Olympische Spiele
Mathias Flückiger holt Silber: «Ich habe mein Ziel verfehlt, ich wollte gewinnen!» – Nino Schurter verpasst Medaille knapp

Mathias Flückiger sorgt mit Silber im Mountainbike-Rennen für die zweite Schweizer Medaille bei den Olympischen Spielen in Tokio. Nino Schurter verpasst als Vierter eine vierte Olympia-Medaille.

Simon Häring, Tokio
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Mathias Flückiger gewinnt Olympia-Silber im Mountainbike.

Mathias Flückiger gewinnt Olympia-Silber im Mountainbike.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Nur Pech oder eine Panne könne ihn stoppen. «Wenn ich nichts falsch mache und ich körperlich und mental alles aus mir heraushole, dazu das nötige Glück habe, dann bin ich eigentlich unschlagbar.» Sein Ziel bei den Olympischen Spielen in Tokio? Gold. Und nur Gold. «Der Sieg geht über mich, ich bin der Beste», sagte Mathias Flückiger vor dem Rennen auf der Izu-Halbinsel 100 Kilometer ausserhalb von Tokio. Als Weltcup-Leader ist der Berner der Gejagte. Und ja, er geniesst diese Rolle. Er sagte: «Ich wurde belächelt und bemitleidet. Jetzt ernte ich die Früchte meiner Arbeit.»

Und wie: Mathias Flückiger gewinnt bei den Olympischen Spielen in Tokio Silber, Gold geht an den 21-jährigen Briten Thomas Pidcock, der an diesem Nachmittag eine Klasse für sich ist. Der Bündner Nino Schurter verpasst als Vierter seine vierte persönliche Olympia-Medaille nach Bronze 2018 in Peking, Silber 2012 in London und Gold 2016 in Rio de Janeiro.

Nino Schurter verlässt erstmals Olympische Spiele ohne Medaille.

Nino Schurter verlässt erstmals Olympische Spiele ohne Medaille.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Glücklich über Silber, Mathias Flückiger? «Ich hatte zu hohe Erwartungen, ich wollte gewinnen. Jetzt ist es Silber. Ich habe damit mein Ziel verfehlt. Ich weiss, wie viel eine Medaille bei Olympischen Spielen wert ist. Aber ich bin ehrlich: Als ich ins Ziel gekommen bin, war ich nicht glücklich. Mir sind zwei Fehler passiert, ohne die Gold möglich gewesen wäre.»

Mathias Flückiger: «Ich darf mit mir nicht zu hart ins Gericht gehen»

Keystone-SDA

Siebte Schweizer Mountainbike-Medaille seit 1996

Für die Schweiz ist es bereits die siebte Medaille, seit Mountainbike 1996 ins olympische Programm aufgenommen worden ist. Bei der Premiere 1996 gewann Thomas Frischknecht Silber, 2000 holte Barbara Blatter in Sydney Silber, Christoph Sauser gewann Bronze. Ab 2008 komplettierte Nino Schurter mit Bronze in Peking, Silber in London und Gold in Rio de Janeiro seinen persönlichen Medaillensatz. Nur bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen ging die Schweiz im Mountainbike leer aus.

Kurz nach Zieleinfahrt ist Mathias Flückiger enttäuscht. Er wollte Gold bei den Olympischen Spielen. Und gewann «nur» Silber.

Kurz nach Zieleinfahrt ist Mathias Flückiger enttäuscht. Er wollte Gold bei den Olympischen Spielen. Und gewann «nur» Silber.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Mathias Flückigers Medaillengewinn kommt nicht von Ungefähr. Er sagte es, und das Resultatblatt gab ihm Recht: Sechs Mal stand er in diesem Jahr auf dem Weltcup-Podest, vier Mal zuoberst. Den Gesamtweltcup führt er überlegen an. War es kalt und schlammig, war er der Beste, war es heiss und trocken ebenfalls. Selbst die Bedingungen in Tokio liessen ihn kalt. Zwei Tage vor dem Rennen sagte der 32-Jährige: «Klar, kühlen ist sehr wichtig. Aber das kennen wir doch. Wir sind hier nicht auf dem Mars.»

Favorit Mathieu Van der Poel stürzt in der Startunde

Flückiger und Schurter drückten dem Rennen auf der Izu-Halbinsel rund 100 Kilometer von Tokio entfernt von Anfang an den Stempel auf. Nach der Einführungsrunde befanden sie sich in einer Siebnergruppe, der auch Topfavorit Mathieu van der Poel angehörte. Doch der Holländer, der im Sommer bei der Tour de France während 6 Tagen das Maillot Jaune getragen hatte, stürzte in der ersten Runde in Führung liegend in einer Abfahrt und verlor dabei knapp eine Minute auf die Rennspitze. Der 26-Jährige verabschiedete sich damit frühzeitig aus der Entscheidung.

Spätestens seit seinem U-23-Weltmeistertitel 2010 und WM-Bronze bei der Elite 2012 galt Flückiger als Hochbegabter. Doch die Erwartungen konnte er nie ganz erfüllen. Ausgerechnet das Jahr 2020 wurde für ihn zum Schicksalsjahr. Er trennte sich noch vor Ausbruch der Pandemie von seiner damaligen Freundin. Rückblickend sprach er gegenüber dem «Bund» von einer sehr harten Zeit, von vielen einsamen Abenden, an denen er alleine zu Hause gesessen und sich viele Gedanken gemacht habe. Flückiger sagte: «Ich hatte immer wieder Zweifel an mir, nun muss ich sagen: Es ist perfekt, so wie ich bin. Jetzt sage ich, was ich denke.»

Mathias Flueckiger 2006 bei einem Empfang in der Gemeinde Ochlenberg nach seinem Junioren-WM-Titel im Mountainbike.

Mathias Flueckiger 2006 bei einem Empfang in der Gemeinde Ochlenberg nach seinem Junioren-WM-Titel im Mountainbike.

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