0:3 auswärts gegen Ambri – der SC Bern ist nur noch die Karikatur eines Meisterteams

Der SC Bern verliert im ersten Spiel unter dem neuen Coach Hans Kossmann. Alles war am Freitag mit dem neuen Trainer so wie mit seinem Vorgänger.

Klaus Zaugg aus Ambri
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Berns neuer Trainer Hans Kossmann

Berns neuer Trainer Hans Kossmann

Bild: Freshfocus

So viel Aufregung für... Stillstand. Berns Manager Marc Lüthi hat am Montag Trainer Kari Jalonen gefeuert («stimmt nicht, nur freigestellt, das macht juristisch einen Unterschied») und durch Hans Kossmann ersetzt.

Gross die Aufregung, umfangreich die SCB-Medienpräsenz. Neuer Trainer, neue Hoffnung, neuer SCB. Ach was. Alles war am Freitag mit dem neuen Trainer so wie mit seinem Vorgänger. Marc Lüthi sah zwar eine verbesserte Angriffsauslösung, ansonsten haben wir noch Kari Jalonens SCB gesehen. Gut strukturiert («Schablonenhockey»), auf Sicherheit bedacht, aber berechenbar und ohne zündende Ideen.

Beim SC Bern geht kein Ruck durch das Team

Dass Hans Kossmann taktisch noch nichts geändert hat, ist einerseits dem Respekt seines Vorgängers und andererseits der Vernunft geschuldet: Er hat die Mannschaft erst am Mittwoch übernommen.

Was aber ­erstaunt, ist das Fehlen des «weichen Faktors». Also des «Rucks», der jeweils nach einem Trainerwechsel durch eine Mannschaft geht. In dieser Beziehung ist beim SCB rein gar nichts passiert. Ja, die tapferen der Leventina haben die Abgesandten des 50-Millionen-Hockeykonzerns in erster Linie durch ein klares Plus in den Bereichen Energie, Willen, Leidenschaft und Disziplin besiegt.

Typisch dafür die entscheidende Szene: Im Powerplay bringt SCB-Verteidiger Eric Blum den forecheckenden Marco Müller hinter dem SCB-Tor zu Fall. Das Überzahlspiel ist beendet, und kurz darauf markiert Giacomo Dal Pian das 1:0. Dass die Berner nicht mehr zu einer Reaktion fähig waren, ist erstaunlich und muss die Chefetage aufs Allerhöchste beunruhigen.

Hält Marc Lüthi eine Brandrede?

Ganz offensichtlich ist es Zeit, dass Marc Lüthi in die Kabine hinuntersteigt und eine Brandrede hält. So wie damals in der Schlussphase der Qualifikation 2015/16 nach einer ähnlich schmählichen Niederlage in Biel. Die Reaktion war die Playoff-Qualifikation und der Titel. Die Frage geht also an Marc Lüthi: Dürfen wir einen Kabinenauftritt wie damals erwarten?

«Spinnen Sie eigentlich?»

weist er freundlich, aber bestimmt den frechen Fragesteller zurecht. «Ganz sicher nicht.»

Der oberste Chef, der Trainer und die Spieler haben in Bern den Ernst der Lage nach wie vor nicht erfasst. Die grosse Frage ist nun: Erfolgt heute im Derby auf eigenem Eis gegen die SCL Tigers eine Reaktion? Wenn nicht, wartet auf den SCB der... Abstiegskampf. Der SCB war gestern nur noch die Karikatur eines Meisterteams.

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