Snowboard
Ohne ihre Schweizer Wunder-Bretter wagen sich die Profis nicht auf die Piste

Mit der Gold- und Silbermedaille geben die Schweizer im Snowboard Riesenslalom den Ton an. In Sachen Material ist die Schweizer Dominanz jedoch mehr als erschlagend: Bis auf Nevin Galmarini fahren sämtliche Medaillengewinner ein Schweizer Brett.

Remo Hess
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Olympia-Gewinnerin Patrizia Kummer mit ihrem Kessler Board.

Olympia-Gewinnerin Patrizia Kummer mit ihrem Kessler Board.

Keystone

Die Schweizer Dominanz auf dem Podest ist erschlagend: 5 von sechs Athleten fahren Schweizer Snowboards. Ausreisser ist nur Silber-Surfer Nevin Galmarini: Er fährt ein «Sigi Grabner SG» Board aus Österreich.

Alle anderen setzen auf Bretter aus der Schweiz. Sei es die Marke der Gebrüder Schoch «Black Pearl» (Silbermedaillengewinnerin Tomoka Takeuchi) oder «Oxess» (Bronzegewinner Zan Kosir) aus dem Zürcherischen Bubikon.

An der Olympiade in Sotschi fuhren unter anderem folgende Fahrer mit Kessler Boards:

Andreas Prommegger, Kaspar Flütsch, Rok Marguc, Vic Wild, Matthew Morison, Rok Flander, Ladina Jenny, Alena Zavarzina, Caroline Calve, Nicolien Sauerbreij, Julie Zogg, Alena Zavarzina. (Liste ist nicht abschliessend)

Zuvorderst auf der Beliebtheitsskala bei den Snowboardern steht aber definitiv die Marke «Kessler». Drei von sechs Medaillengewinner schwören darauf. Aber nicht nur die Gewinner: Auch sonst auffällig viele Top-Boarder besitzen ein Brett der Firma aus dem Glarnerland. (siehe Kasten rechts)

Bereits seit über 25 Jahren entwickelt Firmengründer Hansjürg Kessler Snowboards. «Dass so viele erfolgreiche Athleten auf Kessler Boards setzen, macht Freude und Stolz», so Hansjürg Kessler auf Anfrage.

Das Kleinstunternehmen beschäftigt 4 Personen in der Produktion und rund 4 Personen im Vertrieb. «Der Erfolg bestätigt die Arbeit, welche man das ganz Jahr hindurch macht.». Ein grosses Fest werde man heute Abend aber nicht feiern - dafür fehle schlicht die Zeit - aber einmal ein Abendessen, das werde man sicher machen, so Kessler.

Das fahren die Damen Olympia-Medaillengewinnerinnen: Tomoka Takeuchi (Black Pearl der Gebrüder Schoch), Patrizia Kummer (Kessler) und Alena Zavarzina (Kessler)
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Das fahren die Herren Olympia-Medaillengewinner: Nevin Galmarini (SG Sigi Grabner) Vic Wild (Kessler) und Zan Kosir (Oxess).
Das russische Boarder-Ehepaar Vic Wild und Alena Zavarzina mit ihren Kessler-Brettern.

Das fahren die Damen Olympia-Medaillengewinnerinnen: Tomoka Takeuchi (Black Pearl der Gebrüder Schoch), Patrizia Kummer (Kessler) und Alena Zavarzina (Kessler)

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Jedem Fahrer sein Brett

«Jedes Brett ist eine Spezialanfertigung», sagt Kessler. Dabei habe man auch intensiven Kontakt mit den einzelnen Athleten. Aber auch Normalsterbliche können die Bretter kaufen. Wobei: «Es braucht schon ein gewisses Training, ein solches Brett fahren zu können».

Seit dem Doppelsieg der Gebrüder Schoch an den Olympischen Spielen in Turin 2006 hat die Marke die weitgehende Dominanz in der Szene erhalten.

Damals fuhren 5 von 6 Medaillengewinner Kessler-Boards. Bei der WM 2007 waren sogar es 11 von 12.

Für den grossen Erfolg verantwortlich ist die spezielle Geometrie. «Die sogenannte «Kessler Shape Technology» ist einzigartig», so Christian Schuler, Marketing-Chef bei Kessler.

Einen grossen Absatz-Sprung erwartet die Firma wegen des Sotschi-Erfolgs aber trotzdem nicht. Es handle sich bei den Brettern um Nischenprodukte, so Kessler. Aber vielleicht werde die Publizität im grossen Markt Russland mit dem heimischen Olympia-Gewinner Wic Wild und seiner Frau, der Bronze-Gewinnerin Alena Zavarzina, doch noch das eine oder andere Brett zusätzlich verkauft.