OL-Weltmeisterschaften
Ein wenig wie der Beat Feuz des OL-Sports: Matthias Kyburz jagt das letzte grosse Ziel

Das beeindruckende Palmarès des vierfachen Weltmeisters und siebenfachen Europameisters weist eine wesentliche Lücke auf, welche der Aargauer nun an der WM in Tschechien schliessen will.

Rainer Sommerhalder
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Wie erst jubelt Matthias Kyburz, wenn er in der Königsdiziplin des Orientierungslaufs Weltmeister werden sollte.

Wie erst jubelt Matthias Kyburz, wenn er in der Königsdiziplin des Orientierungslaufs Weltmeister werden sollte.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Nein, ein Kugelblitz ist Matthias Kyburz bestimmt nicht. Trotzdem erinnert eine Geschichte rund um den schlaksigen Aargauer stark an den Schweizer Abfahrtsstar. So wie für Beat Feuz der Sieg beim verwegenen Ritt über Mausefalle, Steilhang und Hausbergkante in Kitzbühel während Jahren ein unerreichbares Ziel blieb, steht Kyburz nach bisher sieben Anläufen noch ohne Weltmeisterschafts-Medaille über die Langdistanz da. Wie die legendäre Streif für die Abfahrer ist dieses Rennen die Königsdisziplin im Orientierungslauf.

Vier WM-Titel hat Matthias Kyburz gewonnen – in jeder Disziplin mit besagter Ausnahme einen. Und wie Feuz seit Jahren zu den Streif-Favoriten gehört, werden auch dem fünfmaligen Sieger des OL-Gesamtweltcups ideale Voraussetzungen für Erfolge in Wettkämpfen mit Renndauer von 90 und mehr Minuten attestiert. Dass er die Weltbesten auch über die Langdistanz bezwingen kann, hat der 31-Jährige im Weltcup mehrfach bewiesen. Nur an der WM will es bisher nicht klappen. Nie stand Kyburz auf dem Podest, bei den letzten Titelkämpfen 2019 in Norwegen fehlten ihm dazu läppische drei Sekunden.

Keine Verbitterung, aber viele Emotionen

Ähnlich wie es auch Feuz vor seinem beeindruckenden Doppelsieg Mitte Januar im Hahnenkamm-Rennen stets betonte, sagt Kyburz, er werde nach dem Rücktritt auch ohne diese eine Medaille «nicht verbittert sein» und gut schlafen können. Aber es ist kein Geheimnis, dass der seit Oktober mit Nationalteam-Kollegin Sarina Jenzer verheiratete Kyburz sehr viel Energie ins spezifische Training für die Königsdisziplin gesteckt hat.

Man spürt, dass der Sprung aufs Langdistanz-Podest an der am Samstag beginnenden WM in Tschechien eine emotionale Zielsetzung für den siebenfachen Europameister ist. Erst recht, weil er sich während den Trainingslagern vor Ort «„auf Anhieb wohl in diesem Gelände fühlte».

Die Heim-WM 2023 als Abschied vom Spitzensport

Viele Gelegenheiten bieten sich Kyburz für das fehlende Puzzleteil nicht mehr. Weil am Anlass in Tschechien letztmals alle fünf WM-Disziplinen (Sprint, Mixed-Staffel Sprint, Mitteldistanz, Langdistanz und Staffel) auf dem Programm stehen und danach in den geraden Jahren nur noch gesprintet wird, folgt die nächste Chance erst 2023 bei der Heim-WM in Flims. Und der in Bern wohnhafte Fricktaler macht kein Geheimnis daraus, dass er aus derzeitigem Blickwinkel diesen Wettkampf als idealen Abschied vom internationalen Spitzensport sieht.

In Tschechien wird Kyburz wohl bei vier von fünf Rennen am Start stehen. Seine WM-Vorbereitung verlief problemlos, die Form ist seit Wochen hervorragend. Einzig die Mixed-Staffel im Sprint, bei welcher er vor Monatsfrist mit dem Schweizer Team den EM-Titel gewann, lässt er wohl aus. Die Bedürfnisse des Fernsehens machen das WM-Programm zur zusätzlichen Herausforderung. So findet die Staffel am Vortag der Königsdisziplin erst abends in der Dämmerung statt und auch über die Langdistanz wird der Sieger wohl nicht vor 20 Uhr feststehen.

Die Staffel wird für eine Medaille nicht geopfert

Beim gedrängten Programm und angesichts der Sehnsucht nach der fehlenden WM-Medaille wäre ein Verzicht auf die Staffel für Matthias Kyburz ein verlockender Plan, um bei «seinem» Rennen mit frischen Beinen anzutreten. Der Co-Präsident der Athletenkommission von Swiss Olympic hat an diese Variante kurz gedacht, sie aber sogleich verworfen. «Dafür bin ich zu wenig der Egoist und zu stark der teamorientierte Sportler», erklärt der Aargauer.

Wird 2021 neben Beat Feuz auch Matthias Kyburz erlöst von der Jagd nach dem fehlenden Pinselstrich im Karriere-Kunstwerk? Aus Norwegen kommt die Kunde, dass Olav Lundanes, der König der Langdistanz, wegen einer Verletzung um den WM-Einsatz bangt. Sechsmal insgesamt und seit 2016 ohne Unterbruch hat Lundanes dieses Rennen gewonnen.

Matthias Kyburz konzentriert sich lieber auf sich. Er weiss: selbst die beste Laufform bringt nichts, wenn er bei den erwarteten langen Routenwahlen zwischen zwei Posten auch nur einmal eine falsche Entscheidung trifft. Umgekehrt wäre ein Podestplatz «wunderschön. Es müsste nicht einmal der Titel sein. Ich wäre mit einer Medaille mehr als zufrieden».

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