IOC

Nordkorea testet den Weltsport - Und wird von der WADA suspendiert

Militärisch gedrillte nordkoreanische Cheerleader beobachten an den Olympischen. Winterspielen in Pyeongchang das Spiel des geeinten Eishockeyteams

Während das Internationale Olympische Komitee um Nordkorea balzt, wird das nordkoreanische Anti-Doping-Komitee von der Welt-Anti-Doping-Agentur suspendiert. Es droht ein sportpolitischer Konflikt.

Nordkorea ist für das Internationale Olympische Komitee (IOC) die derzeit heisseste Braut im Sport. Erst kürzlich trafen sich die olympischen Funktionäre wieder mit Vertretern aus dem kommunistischen Reich, um über Teilnahmen von Athletinnen und Athleten an den Sommerspielen 2020 in Tokio zu diskutieren.

Vor einem Jahr bei den Winterspielen in Südkorea mündeten die Bemühungen in einem gemeinsamen Einmarsch der beiden getrennten Nationen. Damals im Eishockey der Frauen und seither bei Weltmeisterschaften in mehreren Disziplinen kam es zu symbolträchtigen gemischten Teams.

Wobei die nordkoreanischen Athleten nicht mehr als eine folkloristische Aufwertung des Auftritts bedeuteten. Rein sportlich hinken sie ihren südkoreanischen Brüdern und Schwestern weit hinterher.

Entscheidender ist die Sinnbildlichkeit. Seit zwei Jahren befinden sich US-Präsident Donald Trump und IOC-Präsident Thomas Bach in einem imaginären Zweikampf um den besten Draht zu Kim Jong Uns diktatorisch geführter Welt. Im Gegensatz zu Trump hat Bach immerhin konkrete Resultate vorzuweisen, sodass sportnahe Kreise in euphorisierter Stimmung auch schon laut über den Friedensnobelpreis nachdachten.

Keine Reaktion aus Nordkorea

Nun droht ausgerechnet eine Partnerorganisation aus der Welt des Sports diese vorgespurte Erfolgsstrasse empfindlich zu stören. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hat jüngst das nordkoreanische Anti-Doping-Komitee suspendiert. Die Wada ist nicht einverstanden damit, wie das international isolierte Land seine Athleten testet.

Diese Pflicht geht nun mal mit der sportpolitischen Öffnung Nordkoreas einher. Auf ein Ultimatum der Wada im September reagierte Nordkorea nicht. Nun folgt als nächster Schritt die Suspendierung. Wada-Direktor Olivier Niggli erklärt, was jetzt passiert. «Nordkorea hat nun sechs Monate Zeit. Wenn sich die Situation bis dann nicht ändert, müssen wir über weitere Sanktionen entscheiden.»

Die Sprengkraft dieser Situation für den Weltsport ist immens. Denn im Zuge des staatlichen russischen Dopingskandals hat die Wada ihre regulatorischen Waffen geschärft. Wer sich nicht an Vorgaben hält, kann als Konsequenz von den Olympischen Spielen ausgeschlossen werden.

Die Sportverbände und das IOC haben sich verpflichtet, diesen Bestimmungen zu folgen. Also keine nordkoreanischen Sportler im Sommer 2020 in Tokio, obwohl das IOC derzeit eine eigentliche Balz um diese veranstaltet?

China soll die Situation retten

Unter Beobachtung steht auch die Wada. Ihr wurde bei der Aufarbeitung des russischen Dopingskandals vorgeworfen, vor dem politischen Druck des IOC eingeknickt zu sein und die eigenen Regeln zumindest gebogen zu haben. Passiert dies im Fall von Nordkorea erneut?

Um die ultimative Zerreissprobe abzuwenden, hat die Wada nun das chinesische Anti-Doping-Komitee losgeschickt, um den Nordkoreanern punkto Dopingtests unter die Arme zu greifen, damit die Suspendierung wieder aufgehoben werden kann. Ausgerechnet China soll also den Frieden im Weltsport retten.

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