Champions League
Nur die Champions League zählt: PSG-Mogul Al-Khelaifi steht unter Druck

Nasser Al-Khelaifi will mit Paris Saint-Germain endlich Erfolg in der Champions League. Doch der Fischersohn kümmert sich bei weitem nicht nur um den Fussball.

Stefan Brändle, Paris
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Nur etwas zählt: Nasser Al-Khelaifi will mit Paris Saint-Germain die Champions League gewinnen.

Nur etwas zählt: Nasser Al-Khelaifi will mit Paris Saint-Germain die Champions League gewinnen.

KEYSTONE

Nasser Al-Khelaifi hat gute Manieren. Hinter seinem Lächeln verbirgt sich zwar, wie ein Berater sagt, ein «vulkanisches Temperament». Al-Khelaifi hat es aber wie alles unter Kontrolle: «Wenn Sie ihn kritisieren, sagt er kein Wort und bleibt ganz Gentleman», meint ein Bekannter. «Danach bricht er jeden Kontakt unwiderruflich ab.»

Nasser Al-Khelaifi leitet den Fussballklub Paris Saint-Germain (PSG), den internationalen Sportmedienkonzern «BeIn», den milliardenschweren Staatsfonds Qatar Sports Investment und dazu die asiatische Tennisföderation; seit neustem ist er Minister der katarischen Regierung.

In Wahrheit verfolgt der 42-jährige Sportmanager aber nur ein Ziel: Er will die Trophäe der Champions League. Dafür scheut Nasser Al-Khelaifi keinen Aufwand – und nimmt keine Rücksichten. Das Ziel ist seine Obsession, und er verfolgt sie seit fünf Jahren, methodisch, geradlinig und, was die Entschlossenheit nur noch verstärkt, bisher erfolglos. Nach einem Startunentschieden gegen Arsenal gibt es deshalb für ihn am Mittwoch nur eins – einen undiskutablen Heimsieg gegen den FC Basel.

Er bleibt der Fischersohn

Wer seine Motivation nachvollziehen will, muss einen Blick in seine Biografie werfen. Nasser Al-Khelaifi stammt aus einfachen Verhältnissen in Katar. Sein Vater und sein Grossvater waren Perlenfischer. Dem jungen Nasser wäre wohl das gleiche Schicksal beschieden gewesen, hätte er sich im Tennisklub von Doha nicht mit einem sechsjährigen Partner namens Tamim bin-Hamad al-Thani angefreundet. Es war der Sohn des Landesmonarchen. Heute ist al-Thani der Emir von Katar, und damit einer der einfluss- und auch sonst reichsten Männer der Welt. Als der Scheich 2011 nebenbei den französischenFussballklub PSG kaufte, setzte er seinen alten Freund Nasser Al-Khelaifi an die Spitze.

Der Fischersohn vom Persischen Golf, der nicht einmal Französisch konnte, stiess in Paris zuerst auf Ablehnung. Doch mit seiner professionellen, immer höflichen und eleganten Art etablierte sich der MBA-Absolvent rasch, zumal er sich heute mit der Sprache Voltaires abmüht.

Frau und Kinder zurückgelassen

Dass sich Al-Khelaifi stets im Zaun hält, ohne Machtallüren an den Tag zu legen, hat auch mit seiner Position in Katar zu tun: Während er in Paris nur mit den Fingern zu schnippen braucht, um das Gewünschte zu erhalten, wird er am Hof des Emirs in Doha noch heute wie der kleine Fischersohn behandelt, der einzig die Aufträge des grossen Scheichs im fernen Paris auszuführen hat.

Einen Scheich-Umhang trägt er dort nie. Der gemässigte Muslim spricht ungern über die rigiden wahhabitischen Bräuche in seinem Land, wo er seine Frau und vier Kinder gelassen hat. Das wäre zu heikel für einen Klub, der besonders viele maghrebinische Jugendliche aus den Banlieue-Zonen zu seinen Fans zählt. Nach den Terroranschlägen 2015 demonstrierte Al-Khelaifi in Paris mit Millionen von Franzosen zum Slogan «Je suis Charlie»; auf das Attentat von Nizza in diesem Sommer drückte er den Opfern ungefragt seine Solidarität aus.

Diplomatisch zeigt sich der PSG-Patron im Stadion Parc des Princes einmal neben der linken Bürgermeisterin Anne Hidalgo, dann wieder mit dem konservativen Oppositionschef Nicolas Sarkozy. Oder besser, die zeigen sich neben Al-Khelaifi.

Die Top 10 Frankreichs

Aber viel Zeit hat er nicht zum Smalltalk. Wenn der Workaholic nicht gerade mit seinen drei Handys und seinem Privatjet um die Welt jettet, kümmert er sich persönlich um die kleinen und grossen Wünsche seiner Starspieler. Sein katarischer Sportfonds QSI hat über 500 Millionen Euro in die erste Mannschaft von PSG gesteckt. Dort spielen heute neun der zehn teuersten Spieler Frankreichs. Mit Stars wie Edinson Cavani, Ángel di María, Thiago Silva oder zuvor Zlatan Ibrahimovic und David Luiz gewann der Pariser Stadtklub die letzten vier Frankreich-Meisterschaften seit 2013.

Das war aber nur die Vorspeise für Al-Khelaifi. Im vergangenen Jahr hatte PSG-Trainer Laurent Blanc gleich vier nationale Titel eingeheimst – eine Premiere für Frankreich; als seine Stars jedoch einmal mehr im Achtelfinal der Champions League ausschieden, entliess Al-Khelaifi den Trainer mit kalter Wut. Klarer konnte er nicht zeigen, worum es ihm – das heisst, eigentlich dem Emir von Katar – wirklich geht. Die Champions League bedeutet Geld und internationales Renommee, all das, worauf Katar so erpicht ist. Wenn Al-Khelaifi 2017 nicht mindestens in den Final vorstösst, dürften auch seine Tage in Paris gezählt sein. Schliesslich will er nicht selbst Perlen fischen gehen.

Der FC Basel ist gewarnt.