Sie haben in der Vergangenheit immer wieder betont, dass Sie sich den ganzen Sommer über Gedanken gemacht und kaum hätten abschalten können. War es in diesem Jahr, nach den unbefriedigenden Playoffs, noch intensiver?

Scott Beattie: Oh ja.

Wie muss man sich das vorstellen: Haben Sie Analysen betrieben, Videos geschaut?

Ich habe viel analysiert.

Können Sie verraten, was dabei herausgekommen ist?

Nein.

Ist das denn ein Geheimnis?

Nein, das nicht, aber es sind Sachen, welche wir intern behalten möchten. Es geht nur die Spieler etwas an und den Betreuerstab.

Sind diese Punkte mit den Spielern denn abschliessend diskutiert worden oder geschieht dies Schritt für Schritt?

Das ist ganz klar ein Prozess, wie vieles andere auch. Er hat begonnen und geht immer weiter. Man kann das zwar einmal diskutieren, doch das reicht nicht. Es muss immer wieder thematisiert werden.

Nach der letzten Saison haben Sie nach dem Ausscheiden gegen La Chaux-de-Fonds vom Faktor Zufall gesprochen. Mit einem halben Jahr Abstand: Halten Sie daran fest?

Hockey ist Zufall. Jedes Spiel, jeder Wechsel ist anders, deshalb ist es Zufall.

Zufall ist sicher ein Punkt, doch bestimmt kann auch der Trainer jede Menge beeinflussen.

Absolut! Da ist die Vorbereitung, da sind die erzielten Fortschritte, das Anpassen an neue Umstände, es ist nicht alles Zufall. Zufall macht nur einen kleinen Teil vom Ganzen aus, aber er existiert.

Und er kann manchmal entscheidend sein.

Manchmal kann er das, ja. Man kann nicht alles kontrollieren.

Sie vertrauen praktisch derselben Mannschaft wie zu Beginn der letzten Saison – bis auf Neuzuzug Codey Burki. Sind Sie überzeugt davon, dass diese Mannschaft den sicher auch von Ihnen erwarteten Schritt machen kann?

Sie haben diesen Schritt bereits gemacht. Praktisch alle von ihnen haben im Sommertraining ausgezeichnet gearbeitet. Die gemeinsamen Trainings seit Saisonbeginn sind sehr viel ergiebiger, intensiver. Das hat wohl auch damit zu tun, weil wir nur noch 22 Spieler auf dem Eis haben, ich bin sehr zufrieden. Es ist aber auch so, dass auch die anderen Teams mindestens gleich gut sind, ein paar von ihnen sogar besser als letzte Saison.

Es tönt, als wären Sie froh, nur noch 22 Spieler im Kader zu haben?

Mit dieser Anzahl Spieler lässt sich optimal trainieren, wir haben aber bereits zwei Verletzte, da muss man vorsichtig sein. Letztes Jahr hatten wir so viele Spieler und keinen einzigen Verletzten, das machte das Trainieren schwierig. Momentan jedoch ist das Training hervorragend. Das war auch das, was ich den Spielern im März gesagt habe, nämlich, dass wir in dieser Saison vom allerersten Tag an intensiver arbeiten müssen, und das ist auch geschehen. Jetzt müssen wir das einzig noch umsetzen.

Das kleinere Kader erlaubt es natürlich auch, sich später gezielt zu verstärken – wenn denn das Bedürfnis besteht. Ein Vorteil.

Das ist nicht mein Job.

Sie können aber sicher Einfluss nehmen.

Ja (grinst). Wenn wir uns auf irgendeiner Position wirklich verstärken können, dann werden wir das sicher versuchen. Köbi hält die Augen offen.

Diese Eigenverantwortung, mit welcher Sie die Spieler in die Sommerpause entliessen, war das auch eine Reaktion auf das schlechte Abschneiden in den Playoffs?

Nicht unbedingt, es war vielmehr eine Reaktion, und das ist meine Meinung, den Spielern zu zeigen, dass jetzt endlich fertig ist mit Kindergarten. Das sind Profis, sie werden für Eishockey spielen bezahlt, also sollen sie auch mit einer entsprechenden Form nach dem Sommer einrücken. Sie brauchen keinen Jan Lestander oder sonst jemand, der mit ihnen Fussball spielt, eine halbe Stunde am Abend, dreimal die Woche. Wenn sie ihre Verantwortung nicht wahrnehmen, dann müssen sie eine Strafe zahlen. Wir haben Fitnesstests gemacht, doch diese Resultate sind geheim (lacht): Da waren alle besser als je zuvor. Ich bin wirklich sehr zufrieden, und ich habe mich bei den Spielern auch bedankt, dass sie so hart gearbeitet haben. Doch jetzt kommt der wichtigste Teil: Das Ganze aufs Eis zu bringen.

