Erinnerungen werden wach. Wenn Martin Schmitt als Experte bei Eurosport einen Sprung seines früheren Konkurrenten Simon Ammann kommentiert, dann ist es bisweilen ein Blick in den Spiegel. Auch der Deutsche feierte grosse Erfolge, gewann bei Olympischen Spielen, an Weltmeisterschaften (2001 in Lahti!) und im Gesamtweltcup.

Auch Schmitt geriet im Herbst der Karriere in ein sportliches Dauertief. Und auch Schmitt musste sich anhören, den Zeitpunkt für den Rücktritt verpasst zu haben.

Der Schwarzwälder mit dem Milka-Helm als Markenzeichen erlebte nach WM-Silber 2009 nur noch punktuelle Erfolgserlebnisse, wurde zwischenzeitlich sogar ins deutsche B-Team relegiert und trat schliesslich im Januar 2014 vom Spitzensport zurück – als klar war, dass er sein letztes grosses Ziel, die Olympiaqualifikation für Sotschi, nicht erreichen wird.

Schmitt sprang der Konkurrenz hinterher und viele Beobachter stellten sich die Frage: Wieso tut sich der ehemalige Strahlemann des deutschen Wintersports dies an?

Die gemeinsame Firma

«Ganz einfach: Ich wollte noch Skispringen. Es fiel mir auch nie schwer, mich fürs Training zu motivieren», sagt der 39-Jährige, der mit seiner Frau und der dreijährigen Tochter in Freiburg wohnt. «Ich habe immer an mich geglaubt.»

Schmitt gewinnt 2001 die Weltmeisterschaften in Lahti.

Schmitt gewinnt 2001 die Weltmeisterschaften in Lahti.

Wie Simon Ammann mit der Umstellung der Landung hatte auch Schmitt im Herbst seiner Karriere seine ganz persönliche Challenge, die ihn anspornte. Eine markante Regeländerung zwang die Springer damals in viel engere Anzüge. «Mir kam das nicht gerade entgegen. Aber umso mehr wollte ich für mich die Bestätigung, dass es auch so funktioniert», sagt Schmitt.

Diese kleinen Herausforderungen, das Lösen von immer wieder neuen Rätseln und das Abrufen des optimalen Sprungs seien typische Triebfedern für einen Skispringer. Schmitt ist sich sicher, dass auch Ammann diesen Antrieb spürt.

Auch wenn Schmitt und Ammann während ihrer Karriere keine besondere Freundschaft oder Beziehung pflegten, sind sie heute Geschäftspartner. Gemeinsam mit ihrem früheren Manager gründeten sie vor anderthalb Jahren die Sportmarketing-Agentur «Ammann Schmidt und Partner ASP».

Sie bieten komplettes Athletenmanagement, Sponsoring-Beratung und Rechtevermarktung an. Der deutsche Skispringer Severin Freund und die österreichische Skifahrerin Mirjam Puchner sind die bekanntesten Klienten. Damit der Zeitaufwand für den Schweizer so klein wie möglich sei, finde schon mal eine Geschäftsleitungssitzung bei «Simi» daheim in Schindellegi statt.

Über Skispringen diskutieren die zwei dabei nur oberflächlich, selbst wenn der vierfache Weltmeister Schmitt als Leidensgenosse und inzwischen mit Bestnote diplomierter Trainer durchaus geeignet wäre, seinen Geschäftspartner zu trainieren. Schmitt winkt ab: «Simon hat eine Riesenerfahrung und seine eigenen Ansprechpartner. Da sind zu viele Inputs nur schädlich. Und ich habe seinen Trainer Ronny Hornschuh selber als sehr konstruktiven Coach erlebt.»

Noch viel Arbeit für Simi

Und was sagt Martin Schmitt als TV-Experte zu den Auftritten des Schweizers? «Ich sehe, dass er in einzelnen Sprüngen sehr nahe dran ist. Doch bevor er sich wieder mit den Besten messen kann, braucht er eine gewisse Anzahl dieser gelungenen Basissprünge. Dann tun sich wieder ganz andere Perspektiven auf.»

Das ist Simon Ammanns Karriere in Bildern:

Der Deutsche denkt, dass sich Ammann derzeit mehr auf den Absprung und die Flugqualität als auf die Landung fokussieren sollte, «denn die Landung hat er so weit im Griff, als dass sie kein Sicherheitsproblem mehr ist».

Martin Schmitt glaubt daran, dass Ammann an den Olympischen Spielen in Südkorea nochmals auftrumpfen kann. «Wenn ich es einem zutraue, dann ihm», sagt er, «denn er spürt jetzt langsam, wie sein Sprung aussehen muss. Alles was er derzeit tut, dient der Vorbereitung auf Pyeongchang ,und die wird für ihn sehr, sehr intensiv werden. Nur so kann es ihm gelingen.»