Wir kennen uns schon lange. Zumindest ich Sie. Als Sie damals im Januar 2010 nach Ihrer erfolgreichen Auslandskarriere in Bremen und Stuttgart in die Schweiz zurückkamen und beim FC Zürich anheuerten, rief ich Sie an und fragte: Was hast du vor mit dem FCZ? Sie pflaumten mich sogleich an, was mir denn einfalle, Sie zu duzen. Immerhin durfte ich Ihnen dann doch «du» sagen, nachdem ich Ihnen erklärt hatte, Sie bereits im Oktober 2004 in Tel Aviv während einer Stunde interviewt zu haben.

Doch im Frühling dieses Jahres stellten Sie mich noch einmal in den Senkel. Ich hatte eine Terminansetzung der FCZ-Medienabteilung nicht für glücklich befunden und mir war das Wort «bireweich» herausgerutscht. Wir sassen damals in einer Gruppe an einem Tisch bei einem Vorschaugespräch und sie standen auf und riefen: «Bireweich? Mehr Respekt! Sonst gehe ich!»

Natürlich hätte ich nicht «bireweich» sagen dürfen, das stimmt. Aber Sie hätten ja vielleicht auch cooler reagieren können. Ich hätte Sie am Liebsten gleich gefragt, wie es denn um Ihren Respekt gegenüber den Schiedsrichtern, den vierten Offiziellen und der Gästebank bestellt sei. Zum Glück habe ich mir auf die Zunge gebissen, sonst wären Sie ja wohl tatsächlich gegangen.

Ich erzähle diese beiden Episoden, weil ich finde, dass Sie gelassener werden müssen, um ein grosser Trainer zu werden. Sie hätten dafür eigentlich gute Voraussetzungen als Nationalspieler, Bundesligaprofi, Nachwuchstrainer und Sie sind auch sonst nicht auf den Kopf gefallen. Deshalb sollten Sie doch wissen, dass man nicht Respekt einfordern kann, wenn man ihn selber nicht aufbringt. Dann sagt nämlich der eine Esel dem andern Langohr.

Ich tue mich zudem schwer mit der Vorstellung, dass Sie clever und überlegt coachen können, wenn Sie an der Seitenlinie ständig mit irgendwem diskutieren. Ein Trainer soll durchaus Emotionen zeigen, aber nicht andauernd und immer im Rahmen. Es würde mich freuen, wenn Sie Ihr Trainertalent künftig nicht mehr mit solchen Ausbrüchen kompromittieren und souveräner auftreten würden. Dann kommt’s gut.