Das tönt, als würden Sie nächsten Sommer wieder genau gleich vorgehen.

Ich denke noch nicht an nächsten Sommer, ich denke nur an kommenden Freitag.

In der letzten Saison haben Sie praktisch alle Vorbereitungsspiele gewonnen, in diesem Jahr war es gerade umgekehrt. Sind Sie deswegen ein bisschen nervös?

In meinem ersten Jahr haben wir praktisch alles gewonnen, letztes Jahr war es ein bisschen anders. So oder so: Man gewinnt den Pott nicht im August, September oder Oktober. Bin ich deswegen nervös? Ich bin nie nervös, aber immer besorgt und ich ärgere mich, wenn etwas nicht funktioniert. Immer. Aber ich verfalle nie in Panik. Ich weiss, was wir haben, und wenn alle das tun, was von ihnen erwartet werden kann, haben wir einen wettbewerbsfähigen Hockeyclub.

Thomas Bäumle und Michael Tobler bilden noch immer das Torhüter-Duo. Sehen Sie die beiden auf demselben Level?

Das müssen sie entscheiden. Jener, der die Pucks hält, wird spielen.

Sie haben immer gesagt, vier Augen sehen mehr als zwei Augen – jetzt haben Sie gar deren sechs, dank Dino Stecher und Köbi Kölliker. Macht es das einfacher für Sie?

Sicher, ja. Je mehr Augen, desto besser. Dino kenne ich aus den gemeinsamen Zeiten beim ZSC, später als Coach in der NLA und NLB, super, dass er unser Team verstärkt. Köbi habe ich, lassen Sie mich überlegen, 2003 oder so an den Weltmeisterschaften in der Schweiz erstmals getroffen, ich spielte da für die italienische Nationalmannschaft, er war im Coaching Staff der Schweiz. Er kennt das Schweizer Eishockey.

Gibt Ihnen Köbi Kölliker die Möglichkeit, auch einmal durchzuschnaufen?

Ja, ganz sicher. Das ist wichtig, für jeden. Die Saison ist lang. Wenn man Hilfe bekommt, nicht alles selber erledigen muss, kann man sich mehr auf Sachen fokussieren, die im Moment von grosser Wichtigkeit sind. Köbi ist sicher sehr hilfreich für mich.

Sprechen wir über die massiv grösseren Endzonen. Wird man eine neue Sportart erleben in dieser Saison?

Nicht gerade eine andere Sportart, aber die Special Teams werden ganz, ganz wichtig. Wichtiger als je zuvor, denn es hat so viel Platz. Technisch versierte Mannschaften, die den Puck laufen lassen können und sich gut bewegen, werden klar im Vorteil sein. Allgemein mit den neuen Regeln: Es wird wahrscheinlich auch mehr Penaltys geben.

Die Special Teams: Richten Sie darauf in den nächsten Wochen den Fokus im Training?

Nicht nur, es ist sicher ein wichtiger Teil. Man darf dabei aber das Ganze nicht aus den Augen verlieren. Das Spiel über alle drei Zonen, darauf müssen wir achten.

Geben Sie sich eine Frist, bis wann Sie die Mannschaft auf die neuen Verhältnisse eingestellt haben wollen – oder geschieht das Schritt für Schritt?

Schritt für Schritt, es ist ein stetes Anpassen. Man muss stets darauf achten, was die anderen Teams machen. Die Videos werden sehr wichtig sein, die werden den Spielern genau zeigen, wie gespielt werden muss. Und das muss dann immer und immer wieder trainiert werden. Das Ziel muss sein, jeden Einzelnen auf dasselbe Niveau zu bringen.

Am Freitag geht es los gegen Visp. Was erwarten Sie?

Den Champion.

Den wollen alle schlagen.

Ja. Ich erwarte ein sehr gutes Team, das zu Hause ohnehin immer stark spielt. Wir müssen wohl bereits unser bestes Hockey spielen.

Die meisten Teams haben sich verstärkt, der Tenor geht in die Richtung, dass alle Mannschaften noch einmal näher zusammengerückt sind. Ihre Meinung?

Dieses Gefühl habe ich auch. Es wird wohl keine grossen Abstände geben, deshalb muss man von Anfang an bereit sein.

Es wird also kaum mehr Serien mit 14 Siegen oder so geben ...

Ich weiss es nicht. In meiner ersten Saison gewannen wir 13 Spiele hintereinander, letztes Jahr deren 14. Sollte es in dieser Saison tatsächlich wieder jemandem gelingen, wäre das schon sehr speziell. Denn es wird wirklich eng, alle sind besser geworden.