Gschobe #19
Ohne uns keine koreanische Wiedervereinigung

Sie stammen aus dem gleichen Dorf im Appenzellerland, sind zwischen 45 und 48, treffen sich einmal pro Woche und jassen oder spielen Boule. Pius, Qualitätsmanager, Appenzell David, Lehrer, Speicher AR, Tobias, Consultant, Zürich Flavio, Sozialarbeiter, Kirchberg SG, François, Journalist, Windisch

François Schmid-Bechtel
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Gschobe mit François Schmid-Bechtel

Gschobe mit François Schmid-Bechtel

Aargauer Zeitung

Pius: Einmal mehr ist es der Sport, der Brücken baut, die Menschen zusammenführt, Knoten löst und Frieden stiftet. Es würde mich nicht wundern, wenn dank den Olympischen Spielen in Südkorea die Nordkorea-Krise gelöst wird.

François: Glaubst du tatsächlich, dass allein ein gemischt-koreanisches Frauen-Eishockey-Team einen langjährigen Konflikt lösen wird?

Pius: Ja, daran glaube ich.

David: Schön wärs. Aber der Schuss kann auch nach hinten losgehen. Stellt euch vor, die Torhüterin, eine Südkoreanerin, kassiert ein faules, matchentscheidendes Gegentor. Glaubt ihr, das vereint die beiden Korea? Nein, dann schreien die im Norden Zeter und Mordio. Oder ein gemischt-koreanisches Eisläuferpaar. Der Mann, egal ob aus Norden oder Süden, lässt die Frau aufs Eis plumpsen. Dann ist der Teufel los.

François: Da muss ich dir recht geben. So
eine gemischt-koreanische Mannschaft ist insbesondere bei einer Veranstaltung wie Olympia, wo man sich von patriotischen Gefühlen leiten lässt, und bei dieser massiv überhöhten Bedeutung nicht ohne Risiko.

Pius: Vielleicht. Aber dieses Projekt hat eine Chance verdient.

Flavio: Unbedingt. Aber vielleicht ist es besser, wenn wir nicht tatenlos zuschauen, die Koreaner ihrem Schicksal überlassen, sondern ihnen unsere Unterstützung anbieten.

David: Woran denkst du?

Flavio: Die Schweiz ist als neutrales Land prädestiniert dazu. Ausserdem hat die Schweiz viel Erfahrung in Sachen Friedensstiftung.

Tobias: Gute Idee. Mir schwirren schon ein paar Namen durch den Kopf. Beispielsweise könnte man Vladimir Petkovic als Trainer der gemischt-koreanischen Eishockeyspielerinnen zur Verfügung stellen. Schliesslich hat er in der Schweizer Fussball-Nati den Balkan-Graben zugeschüttet.

Pius: Dieses Problem ist mal gelöst. Aber wen stellen wir den Koreanern als Delegationsleiter zur Verfügung?

David: Da gibt es viele Möglichkeiten. Ex-Botschafter Thomas Borer. Der weiss, wie man zweigleisig fährt. Oder wir schicken Sepp Blatter, den Erfinder von Compliance. Oder Köbi Kuhn, der vielleicht ganz froh ist, einen Vorwand zu haben, um mal von zu Hause wegzukommen. Oder wir schicken unser Empathie-Monster Andreas Thiel.

Flavio: Da müssen wir wohl noch etwas Denkarbeit investieren. Nächster Punkt: Wen schicken wir als Arzt?

David: Ich denke an Oscar Camenzind. Er wurde erst viele Jahre nach seinen grössten Erfolgen des Dopingkonsums überführt.

Flavio: Ist gekauft. Und wer macht die gemischt-koreanische Medienarbeit?

Tobias: Ignazio Cassis ist eher ungeeignet, weil er ungern spricht. Ich plädiere für Doris Leuthard. Sie hat nach dem Treffen mit Jean-Claude Juncker gezeigt, wie man Niederlagen schönredet.

Flavio: Hervorragend, wir sind auf einem guten Weg.

David: Ein Weg notabene, den wir auch initiiert haben. Ich glaube, ohne die rührende Versöhnung zwischen Christian Constantin und Rolf Fringer wären die Nord- und Südkoreaner nicht auf die Idee gekommen, sich anzunähern. Und es würde mich nicht wundern, wenn sich Constantin bereits die Markenrechte an der gemischt-koreanischen Olympia-Delegation gesichert hätte.