Tour de Suisse
Nur ein Tag in Gelb: Stefan Küng verliert nach der dritten Etappe das Leadertrikot

Der Thurgauer Stefan Küng muss in der Tour de Suisse sein Leadertrikot nach nur einem Tag wieder abgeben. Als Sieger der 3. Etappe mit Ziel in Bern ist Michael Matthews neuer Gesamt-Führender.

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Tour de Suisse, 12.06.2017
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Der Australier Michael Matthews gewann in Bern die 3. Etappe.
Stefan Küng hat am Montag sein Leadertrikot verloren.
Der Start der dritten Etappe in Menziken.

Tour de Suisse, 12.06.2017

Keystone

Nach nur einem Tag musste Stefan Küng sein Gelbes Trikot an der Tour de Suisse wieder abgeben. Der Thurgauer vermochte im Finale der 3. Etappe nach Bern nicht ganz mit den Besten mitzuhalten. Neuer Leader ist der australische Etappensieger Michael Matthews.

Mit der winzigen Reserve von einer Sekunde auf Matthews und den Niederländer Tom Dumoulin war Küng am Mittag in Menziken gestartet. Unterwegs in die Hauptstadt erkämpfte sich der 23-Jährige BMC-Fahrer bei den beiden Zwischensprints zwei Bonussekunden. Doch die Mühen waren vergeblich.

Auch wenn er das Ziel in Bern mit den Besten erreicht hätte, wäre es nichts mit der erfolgreichen Verteidigung des Leadertrikots geworden. Dank der zehn Sekunden Bonifikation für den Etappensieg wäre Matthews, der bereits in allen drei grossen Rundfahrten Etappensiege gefeiert hat, unabhängig davon der neue Gesamtführende geworden. "Es war ein schöner Tag in Gelb", resümierte Küng, "leider war das Trikot nicht zu retten".

Die 3. Etappe führte die Radprofis nach Bern.

Die 3. Etappe führte die Radprofis nach Bern.

Keystone

Einen ersten Rückschlag im hektischen Finale hatte Küng bereits zehn Kilometer vor dem Ziel verkraften müssen. "Ich verlor die Position hinter meinen Teamkollegen. Danach war es sehr schwierig, wieder nach vorne zu kommen. Dabei liess ich sehr viel Kraft liegen", so Küng. Im finalen Anstieg, am Aargauerstalden vom Bärengraben hinauf in das Wankdorf-Quartier, fehlte Küng schliesslich die Energie.

Konkurrenten ohne Respekt

Küng, der die Gesamtführung am Sonntag von seinem gestürzten Teamkollegen Rohan Dennis übernommen hatte, buchte den Tag im Leadertrikot als wertvolle Erfahrung ab. Die Schweizer Radsport-Hoffnung hatte erwartet, dass die Konkurrenten dem Leader mit etwas mehr Respekt begegnen würden. Doch dem war nicht so. Küng: "Ich musste feststellen, dass es offenbar nicht mehr wie früher ist. Es war unglaublich, wie viele mir vor den Karren gefahren sind."

Küng konzentriert sich ab sofort nicht mehr auf die Gesamtwertung, in der er auf Platz 12 (26 Sekunden zurück) zurückgefallen ist, und schlüpft vorerst wieder in die Rolle des Helfers und Jokers für Etappensiege. "Als Team schauen wir nun nach vorne. Wir wollen versuchen, unseren Leader für das Gesamtklassement (der Italiener Damiano Caruso - Red.) gut zu platzieren und noch den einen oder anderen Etappensieg zu holen."

Albasini wieder Fünfter

Der beste Schweizer in der Gesamtwertung ist neu als Fünfter Michael Albasini mit einem Rückstand von 20 Sekunden. Platz 5 belegte der Thurgauer Routinier auch in der Etappe. "Mit der Klassierung muss ich zufrieden sein. Ich hatte am Ende nicht mehr den Dampf für mehr", sagte der 36-Jährige, der bereits am Sonntag als Vierter das Podium knapp verpasst hatte.

Dass Matthews im Sprint vor Weltmeister Peter Sagan und vor dem Deutschen John Degenkolb seinen zweiten Sieg im Rahmen der Tour de Suisse errang, überraschte Albasini nicht: "Am Schluss waren jene Leute vorne, denen das Kopfsteinpflaster gut behagt. Mir entzieht es in einer solchen Ankunft etwas mehr Energie. Und dann im Sprint gegen solche Fahrer zu verlieren, ist keine Schande."

Spektakulär oder gefährlich?

In der Tat waren die letzten Kilometer gar anspruchsvoller als bei der Ankunft der Tour de France vor einem Jahr an derselben Stätte. Im Gegensatz zur Frankreich-Rundfahrt mussten die Fahrer die finale Rampe von ganz unten hinauf fahren. Das liess einige der Profis "explodieren", andere stürzten bei den hohen Tempi. Albasini mochte der Ankunft in der Hauptstadt nicht nur positives abgewinnen. "Einige sagen spektakulär, andere sagen gefährlich", so der Ostschweizer.

Albasini bezog seine Aussage nicht unbedingt auf den Aargauerstalden, sondern vielmehr auf die Kilometer davor durch die engen Gassen der Berner Innenstadt mit vielen Richtungswechseln und den Pavé-Abschnitten. "Für die Fahrer ist es mega anstrengend, du musst jede Sekunde hellwach sein. Für die Fahrer ist es sicher weniger attraktiv als für die Zuschauer. Es kommt immer auf die Sichtweise an."