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Ohne Bügel-BH, aber mit eigener Zone - kuriose Reglemente im Sport

Lack ist in Ordnung, vor allem aber die Fingernägel müssen im Ringen laut Reglement geschnitten sein.

Lack ist in Ordnung, vor allem aber die Fingernägel müssen im Ringen laut Reglement geschnitten sein.

Wer regelmässig zu Gast ist auf Sportanlagen, wird Zeuge seltsamer Regelauslegungen. Inspiriert davon, haben wir Reglemente und offizielle Dokumente durchforstet und Kurioses entdeckt.

Kleider machen Leute, so scheint es auch im Sport. Diverse Sportverbände kennen Dressvorschriften. Der Volleyball-Weltverband (FIVB) hat die Regelung diesbezüglich im Frauen-Beachvolleyball zwar gelockert. Die Spielerinnen haben nicht mehr nur die Wahl zwischen Badeanzug oder Bikini, der an den Seiten maximal sieben Zentimeter breit sein darf.

Wie bei Olympia beobachtet, sind neu Shorts erlaubt, die höchstens drei Zentimeter oberhalb des Knies enden, sowie Tops mit Ärmeln. Auch das Internationale Wettkampf-Reglement in der Leichtathletik macht klar, wie Athleten bei Meetings anzutreten haben: Sie «müssen ... saubere Kleidung tragen, die im Schnitt und in der Art, in der sie getragen wird, nicht anstössig ist. Sie muss aus einem Material gefertigt sein, das auch in nassem Zustand nicht durchsichtig ist.»

Noch deutlicher sind die Richtlinien beim Nationalen Ringerverband Swiss Wrestling. Vor Kampfbeginn steht der Kampfrichter in der Mattenmitte, ruft beide Ringer zu sich, reicht ihnen die Hand, überprüft ihre Kleidung und überzeugt sich davon, dass sie «weder mit fettenden noch mit klebrigen Stoffen eingerieben sind, sich nicht in einem schwitzenden Zustand befinden, dass sie nichts an den Händen tragen und dass sie ein Taschentuch bei sich haben und die Fingernägel geschnitten sind».

Zudem ist es für weibliche Ringer verboten, Bügel-BHs zu tragen. Nicht auszudenken, dass der Metallstab im Kampf verrutscht und sich in die Sportlerin hineinbohrt.

Bitte keine Tattoos

Das wäre dann etwa so schmerzhaft wie sich ein Tattoo stechen zu lassen. Diese sind indes im Triathlon und Duathlon verboten, zumindest die temporären. Athleten ist es laut Reglement der Internationalen Triathlon Union (ITU) nicht erlaubt, temporäre Tattoos etwa in Form von Abziehbildern oder mit Henna aufgemalt am Körper anzubringen. Der eigene Sponsor ist also als Hautschmuck Tabu, gestattet wären höchsten «Aufdrucke» der aktuellen Startnummer oder von der ITU bewilligte Logos.

Während in gewissen Sportarten die Reglemente fast Buchform aufweisen, kennt der Fussball-Weltverband Fifa nur 17 Grundregeln. Weil diese aber in zahlreiche Untersektionen gegliedert sind, steigt das Risiko, die Übersicht zu verlieren. Einen Schmunzel-Faktor bietet das Regelwerk allemal. So ist festgehalten, wie sich die Spieler beim Torjubel verhalten dürfen.

Nicht erlaubt sind etwa Masken oder Ähnliches, um den Kopf oder das Gesicht zu bedecken, das Trikot aus- oder sich über das Haupt zu ziehen. Kurios muten die auf letzte Saison hin eingeführten Elternzonen im Nachwuchsbereich an. Um demotivierendem Verhalten der Eltern entgegenzuwirken, hat beispielsweise der Innerschweizerische Fussballverband speziell abgesperrte Zonen mit genügend Abstand zum Spielfeld geschaffen. Von da aus dürfen Väter und Mütter ihre Kinder verbal unterstützen.

Eine spezielle Zone erhalten auch Schiedsrichter im Rollhockey – allerdings nur vor, nicht während dem Spiel. Der Schweizerische Verband will damit sicherstellen, dass die Unparteiischen vor dem Match genügend Platz zum Einlaufen erhalten. Jeder Verein wird angehalten, parallel zur Mittellinie einen Bereich von zwei Metern abzusperren, damit sich die Referees ungestört aufwärmen können.

Im Eishockey ist das Regelwerk eine komplexe Angelegenheit und wirft manchmal Fragen auf. Regel 129 befasst sich mit Spielverzögerungen und besagt, dass ein Spieler, der absichtlich einen Unterbruch herbeiführt, eine 2-Minuten-Strafe kassiert. Weil im Eishockey die Matchuhr aber ohnehin bei jedem Unterbuch gestoppt wird, ist der Nutzen dieser Regel zumindest diskussionswürdig.

Kommen wir abschliessend zu dem, worum es im Sport geht: Um Preise, Pokale, Trophäen. Wer im Schwingen an einem Fest gut abschneidet, erhält ein Fohlen oder ein Kalb oder kann sich im «Gabentempel» eine Glocke, einen Holzstuhl, Landmaschinen oder Grills aussuchen. Nehmen, was der Veranstalter verschenkt, müssen oder dürfen die Athleten in fast allen anderen Sportarten.

Christian Stucki hat sicherlich schon den einen oder anderen Muni zuhause. Hier posiert er nach dem Schlussgang des beim Bernisch-Kantonalen Schwingfest mit dem Muni «Hans-Adrian vom Frienisberg».

Christian Stucki hat sicherlich schon den einen oder anderen Muni zuhause. Hier posiert er nach dem Schlussgang des beim Bernisch-Kantonalen Schwingfest mit dem Muni «Hans-Adrian vom Frienisberg».

Für den ersten EM-Titel 1989 bekam die deutsche Fussball-Nationalmannschaft der Frauen als Prämie Porzellangeschirr. Essbar ist indes der Preis, den es am Osterhasen-Schiessen des PSB Reiden jeweils gibt: Passend zum Anlass kriegen alle Schützen einen Schokoladenhasen, der Sieger einen, der etwa zwei Kilo schwer ist. Eher schlecht aufgehoben sind Vegetarier, wenn es um «Prämien» geht, in Schützenvereinen. So verteilen Vereine aus der Region etwa Bratwürste, Speck, Zungenwurst oder Filet-Stücke.

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