Beschämend. Miserabel. Die schwächste Leistung in 56 Jahren NLA-Klubgeschichte. Eine andere Beurteilung ist für die gestrige Leistung der Klotener auch bei grösstem Wohlwollen nicht möglich. Weil es ja gilt, die Bedeutung dieser ersten Partie der Ligaqualifikation in Bezug zur Leistungsbereitschaft zu stellen. Und die war gleich null. In jeder Beziehung. Null.

Einfach null. Null Vorbereitung. Null Konzentration. Null Leidenschaft. Die Zürcher kassierten das 0:1 bereits 75 Sekunden nach Spielbeginn und das 0:2 gar nur 30 Sekunden nach der ersten Pause. Es ist ihnen offenbar nicht möglich, sich auf ihre Aufgabe zu konzentrieren und bei Spielbeginn bereit zu sein.

Erstaunlich ist diese «Null-Leistung» auch deshalb, weil Kloten rein hockeytechnisch – also läuferisch und stocktechnisch – über vier Linien durchaus die bessere, talentiertere Mannschaft ist. Meistens befanden sich die Zürcher in der Vorwärtsbewegung.

Meistens waren sie im Scheibenbesitz und häufiger fand das Spektakel vor dem Kasten von Melvin Nyffeler statt. Aber Spieler, die aus einer optischen Überlegenheit einen Ertrag erzielen wollen, brauchen ein paar Eigenschaften, die nicht im Zusammenhang mit ihrem Talent stehen. Sondern mit der Berufseinstellung: Konzentration, Mut und Leidenschaft beispielsweise. Bei Kloten gilt auch in dieser Beziehung: Null, null und null.

Wie kann es sein?

Wie ist das alles möglich? Wie kann es sein, dass die Spieler in der ersten Partie, in der die ganze 56jährige Geschichte ihres Arbeitgebers auf dem Spiel steht, so auftreten, als sei alles eigentlich egal? Als gelte es einfach, nun halt diese Spiele auch noch hinter sich zu bringen? Wie kann es sein, dass auch zwei Trainerwechsel rein gar nichts bewirkt haben?

Wie kann es sein, dass sich nicht einmal ausgewirkt hat, dass die Klotener zum ersten Mal in dieser Saison sogar einen Ausländer mehr in ihren Reihen hatten? Drei sind in der Liga-Qualifikation erlaubt. Rapperswil-Jona konnte nur zwei einsetzen. Weil Jared Aulin verletzt ist.

Vielleicht ist es halt doch ganz einfach. Wenn so viele Spieler längst ihre Zukunft anderorts geregelt haben, kommt es so heraus. Es ist zwar im ganzen Land bekannt, sei aber noch einmal erwähnt. Weil es ganz offensichtlich eine zentrale Rolle spielt.

Denis Hollenstein hat bereits einen Rentenvertrag über fünf Jahre bei den ZSC Lions. Vincent Praplan einen Zweijahresvertrag bei den San José Sharks in der NHL. Daniele Grassi – er spielte gestern, weil verletzt, nicht – und Matthias Bieber haben ihre Zukunft mit dem SCB geregelt. Torhüter Luca Boltshauser und Robin Leone werden nach Lausanne zügeln.

Immer und immer wieder wird zu recht betont, Eishockey sei der letzte wahre Mannschaftsport. Namen seien nur auf dem Dress aufgenähte Buchstaben. Wenn wichtige Spieler schon bei einer anderen Mannschaft unter Vertrag stehen, dann sind sie juristisch ja bei einer anderen Mannschaft. So einfach ist die Erklärung: Luca Boltshauser, Denis Hollenstein, Vincent Praplan, Matthias Bieber und Robin Leone waren gestern schon bei einer anderen Mannschaft.

Es gibt für die Klotener durchaus eine erfreuliche Perspektive: schlimmer kommt es nicht mehr. Am Samstag werden sie in Rapperswil-Jona besser spielen. Und falls es dann auch wieder nicht reichen sollte, bleibt noch die Möglichkeit, einen Wundertrainer zu verpflichten. Tomas Tamfal. Er bringt alle Voraussetzungen mit.

Er hat bereits einmal in Kloten gearbeitet und weiss wie kein anderer Trainer, wie Rapperswil-Jona zu bezwingen ist: Am 16. Februar 2013 hat er Kloten zu einem 12:0-Sieg über die damals noch in der NLA spielenden Lakers geführt. Heute arbeitet er als Assistent bei den Ticino Rockets in der Swiss League und hätte gerade Zeit, in Kloten auszuhelfen.