um den Sieg mitfahren können, obwohl er sich nach seinem Comeback bereits stärker fühlt als noch letzte Woche. Und obwohl nach dem Ausfall des Teamleaders Greg van Avermaet (Schlüsselbeinbruch) die Chancen gestiegen sind, dass er auf eigene Rechnung fahren kann. «Ich bin nach der Krankheit noch nicht bei 100 Prozent», sagt er. Davor, dass es am Sonntag ein regnerisches Rennen und mit schlammigen Pavé-Sektoren geben könnte, hat er keine Angst. «Darauf sind wir vorbereitet.»

Die Königin der Klassiker

Jedes Jahr im April bahnen sich dutzende Radprofis den Weg von Paris ins kleine Städtchen Roubaix an der französisch-belgischen Grenze. Das Rennen geniesst bei Fans wie auch Rennfahrern Kult-Status. Wie gut kennen Sie sich mit dem legendären Eintagesrennen Paris-Roubaix aus?

Paris-Roubaix schaut auf eine lange Tradition zurück. Wann fand die erste Ausgabe des legendären Radrennens statt?

1918

1904

1896

1886

Welche vier anderen Rennen gehören neben Paris-Roubaix zu den fünf Monumenten des Radsports?

Flandern-Rundfahrt, Lüttich-Bastogne-Lüttich, Mailand-Sanremo, Lombardei-Rundfahrt

Flandern-Rundfahrt, Lüttich-Bastogne-Lüttich, Mailand-Sanremo, Gent–Wevelgem

Flandern-Rundfahrt, Lüttich-Bastogne-Lüttich, Mailand-Sanremo, Wallonischer Pfeil

Flandern-Rundfahrt, Lüttich-Bastogne-Lüttich, Mailand-Sanremo, Amstel Gold Race

Wie wird das Rennen im Volksmund auch genannt?

Das Schönste von Flandern (Vlaanderens mooiste).

Die Hölle des Nordens (L'Enfer du Nord).

Die grosse Schleife (Grande Boucle).

Die Älteste (La Doyenne).

Was macht Paris-Roubaix zu einem speziell schwierigen Rennen?

Die aussergewöhnlich lange Strecke.

Die schwierig zu fahrenden Kurven.

Der steile Schlussaufstieg.

Die langen Pavé-Abschnitte (Kopfsteinpflastersteine).

Welche beiden Fahrer halten zusammen den Rekord für die meisten Siege?

Tom Boonen und Fabian Cancellara

Tom Boonen und Roger De Vlaeminck

Fabian Cancellara und Octave Lapize

Tom Boonen und Eddy Merckx

Welcher Radrennfahrer konnte neben Fabian Cancellara (drei Siege) als einziger Schweizer den Klassiker gewinnen?

Ferdy Kübler

Hugo Koblet

Heiri Suter

Oscar Camenzind

Wie oft stand Fabian Cancellara bereits auf dem Podest von Paris-Roubaix?

5-mal

7-mal

4-mal

6-mal

Wo ist seit 1977 der offizielle Startpunkt von Paris-Roubaix?

Avenue des Champs-Élysées (Paris)

Schloss Compiègne (Compiègne)

Schloss Versailles (Versailles)

Stade de France (Saint-Denis)

Von wem stammt das Zitat „Es ist Schwachsinn, dieses Rennen. Du arbeitest wie ein Tier, du hast keine Zeit zum Pinkeln, du machst dir in die Hose. Du fährst in diesem Matsch, du rutscht aus. Es ist ein Haufen Scheisse.“

Theo De Rooy

Miguel Indurain

Alex Zülle

Jan Ullrich

Welcher Pavé-Abschnitt gilt als vorentscheidende Schlüsselstelle?

Gruson (Sektor 3)

Saint-Python (Sektor 24)

Camphin-en-Pévèle (Sektor 5)

Trouée d’Arenberg (Sektor 18)

Wer gewann den Klassiker letztes Jahr?

Zdeněk Štybar

Niki Terpstra

John Degenkolb

Juan Antonio Flecha

Schlusslicht

Mit Paris-Roubaix, oder allgemein dem Radsport, kommen sie gar nicht zurecht. Obs nur an den Pflastersteinen liegt?

Hauptfeldfahrer

Einer unter vielen. Im Hauptfeld können Sie gerade noch so knapp mithalten. Den Anschluss zur Spitze und zur ersten Verfolgergruppe haben Sie aber längstens verloren.

Spitzengruppe

Eine ganz knappe Entscheidung, aber für ganz nach vorne reicht es Ihnen noch nicht. Trotzdem dürfen Sie sich glücklich schätzen, das gesamte Hauptfeld weit hinter sich gelassen zu haben.

Paris-Roubaix-Sieger

Sie fühlen sich auf den endlosen Pavé-Abschnitten wohler als zuhause im Wohnzimmer und kennen jede Kurve vom Schloss Compiègne bis ins  Vélodrome von Roubaix auswendig. Herzliche Gratulation zum verdienten Sieg!