Vater, Trainer und Manager Ivan Bencic ist nicht erreichbar. Auch auf Nachrichten reagiert er am Dienstag nicht. Der Grund: Tochter Belinda. Am Mittwoch gibt sie bekannt, dass sie sich vergangene Woche einem operativen Eingriff am linken Handgelenk hat unterziehen müssen. «Leider. Ich falle mehrere Monate aus. Es war eine schwierige Entscheidung, aber es hilft mir, meine Karriere für viele Jahre zu verlängern», sagt die 20-Jährige Ostschweizerin.

Es ist der nächste Tiefpunkt einer beispiellosen Talfahrt. Vor 14 Monaten war sie kurz vor ihrem 19. Geburtstag als erst vierte Schweizerin nach Manuela Maleeva-Fragnière, Martina Hingis und Patty Schnyder in die Top Ten der Weltrangliste vorgestossen. Die Frage war nicht ob, sondern wann sie ihr erstes Grand-Slam-Turnier gewinnen würde. Nach von Verletzungen geprägten Monaten liegt sie in der Weltrangliste nur noch auf Rang 123. 

Belinda Bencic fällt monatelang aus

Ihr Ziel sei es, stärker und hungriger denn je zurückzukehren. «Ich bin sehr ungeduldig. Mir wurde es sehr schnell langweilig. Am Anfang einer Pause fand ich das noch toll, konnte ausschlagen, mich mit Kollegen treffen und in den Ausgang gehen. Aber schon bald habe ich gemerkt, dass es nichts für mich wäre, eine Lehre zu machen und ein normales Leben zu führen. Dieses Leben passt zu mir», hatte sie vor einem Monat im Interview gesagt.

Zuletzt war Bencic beim Heimturnier in Biel in der Startrundrunde gescheitert. Enttäuschung und Verzweiflung waren ihr anzumerken. Den Fragen der Medien wollte sie sich zunächst gar nicht erst stellen. Zum Handgelenk sagte sie damals: «Es ist nicht wunderbar, aber okay. Mal tut es zwei Tage weh, dann wieder eine Woche nicht.» Trotzdem reiste sie am Wochenende darauf an den Fed-Cup-Halbfinal der Schweiz in Minsk, wurde jedoch nicht eingesetzt.

Vater Ivan Bencic war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Vater Ivan Bencic war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Heinz Günthardt sagte dazu: «Spielerinnen, die sehr jung sehr gut waren, erreichen irgendwann einen Punkt, an dem sie sich gewisse Fragen stellen, die ihnen bisher nicht bekannt waren, weil sie früher alles instinktiv richtig gemacht haben. Sich Fragen zu stellen und gut Tennis zu spielen, ist eine äusserst schwierige Kombination.Belinda wird nie mehr so Tennis spielen wie als Teenager. Das muss nicht heissen, dass sie nie mehr so gut spielt.»

Zu den Verletzungssorgen und der sportlichen Talfahrt kommt die Herausforderung, dass Bencic sich im Fokus der Öffentlichkeit von ihrem Elternhaus abnabeln muss. Abnabeln will. «Es ist mein Wunsch und auch Papa wusste, dass er nicht ewig mit mir herumreisen wird», sagt sie zur Ablösung ihres Vaters Ivan als Haupttrainer. Zuletzt wurde sie vom Polen Maciej Synowka begleitet. Seine Dienste werden in den kommenden Monaten nicht mehr benötigt.