Schon längst im Rentenalter, doch von Ruhe keine Spur. Am 1. September wird Willy Bürgin 80 Jahre, doch der Macher des Longines CSI Basel wirkt um Jahre jünger. Topfit ist der Präsident des Organisationskomitees.

Entspannt erzählt er: «Wenn das erste Ross in die Halle reitet, dann ist mir wohler.» Seine Arbeit ist gemacht, jetzt geniesst er sein Turnier, das er vor sechs Jahren quasi aus dem Boden stampfte. «Während des Turniers mache ich nur noch Kontrollgänge, wäre es anders, hätte ich etwas falsch gemacht», sagt er und gibt zu: «Eine gewisse Nervosität ist schon da.» Die legt sich erst am Sonntagnachmittag, wenn der letzte Ritt in der Basler St. Jakobshalle zu Ende, der Sieger des Grand Prix gekürt ist. Und wenn dann das ganze Turnier ohne Unfall gelaufen ist, dann atmet Bürgin tief durch, ist zufrieden. Denn darauf legt er grössten Wert. Zwei, drei Wochen braucht Bürgin anschliessend für Dankesschreiben und um die Rechnungen zu zahlen. Erst dann macht er eine Pause vom CSI.

Bürgin ist ein echter Basler, der nun seit rund 40 Jahren im Baselbiet wohnt, inzwischen in Oberwil. «Meine Liebe zum Pferd treibt mich an», sagt er. Aufgewachsen ist der Sohn eines Metzgers mit Pferden. «Wir hatten immer Pferde fürs Geschäft, für die Fuhrwerke», blickt er zurück. Auch Willy Bürgin lernte das Metzgerhandwerk, ein Pferd hat er nie geschlachtet, isst auch kein Pferdefleisch. Aber Vegetarier ist er auch nicht. 35 Jahre lang arbeitet er in einer Grossmetzgerei, erst mit 72 Jahren trat er in den Ruhestand.

Eine Vision

Doch nicht lange. Seine Vision von einem grossen Reitturnier in Basel liess ihm keine Ruhe. «Ich organisierte zehn Jahre lang auf dem Schänzli einen Concours», erzählt er. 2006 und 2007 richtete er die Schweizer Meisterschaften aus, 2008 noch einmal ein Turnier mit drei grossen Prüfungen. Mit Unternehmer Thomas Straumann als Mäzen im Rücken stellte er dann 2010 den ersten CSI in der St. Jakobshalle auf die Beine. «Ich wurde belächelt, aber das spornte mich nur an», erinnert er sich. Stets sei er überzeugt gewesen, dass es in Basel neben dem Fussball mit dem FCB und dem Tennis mit den Swiss Indoors noch Platz für einen dritten sportlichen Grossanlass habe. Darüber habe er sich auch mit Roger Brennwald, dem Besitzer und Präsidenten der Swiss Indoors, ausgetauscht.

In kürzester Zeit machten Bürgin und Straumann aus dem CSI einen Topanlass, spielen als Fünf-Sterne-Turnier in der höchsten Liga. 3,5 Millionen Franken beträgt das Budget, der Sieger der Hauptprüfung am Sonntag kassiert alleine 100 000 Franken. «Zu viel Geld ist inzwischen grundsätzlich im Sport und das Geld macht den Sport kaputt», findet Bürgin. Es sei ein Wahnsinn, wenn für ein Pferd ein zweistelliger Millionenbetrag bezahlt werde oder für einen Fussballer eine Ablösesumme von fast 100 Millionen fliesse. «Immerhin kann man bei uns nur Pferde und nicht Reiter kaufen», sagt Bürgin. Und glücklicherweise fliesse viel von diesem Geld an die Basis zurück. Doch zurückdrehen lasse sich das Rad nicht mehr.

Bürgin selbst hat noch andere Zeiten erlebt, als er zwölf Jahre lang Fussball in der Nationalliga A spielte, bei La Chaux-de-Fonds und Nordstern Basel. «Geld haben wir auch schon bekommen, aber kein Vergleich zu heute, am Ende der Saison reichte es immerhin für ein kleines Auto», erzählt er. Daneben bestritt er auch noch Reitturniere. «Je nach Spielplan meldete mich mein Vater für ein Springen am Samstag oder Sonntag ab», sagt er lächelnd. Dem Fussball ist Bürgin nach wie vor treu. Heute besucht er Spiele des FCB, des Vereins, gegen den er früher immer spielte.

Garten- und Stallarbeit halten fit

Aufs Pferd steigt er nicht mehr, zu gefährlich. Mit Arbeit im Garten und im Stall bei seinen zwei Pferden hält er sich fit. Und dazu kümmert er sich natürlich um den CSI. «Das ganze Jahr über arbeite ich dafür mit einer Sekretärin», sagt er. Bei zwei, bis drei Stunden täglich habe seine Frau noch nichts dagegen. Bürgin verkauft selbst die 100 VIP-Tische, macht die Verträge mit den 61 Ausstellern und ist auch bei der Verpflichtung der Reiter aktiv. «Grundsätzlich möchte ich immer wissen, was geht», sagt er.

Bis 2018 läuft der Vertrag mit Titelsponsor Longines. «Mit ihnen stehe ich ständig in Kontakt, als ich mal das Thema Vertragsende ansprach, wollten sie wissen, ob ich unzufrieden bin», sagt Bürgin. Es deute also nichts darauf hin, dass der Titelsponsor nicht verlängere. Auf dessen Wunsch übrigens wird der Grand Prix am Sonntag in zwei Umläufen und mit einem Stechen ausgetragen, auch wenn manche Reiter lieber nur einen Umgang und dann sofort ein Stechen hätten. Bis 2020 hat Bürgin die Terminrechte mit dem Weltreiterverband FEI: «Der Zyklus dauert immer fünf Jahre, ich verlängere immer frühzeitig.» Wie lange Bürgin noch an der Spitze des CSI steht, weiss er selbst nicht. «Ich bin euphorisch wie vor sechs Jahren und mache weiter, so lange wie es geht», sagt er. Zu Hause habe er ein grosses Schild: «Ausverkauft» steht drauf. «Das möchte ich gerne mal aufhängen», sagt er und lacht. Noch ist es nicht so weit, auch wenn schon wieder 37 Prozent mehr Tickets im Vorverkauf weggingen als noch vor einem Jahr.

Auch wenn Bürgin bei der Organisation inzwischen viel «aus der Schublade holen kann», so denkt er doch weiter. Mit Frank Rothenberger holte er einen zweiten Parcoursbauer dazu, um dem Anlass ein neues Gesicht zu geben. «Neue Sprünge gibt es, man soll sehen, es ist Basel», sagt er. Zwischen 25 000 und 30 000 Franken kostet der Parcoursbau jährlich. Für Bürgin gut investiertes Geld. Der CSI Basel soll schliesslich noch lange eine Marke bleiben. Und dafür arbeitet Bürgin gerne: «Das ist überhaupt kein Muss, da steckt viel Herzblut drin.»