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Novak Djokovic erhitzt die Gemüter, weil er in Serbien Wasser predigt und Wein trinkt

Novak Djokovic begrüsst Alexander Zverev, der im Privatjet nach Belgrad flog, wo er am Turnier der Adria-Tour teilnimmt.

Novak Djokovic begrüsst Alexander Zverev, der im Privatjet nach Belgrad flog, wo er am Turnier der Adria-Tour teilnimmt.

Novak Djokovic veranstaltet mit seinen Brüdern Djorde und Marko eine Turrnier-Serie in vier Balkanländern. Gleichzeitig spricht er sich gegen die Durchführung der US Open aus. Das stösst auf heftige Kritik.

An diesem Wochenende wird wieder Tennis gespielt. Vor tausenden von Zuschauern. Als wäre nichts gewesen. Keine Pandemie, die weltweit über 400'000 Leben dahingerafft hat und deren tägliche Ansteckungsraten global betrachtet höher denn je sind. Adria-Tour heisst die Turnierserie, die Novak Djokovic mit seinen Brüdern Djorde und Marko innert weniger Wochen aus dem Boden gestampft hat. Neben Belgrad wird bis am 5. Juli auch noch in Zadar (Kroatien), Banja Luka (Bosnien & Herzegowina) und an einem noch zu bestimmenden Ort in Montenegro gespielt.

Das Teilnehmerfeld ist illuster, neben Djokovic treten auch der zweifache French-Open-Finalist Dominic Thiem (ATP 3), Alexander Zverev (ATP 7), Grigor Dimitrov (ATP 19) und die Kroaten Borna Coric (ATP 33) und Marin Cilic (ATP 37) an. Gespielt wird in zwei Vierergruppen nach dem Fast-4-Format, also auf vier Games pro Satz. Die Adria-Tour ist ein voller Erfolg. Die ersten 1000 Tickets für das Turnier in Belgrad waren nach 7 Minuten vergriffen, in Zadar wird ein Stadion für 9000 Zuschauer errichtet.

Fussballplausch mit Savo Milosevic

Novak Djokovic beim Fussballplausch.

Novak Djokovic beim Fussballplausch.

Die Erlöse erhalten wohltätige Organisationen, Preisgeld wird keines ausgeschüttet, alle Spieler hätten sich zudem verpflichtet, ihre Gagen vollumfänglich karitativen Zwecken zukommen zu lassen, Kosten, die ihnen entstehen, zum Beispiel durch Anreisen in gecharterten Flugzeugen, werden indes übernommen. Die Freude ist sicht- und spürbar, sei es auf dem Rollfeld, wo Djokovic seine Freunde persönlich abholte, oder beim Fussballplausch mit der serbischen Fussballlegende Savo Milosevic.

Alles gut also? Mitnichten. Denn Novak Djokovic hat sich am Mittwoch in einer Telefonkonferenz klar gegen die Durchführung der US Open in New York ausgesprochen. Der Veranstalter, der amerikanische Tennisverband USTA, möchte das Turnier unter Ausschluss der Öffentlichkeit abhalten, die Spieler würden in Charterflügen anreisen und dürften nur von einer Person begleitet werden. Zudem würden alle in einem Hotel in Manhattan unter Quarantäne gestellt, die Teilnehmerfelder drastisch gekürzt.

Cilics Antrag auf mehr Preisgeld

Für Djokovic ist das keine Option. Er liess verlauten, in diesem Falle würde er auf eine Teilnahme verzichten und erst Ende September bei den French Open in Paris wieder antreten. Djokovic ist nicht der einzige Spieler, der Bedenken äusserte, aber dass er parallel aber eine eigene Turnierserie durchführt, erhitzt die Gemüter. Einerseits, weil er vorgibt, als Präsident des Spielerrats für die Anliegen der weniger Verdienden einzustehen, mit der Adria Tour aber nur für Elitespieler Arbeitsmöglichkeiten schafft.

Am Freitag begann die Adria-Tour mit einem gemischten Doppel, bei dem Novak Djokovic an der Seite seiner Landsfrau Jelena Jankovic spielte.

Am Freitag begann die Adria-Tour mit einem gemischten Doppel, bei dem Novak Djokovic an der Seite seiner Landsfrau Jelena Jankovic spielte.

Und andererseits, weil die US Open für viele Spieler eine wichtige, wenn nicht existenzielle Verdienstmöglichkeit wäre. Djokovic predige Wasser, während er Wein trinke, so der Vorwurf, geäussert von Danielle Collins. «Seine Unlust könnte darüber entscheiden, ob die US Open stattfinden oder nicht. Weil er der beste Spieler der Welt ist, geniesst er das Privileg, sich ein ganzes Team leisten zu können», schreibt die Amerikanerin in einem E-Mail an die «New York Times». Für die Mehrheit sei das Luxus.

Glaubt man den Schilderungen, verlangte Marin Cilic, der sich bei der Adria-Tour als Wohltäter inszeniert, dass die Preisgelder bei den US Open erhöht werden, weil den Spielern Mehrkosten entstünden. Zur Erinnerung: 2019 erhielten die Sieger bei Frauen und Männern 3,8 Millionen US-Dollar. Wer in der ersten Runde verlor, erhielt 93'000 Dollar. Cilics Antrag wurde vom Organisator als unverschämte Fantastereie gebrandmarkt. Letzte Woche musste der amerikanische Verband 130 Angestellte entlassen.

Novak Djokovic beim Fussballplausch

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