Anekdote 3
Olympia-Anekdoten: Ein spektakuläres Bild von einem spektakulären Sturz

Von Blutbeuteln, Zehntelsekunden und einem Wunder: Olympische Winterspiele haben zuhauf wundersame Geschichten und Anekdoten hervorgebracht. Von allen zu berichten würde Seiten und Stunden füllen. Hier finden Sie jeden Tag eine kleine Geschichte.

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Der spektakuläre Sturz von Hermann Maier abgelichtet von Carl Yarbrough.

Der spektakuläre Sturz von Hermann Maier abgelichtet von Carl Yarbrough.

watson: getty/carl yarbrough

Der amerikanische Sportfotograf Carl Yarbrough sagt: "Die Abfahrt zu fotografieren ist das Schwierigste überhaupt. Für das wirklich gute Bild hast du nur eine einzige Chance. Du musst sie ergreifen, sonst ist es zu spät." Aus Lillehammer 1994 wurde Yarbrough zurückgerufen, weil ihm keine guten Bilder gelungen waren.

Das spekatuläre Bild von Carl Yarbrough auf dem Cover von Sports Ilustrated.
3 Bilder
Hermann Maier gewinnt nach seinem Sturz zwei Goldmedaillen in Nagano.
Eine dieser Goldmedaillen holt der Herminator im Super-G.

Das spekatuläre Bild von Carl Yarbrough auf dem Cover von Sports Ilustrated.

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Für Nagano 1998 nahm er einen Auftrag des renommierten US-Magazins Sports Illustrated an. Für die Männerabfahrt wählte er eine Position weit oben an der Strecke. Seine Position wäre aber zu niedrig gewesen. Deshalb nahm er eine Spanplatte und eine kleine Leiter zum Rennen.

Die ersten drei Fahrer, unter ihnen der zuerst gestartete Bündner Franco Cavegn, seien "langweilig" gewesen, sagte Yarbrough später in einem Interview. Jeder habe die Rechtskurve perfekt genommen.

Die Geburtsstunde des Herminator

Dann kam Hermann Maier mit der Nummer 4, der hohe Favorit auf Gold. Die paar Zehntelsekunden, die seine "Chance" bedeuteten, wurden die besten Zehntelsekunden im Leben des bis dorthin wenig bekannten Fotografen. Dank dem automatischen Auslöser fing er in messerscharfen Bildern ein, wie der Herminator beim vielleicht spektakulärsten und sicher bedeutsamsten Sturz - es war eigentlich ein Flug - quer und hoch in der Luft hing.

Den Körper in liegender Position, Beine und Ski in die Höhe gestreckt, die Arme rudernd. Es waren Bilder, die um die Welt gingen. Unvergessliche Bilder, von denen die meisten Berufsfotografen ein Leben lang vergebens träumen. Trotz des Sturzes trat Maier zum Super-G und zum Riesenslalom an. Beide Male gewann er Gold. Von dort an war er der Herminator.