Selbstquarantäne

Olympiasieger Nino Schurter gibt Tipps für alle zu Hause: «Schiebt ja keine Fertigpizza in den Ofen»

Olympiasieger Nino Schurter gibt Tipps für alle zu Hause: «Schiebt ja keine Fertigpizza in den Ofen»

Nino Schurters Videobotschaft.

Olympiasieger Nino Schurter gibt Tipps, wie man in der Coronakrise zu Hause fit bleiben kann — und sagt, wie er sich in der Selbstquarantäne fühlte.

Das Sportlerleben ist während der Coronakrise anderes als sonst. Rennen sind abgesagt, die Sportstars sitzen zu Hause. Normalerweise hätte Olympiasieger Nino Schurter am letzten Wochenende in Südafrika das Etappenrennen Cape Epic beendet. Stattdessen war der Mountainbiker nach der Rückkehr aus Südafrika fünf Tage in Selbstquarantäne.

Wie war es für Sie, zu Hause in Quarantäne zu sein?

Nino Schurter: Es fühlte sich kurios an. Bevor ich nach Hause kam, ging meine Familie extra weg. Ich fühlt mich schnell einsam. Aber vielleicht tat es auch für einmal gut zu sehen, was es bedeutet alleine zu sein. Ich bin nun aber schon froh, habe ich die Familie wieder bei mir. Dank der Coronakrise habe ich viel Zeit für meine Tochter.

Der Sport dürfte auch bei Ihnen derzeit nicht an erster Stelle stehen.

Sportliche Ziele haben derzeit überhaupt keine Priorität. Es bringt mir nichts, wenn ich sportliche Erfolge feiere, aber Menschen im Umfeld Komplikationen haben. Der Sport rückt im Moment in den Hintergrund.

Die Sportwelt steht still. Auch bei den Mountainbikern. Der Weltcupstart im tschechischen Nove Mesto ist in den Herbst verschoben, die Olympischen Spiele in Tokio ins Jahr 2021. Für den 33-jährigen Bündner wäre die Titelverteidigung von Olympia-Gold das grosse Ziel des Jahres gewesen. Es fällt nun ins Wasser.

In diesem Jahr kann Nino Schurter nicht wieder über Olympiagold jubeln.

In diesem Jahr kann Nino Schurter nicht wieder über Olympiagold jubeln.

Wie gehen Sie damit um, dass die Olympischen Spiele verschoben wurden?

Ich bin froh, dass endlich Klarheit herrscht. Zudem freue ich mich, dass eine Verschiebung in Betracht gezogen wurde. Es wäre äusserst hart gewesen, wenn sie abgesagt worden wäre. Jetzt kann man die Träume um ein Jahr verschieben. Wir können darauf hoffen, dass die Spiele 2021 problemlos durchgeführt werden können.

War der Entscheid richtig?

Ja, bestimmt. Auch wenn sich die Situation schnell verbessern sollte, wäre es sportlich nicht fair gewesen. In einigen Sportarten kann man nicht mehr richtig trainieren, insbesondere in solchen, die eine gewisse Infrastruktur benötigen.

Was bedeutet die Verschiebung sportlich für Sie?

Es ist natürlich schon schade. Ich fühle mich sehr fit, wäre in Form gewesen. Ob ich das im nächsten Jahr auch noch bin, weiss ich nicht. Ich werde ja auch nicht jünger.

Wie trainieren Sie derzeit?

In der Zeit, in der ich alleine war, habe ich viel trainiert. Aber seit es Klarheit bezüglich den Olympischen Spielen und dem Weltcup gibt, habe ich das Training zurückgefahren. Es geht darum, fit zu bleiben. Später starte ich wieder einen gezielten Aufbau. Ich gehe davon aus, dass wir im Spätsommer oder im Herbst wieder Rennen fahren können. Dann will ich bereit sein.

Viele Menschen können ihren Sport derzeit nicht ausüben. Fitnesscenter sind geschlossen, Team- oder Partnersportarten im Moment nicht erlaubt. Dazu kommt, dass Risikopersonen nicht nach draussen sollen. Auch Nino Schurter hält sich an die Regeln und hat sein Training angepasst.

Welche Tipps können Sie als Spitzensportler geben, um zu Hause fit zu bleiben?

Für all jene, die gezwungen sind zu Hause zu bleiben, ist es wichtig, sich trotzdem zu bewegen. Das das Immunsystem wird gestärkt und man wird glücklicher. Ich empfehle: Jeder soll es sich als Tagesziel setzen, sich ein paar Minuten zu bewegen. Es gibt viele gute Übungen, für die man keine Hilfsmittel braucht: Gymnastik- oder Kraftübungen auf einer Matte oder dem Teppich. Im Internet finden sich dazu viele Tutorials. Auch für Velofahrer gibt es gute Produkte für zu Hause. Es gibt sogar Plattformen, auf denen man online Rennen fahren kann.

Was empfehlen Sie an der frischen Luft?

Solange keine Ausgangssperre herrscht – und man nicht der Risikogruppe angehört – finde ich es wichtig, alleine an die frische Luft zu gehen. Dazu zählt ein Spaziergang, Joggen oder Velofahren. Man darf nicht vergessen, wie viel positive Energie frische Luft und Sport freisetzen kann. Es ist wichtig, dass wir nicht andere Probleme, wie Depressionen oder häusliche Gewalt, bekommen, weil wir zu Hause bleiben müssen.

Ist mental stark und isst gesund: Nino Schurter.

Ist mental stark und isst gesund: Nino Schurter.

Sie gelten mental als sehr stark. Wie können die Menschen in der jetzigen Situation positiv bleiben?

Man muss versuchen, das Positive zu sehen. Durch das Coronavirus besinnen sich viele Leute darauf, was wirklich wichtig ist im Leben. Auch wenn man sich räumlich distanzieren muss, sind die Menschen solidarischer geworden. Das ist schön. Und irgendwann wird auch diese Zeit zu Ende gehen.

Welche Tipps können Sie bezüglich Ernährung geben?

Nicht nur für Sportler ist es entscheidend, sich gut zu ernähren. Mir ist es auch wichtig, dass man lokal isst und derzeit Heimlieferdienste aus der Region nutzt. Durch gutes Essen kann man viel optimieren – nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern auch die Gesundheit und das Immunsystem. Dies gilt insbesondere für diejenigen, die nicht an die frischen Luft können.

Was empfehlen Sie konkret?

Man soll sich Zeit nehmen, etwas gutes zu kochen und keine Fertigpizza in den Ofen schieben, nur weil dies einfach ist. Mein Tipp ist es, mit einem gesunden Frühstück zu starten: ein frisches Müsli mit einem Natur-Jogurt, einem geraffelten Apfel, Beeren und Nüssen.

Viele Sportler sind auch in normalen Zeiten sehr hygienisch. Sollten wir alle dem Beispiel folgen?

Wir Athleten sind in einer anderen Ausgangslage. In der Vorbereitung auf einen wichtigen Wettkampf haben wir Respekt vor einer Krankheit, die uns ausbremsen könnte. Deshalb sind wir nicht in grossen Menschenmengen, waschen uns die Hände oft, benutzen Desinfektionsmittel und fassen uns nicht ins Gesicht. Doch für die ganze Gesellschaft muss dies nicht gelten. Gerade für Kinder ist es wichtig, dass sie mit Bakterien und Viren in Kontakt kommen. Derzeit ist es wichtig, die Regeln zu befolgen, aber nach der Coronakrise muss man nicht dauernd die Hände desinfizieren.

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