Interview
Olympia-Sieger Dario Cologna: «Eine Familie zu haben, ist ein Ziel»

Olympiasieger Dario Cologna spricht über Erholung, Familienplanung und wiederholte Erfolge.

Etienne Wuillemin
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Dario Cologna: «So einen Erfolg zu wiederholen, ist fast schwieriger. Es macht mich irgendwie auch stolz, dass ich mein Niveau über so viele Jahre halten konnte.»

Dario Cologna: «So einen Erfolg zu wiederholen, ist fast schwieriger. Es macht mich irgendwie auch stolz, dass ich mein Niveau über so viele Jahre halten konnte.»

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Dario Cologna, vor drei Jahren hat Ihre Freundin in einem Text über Sie geschrieben: «Er ist nicht wirklich ein guter Hausmann». Welche Medaillen-Farbe würden Sie sich selbst drei Jahre später für Ihre Qualitäten zu Hause geben?

Dario Cologna: Da stellt sich natürlich die Frage, ob ich überhaupt eine Medaille verdiene (lacht). Aber so schlecht bin ich auch wieder nicht. Für Silber sollte es reichen. Ich koche nicht gerade gerne. Aber Ordnung halte ich dafür meist.

Und die Wäsche sei auch immer gemacht.

Genau. Darum: Silber ist o.k.

Welche Leidenschaft haben Sie, wenn die Langlaufski im Keller stehen?

Da muss ich überlegen. Essen vielleicht (lacht). Aber ein grosses Hobby, das neben dem Sport Platz findet, habe ich nicht. Ich bin meist ausgebucht. Auch im Sommer ist vieles intensiv. Darum bin ich froh, wenn ich Raum für Gemütlichkeit habe. Vielleicht ab und an mal Fussball spielen.

Einer Ihrer früheren Mitschüler aus dem Gymnasium erzählte: Am Töggelikasten seien Sie auch nicht ganz untalentiert.

Wenn er das sagt, könnte es schon stimmen (lacht). Das ist sicher ein cooler Zeitvertrieb. Überhaupt denke ich, habe ich wohl einige sportliche Talente in die Wiege gelegt bekommen.

Haben Sie damals in der Schule schon davon geträumt, der beste Schweizer Wintersportler der Geschichte zu werden?

Wenn, dann war es wirklich nur ein Traum. Ich hatte im Gymnasium schon das Ziel, Profi zu werden. Aber dass es dann so gut läuft, dass ich jetzt vierfacher Olympiasieger bin – nein, das hätte ich mir nicht ausdenken können.

Wie kam die Leidenschaft für den Langlauf?

Mit etwa elf Jahren begann ich, also relativ spät. Ich habe zuvor vieles ausprobiert, Ski alpin und Fussball beispielsweise. Mein Vater ging ab und zu langlaufen, und ich dann halt mit. Durch Zufall habe ich von einem Juniorenrennen im Münstertal gehört und mitgemacht – es läuft ja sonst nicht so viel. Ich wurde gleich Fünfter im ersten Rennen. Und so bin ich hängen geblieben.

Zurück in die Gegenwart: Wie feiern Sie Ihren neuerlichen Olympia-Sieg?

Unmittelbar vor Ort bleibt ja kaum Zeit dafür. Und ich hatte auch danach noch weitere Rennen. Darum wird es im Frühling eine grössere Party geben mit Freunden und Teamkollegen. Ich habe in Davos etwas organisiert. Erst ein kleines Essen bei mir. Danach geniessen wir noch etwas das Nachtleben.

Einige Momente nach dem Sieg in Pyeongchang über 15 Kilometer übermannten Sie die Emotionen. Haben Sie die Bilder noch einmal angeschaut?

Ja. Ein solcher Moment ist natürlich schön. Man kann den nicht planen oder kontrollieren. Ich denke, man sieht schon auch die Erleichterung von einem gewissen Druck. Darum sind die Emotionen auch grösser ausgefallen als bei einem anderen Rennen.

Sie haben nun an drei verschiedenen Olympischen Spielen Goldmedaillen geholt. Was verändert sich über die Jahre?

Mittlerweile kenne ich alles schon ein wenig. Ich weiss, wie die Abläufe sind. Am Anfang, bei der ersten Goldmedaille, ist alles neu. Ich wusste nicht, was alles auf mich zukommt.

Ist die erste Goldmedaille die schönste?

Nicht unbedingt. Klar ist das erste Mal schön. Es ist dann einfach plötzlich so weit. Und völlig unerwartet. Aber so einen Erfolg zu wiederholen, und dann noch einmal, ist fast schwieriger. Die Erwartungen von allen Seiten sind viel höher. Das spürte ich stets. Es macht mich irgendwie auch ziemlich stolz, dass ich mein Niveau über so viele Jahre halten konnte. Das ist eher selten in einem Sport, der so viel Training und Vorbereitungszeit erfordert.

Muss man angesichts all der Olympia-Goldmedaillen schon Angst haben, dass Sie bald zurücktreten?

Also jetzt schon noch nicht gerade (lacht). Irgendwann kommt der Zeitpunkt bestimmt, ich bin jetzt 32 Jahre alt und habe bestimmt nicht mehr eine überaus lange Zukunft. Die nächsten Olympischen Spiele sind noch weit weg, ich kann noch nicht sagen, ob ich dann noch dabei bin. Aber was sicher ist: Wenn man so viel gewonnen und erreicht hat, läuft man sicher nicht einfach zum Spass mit. Ich möchte schon auch künftig vorne dabei sein.

Apropos 32 Jahre alt: Ist eine Familie in Planung?

Sagen wir: Einmal eine Familie zu haben, ist ein Ziel. Aber momentan ist noch nichts Konkretes in Planung. Es ist schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu finden (lacht).

Wie erholen Sie sich von der Saison?

Im April gönne ich mir zwei Wochen Strand-Ferien in Thailand. Da kann ich gut abschalten. Wenn ich aber so wie jetzt noch direkt nach der Saison zu Hause bin, trainiere ich gleichwohl immer irgendwie.

Wenn Sie dann am Strand liegen – können Sie die Gedanken ganz weg vom Sport lenken?

Meistens kommt die Lust schon ziemlich schnell zurück. Auch das Gefühl, etwas machen zu müssen. Klar ist: Nach einem Olympiawinter wie diesem ist es wichtig, zu entspannen, damit ich dann für die lange Vorbereitung wieder motiviert bin.

Können Sie denn überhaupt still sitzen – oder liegen am Strand?

Nicht sehr lange. Manchmal muss ich mich richtiggehend zwingen, um diese Auszeit zu nehmen.

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Diskussionen über Doping. Sind diese Diskussionen für Sie ermüdend oder wichtig?

Ich finde, es ist wichtig, darüber zu sprechen. Natürlich ist der Langlauf eine Sportart, die oft in den Schlagzeilen war. In anderen Sportarten dagegen wurde die Problematik ein wenig totgeschwiegen. Es wäre übertrieben, zu sagen,die Ausdauersportler würden ungerecht behandelt. Aber viele Leute denken immer noch, dass es in anderen Sportarten nicht so viele Fälle gibt oder Doping nichts bringt – was ja nicht ganz richtig ist.

Denken Sie an den Fussball?

Nein, ich nenne explizit keine Sportart. Ich sage nur: Es braucht flächendeckend ein Bewusstsein für Doping und seine Folgen. Und es ist wichtig, dass die sauberen Athleten möglichst gut geschützt werden.