Para-Cycling
Ein langer Weg zurück an die Spitze: Wie das einstige Nachwuchstalent nun wieder um WM-Medaillen kämpft

Fabio Bernasconi galt um die Jahrtausendwende als das nationale Mountainbike-Talent – bis ein Verkehrsunfall sein Leben veränderte.

Leandro De Mori
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Fabio Bernasconi vertritt die Schweiz an der Para-EM.

Fabio Bernasconi vertritt die Schweiz an der Para-EM.

Er lebte den Traum eines jeden jungen Nachwuchssportlers. Der heute 36-jährige Fabio Bernasconi galt um die Jahrtausendwende als eines der grössten Talente im Mountainbike. Er fuhr im Junioren- und U23-Nationalkader, ging für die Schweiz an Europa- und Weltmeisterschaften. Nach seinem Matura-Abschluss 2005 unterzeichnete er beim Athleticum-MTB-Team. Seine Profikarriere war in den Startlöchern.

Jedoch wendete sich das Blatt nur ein Jahr später. Ein Virus warf ihn in seiner sportlichen Laufbahn entscheidend zurück, sodass er sich dazu entschied, sich auf seine Weiterbildung zu konzentrieren. Er wechselte an die Universität, liess das Profisportler-Dasein hinter sich und fokussierte sich wieder auf andere Sachen. Hobbys wie Kitesurfen, Skifahren oder Langlaufen fanden schliesslich wieder einen Platz in seinem Alltag.

Im Frühsommer 2007 kam es zu dem Schicksalsschlag, der sein Leben für immer verändern sollte. Bei einem Verkehrsunfall wurde Bernasconi schwer verletzt, er erlitt ein sogenanntes Polytrauma. Mehrere gleichzeitig erlittene Verletzungen, die in ihrer Kombination lebensbedrohlich waren. Bis heute kämpft er mit einem gelähmten rechten Unterschenkel und Fuss, sensomotorischen Störungen und diversen Weichteilverletzungen.

Der Weg zurück

Es dauerte einige Jahre, bis Bernasconi wieder zum Radsport fand. 2012 nahm er die sportlichen Aktivitäten wieder auf. Sechs Jahre trainierte er, ging regelmässig auf Ausfahrten und bestritt Rennen, bis er schliesslich von Plusport-Nationaltrainer Dany Hirs auf sein Potenzial als Para-Cycler angesprochen wurde. Die Freude an den Wettkämpfen war zurück.

Bernasconi hat wieder zur Freude an Wettkämpfen gefunden.

Bernasconi hat wieder zur Freude an Wettkämpfen gefunden.

Oliver Kremer/pixollistudios

Heute nimmt der 36-Jährige an den Para-Weltmeisterschaften im portugiesischen Cascais teil. Ein Ziel ist es auch, eine Empfehlung für die kommenden Paralympics in Tokio abzugeben. «Die Olympiateilnahme ist die Krönung einer sportlichen Karriere. Dieses Ziel begleitet einen Sportler durch eine ganze Karriere und dient als Motivation», sagt Bernasconi.

Olympia-Teilnahme steht noch nicht fest

Es ist ein dicht getaktetes Programm, dass die Athletinnen und Athleten von Swiss Cycling in Anspruch nehmen. Erst letzte Woche fuhren sie noch an der EM in Oberösterreich. Ein Vollerfolg für die Schweizer, die gleich 8 Medaillen mit nach Hause nehmen konnten. Ein Stück weit diente die EM auch als Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft:

«Jeder Titelkampf ist eine grossartige Veranstaltung. Wir hatten letztes Jahr keine internationalen Wettkämpfe. Deshalb sind wir sehr froh, dass wir uns wieder auf dieser Ebene messen konnten.»

Die Veranstaltung in Cascais ist die letzte Chance für Bernasconi, seine Empfehlung für das Paralympics-Kader abzugeben. Seine Chancen auf eine Medaille seien aber schwierig einzuschätzen, weil er noch nicht definitiv klassifiziert sei. Die Muster seiner Einschränkungen seien relativ komplex, was es schwierig mache, ihn in eine Kategorie einzuteilen. Erst muss er noch einmal zur Klassifikation antreten.

Ob es schlussendlich für ein Ticket nach Tokio reicht, ist noch nicht definitiv. Bernasconi vertraut jedoch auf sein Team und geht positiv in die Weltmeisterschaft:

«Ich bin gesund, positiv eingestellt und freue mich. Ich werde an der WM alles tun, um meine Resultate für mich sprechen zu lassen.»