Die Chancen der Schweizer Kunstturner, Erfolge einzufahren, stehen so gut wie lange nicht mehr. Das Team um Captain Pablo Brägger zeigt sich in bestechender Form. Nach der erfolgreichen EM im Frühjahr mit der Silbermedaille von Christian Baumann am Barren und der bronzenen von Brägger am Boden darf man auch auf Weltniveau einiges erwarten.

Das Ziel muss lauten: Ein Ticket an die Olympischen Spiele in Rio. Olympia ist das Grösste für jeden Spitzensportler. Der Weg ist so lange, so beschwerlich und mit so unglaublich viel Verzicht verbunden, dass jeder Athlet davon träumt und daraus seine Motivation schöpft.

Auch für mich war es Antrieb und allergrösster Traum, an diesen Spielen teilzunehmen. Leider konnte ich dieses Ziel nie erreichen. Zu viele Verletzungen und die Krankheit Epilepsie versperrten mir den Weg in den Olymp. Gleich zweimal platzte der Traum – vor London und nun vor Rio. Beim ersten Mal war es so schlimm, dass eine kleine Welt in mir zusammenbrach und ich fast aufgegeben hätte.

Mit einem Schweizer Team nach Rio wäre das Schönste. Warum? Die Turner verbringen täglich sechs Stunden in der Turnhalle. Jeder kennt jeden ganz genau. So weiss jeder, wann er den Kollegen in Ruhe lassen muss – wegen der Konzentration oder des seelischen Zustands. Gemeinsam stählt man seinen Körper, trainiert die komplizierten Bewegungsabläufe und perfektioniert die Ausführung. Gemeinsam erlebt man jeden Schmerz, jede Verletzung und jeden zerplatzten Traum. Darum ist es umso schöner, wenn am Ende auch der Erfolg miteinander geteilt wird und der grösste aller Träume als Mannschaft in Erfüllung gehen kann.

Ich wünsche meinen Turnfreunden einen Wettkampf mit Wow-Effekt. Turnt mit Leidenschaft, turnt mit Freude und zeigt, dass ihr euch den Platz unter den besten Mannschaften der Welt hart erarbeitet und verdient habt. Ich glaube an euch!

Lucas Fischer holte 2013 EM-Silber am Barren. Der 25-Jährige musste seine Karriere vor gut einem Monat aus Verletzungsgründen beenden.