Olympische Winterspiele
Trotz doppelter Impfung: Strengstes Testregime für Olympia-Teilnehmende

Tägliches Fiebermessen, tägliche PCR-Tests, Masken in allen Innenräumen und im Freien sowie Speichern aller Informationen in einer App - noch nie wurden Sportlerinnen und Sportler strenger überwacht als während den Olympischen Spielen in Peking.

Rainer Sommerhalder
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Bereits in Tokio waren die Corona-Massnahmen strikt, Peking verschärft das Kontrollregime nun noch einmal zusätzlich.

Bereits in Tokio waren die Corona-Massnahmen strikt, Peking verschärft das Kontrollregime nun noch einmal zusätzlich.

Jae C. Hong / AP

In Europa werden Corona-Massnahmen im Zuge von zunehmend geimpften Menschen nach und nach gelockert. Für Chinas Regierung kommt so etwas nicht infrage. Für die Olympischen Spiele (4. - 20. Februar 2022) sowie die Paralympics (4. - 13. März 2022) lässt sie nur vollständig geimpfte Athletinnen und Athleten ohne unrealistisch lange Quarantäne ins Land. Wer keinen Impfschutz hat, muss 21 Tage in eine strikte Isolation - und hat ohne adäquates Training null Chancen auf sportlichen Erfolg.

Die Corona-Massnahmen, welche am Montag im ersten Playbook für alle Olympia-Teilnehmenden vorgestellt wurden, sind die strengsten, die je für einen Sportgrossanlass entworfen wurden. Die Kontrolltätigkeit beginnt bereits 14 Tage vor der Abreise an den Megaanlass.

Alle Teilnehmenden müssen eine App herunterladen und das tägliche Temperaturmessen vor dem Abflug sowie Informationen zu allenfalls überstandenen Covid-Infektionen eintragen. In den 96 Stunden vor dem Abflug braucht es zwei PCR-Tests - einer davon darf nur bei einer Organisation erfolgen, welche von der chinesischen Regierung offiziell anerkannt ist.

Die Testresultate müssen nicht nur in der App hinterlegt werden, sondern auch auf die Homepage der chinesischen Botschaft raufgeladen werden. Diese erstellt dann je einen QR-Code für den «Gesundheitspass». Eine zweite Prüfung für die Zolldeklaration benötigt weitere Informationen wie etwa die Sitzplatznummer im Flugzeug. Dass mit sämtlichen Daten nach den Datenschutz-Vorgaben des chinesischen Rechts umgegangen wird, mag zumindest die Betroffenen aus der westlichen Welt nur bedingt zufriedenstellen.

In China dürfen ausländische Sportlerinnen und Sportler einzig den Flughafen von Peking ansteuern. Dort wird bei Ankunft ein doppelter PCR-Test (via Nase und via Rachen) vorgenommen und abermals die Temperatur gemessen. Diese Prozedur gilt es danach täglich zu überstehen, wobei Fiebermessen beim Betreten praktisch aller offiziellen Lokalitäten Teil des Prozederes ist. Wessen Körpertemperatur höher als 37,3 Grad beträgt, muss weitere Tests auf sich nehmen. Alle Informationen sowie tägliche Gesundheitsfragen müssen von allen Teilnehmenden in der App hinterlegt werden.

Trotz dieses strikten Testregimes und trotz eines geschlossenen Systems, welches den Olympioniken keinerlei Bewegungsfreiheit ausserhalb der definierten Zone und keinen Kontakt zur chinesischen Bevölkerung ausserhalb der jeweiligen Blase erlaubt, gilt während der gesamten Zeit eine strikte Maskentragpflicht. Diese darf nur für Trainings, Wettkämpfe, Siegerehrungen und TV-Interviews abgezogen werden und gilt sowohl in Innenräumen wie auch im Freien.

In einer Frage kommt China immerhin den Gepflogenheiten in den jeweiligen Teilnehmer-Nationen entgegen. Die Definition «vollständig geimpft» richtet sich nach den Vorgaben in den einzelnen Ländern und kann eine, zwei oder drei Impfungen umfassen. Ende Jahr erscheint die zweite Ausgabe des sogenannten Playbooks mit Präzisierungen - und vielleicht weiteren Einschränkungen für die Olympia-Reisenden.

Den Schweizer Olympiachef Ralph Stöckli überrascht die Wucht der Massnahmen nicht: . «Wenn man sieht, wie rigoros China generell seine Anti-Covid-Strategie umsetzt, mussten wir damit rechnen, dass auch an den Olympischen Spielen strenge Vorgaben gelten werden.» Stöckli betont, wie wichtig es ist, sich auf die äusseren Umstände einzustellen: «Ich denke, allen Beteiligten und in erster Linie den Athletinnen und Athleten bleibt nichts Anderes übrig, als das Beste daraus zu machen. Dann bin ich zuversichtlich, dass die Schweizer Delegation in Peking auch unter diesen Voraussetzungen für ganz spezielle Momente sorgen wird.»

Zumindest einen überaus positiven Effekt hat die konsequente Maskentragpflicht für die Sportlerinnen und Sportler. Wie der Schweizer Olympiaarzt Patrik Noack bei seiner Analyse der Sommerspiele in Tokio feststellt, erlebte er noch nie so wenige Infektionserkrankungen der Athletinnen und Athleten während des Grossanlasses. Kein einziges Mal sei das extra vorbereitete Isolationszimmer zum Einsatz gekommen, die Anzahl Konsultationen beim Medical Team sei auf einem rekordverdächtig tiefen Niveau gewesen.

Noack führt dies auf das Tragen der Maske zurück und empfiehlt den Teilnehmenden bei zukünftigen Events zumindest während Reisen und Transfers im Flugzeug, Zug oder Bus konsequent einen Nasen-/Mund-Schutz zu tragen.

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