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Heute: Nordirland

Nordirland und die Deutschen: Die Erinnerung an zwei legendäre 1:0-Siege in der Qualifikation für die EM 1984 – am Ende scheiterten die Nordiren nur am schlechteren Torverhältnis – gibt Nordirland vor allem für das dritte Spiel in Gruppe C (mit Polen, Deutschland und der Ukraine) gegen den amtierenden Weltmeister Zuversicht. Und weil die Nordiren laut ihrer offiziellen Fanhymne ja nicht Brasilien sind, sollten sich die Deutschen vor dem Duell fest anschnallen.

Nordirlands Trainer Michael O'Neill führt die Mannschaft souverän durch die Qualifikation.

Nordirlands Trainer Michael O'Neill führt die Mannschaft souverän durch die Qualifikation.

Das Team des irischen Trainers Michael O'Neill – nicht zu verwechseln mit dem nordirischen Trainer der Iren Martin O'Neill – hat mit der EM-Qualifikation eine Fussballeuphorie im knapp 2-Millionen-Einwohner Land ausgelöst. Seit dem Vorrundenaus bei der WM 1986 konnten sich «Norn Iron» für kein Turnier mehr qualifizieren. Die 30-jährige Wartezeit wurde nun mit der überhaupt ersten EM-Teilnahme beendet. Das gelang äusserst souverän und frühzeitig sogar als Gruppensieger.

Die erste WM-Qualifikation seit 1986 für Nordirland sorgt für Freude.

Die erste WM-Qualifikation seit 1986 für Nordirland sorgt für Freude.

Der Erfolg schürt Hoffnungen auf ein Weiterkommen. «Es ist zwar eine harte Gruppe, aber eine, in der wir mithalten können», liess sich O'Neill nach der Auslosung zitieren. Auch, dass man erst zum Abschluss auf die Deutschen treffe, sei ein Vorteil. Wie man den Weltmeister schlägt, haben sich die Nordiren beim südlichen Nachbar abgeschaut, mit dem die Fans bemerkenswerter Weise ein freundliches nachbarschaftliches Verhältnis pflegen. In der Qualifikation besiegte Irland das deutsche Team in Dublin mit 1:0. Und was die Iren können, können die Nordiren schon lang.

Das kleinste Mitglied Grossbritanniens muckt auf. Als Gruppendritter, so lautet das Minimalziel,  winkt ein Duell mit England, was für die als «feucht-fröhlich » bekannte Fangemeinschaft von der Westinsel das höchste der Gefühle wäre.

Kyle Lafferty spielte für eine Saison im Wallis.

Kyle Lafferty spielte für eine Saison im Wallis.

Stars sucht man bei den Nordiren, die es verstehen, gepflegten Offensivfussball mit Kampf und Leidenschaft zu mischen, vergeblich. Müsste man aus dem Kollektiv jemanden herauspicken, wäre es Kyle Lafferty, der mit sieben Treffern in der Quali erfolgreichste Angreifer der Nordiren. Lafferty? Da klingelt es zumindest im Wallis. Genau. In der Saison 2012/13 schnürte der heute 28-Jährige für den FC Sion die Schuhe und schoss in 28 Spielen immerhin acht Tore.

Bei seinen folgenden Vereinen steckt Wandelvogel Lafferty (Rizespor, Norwich, Birmingham) seit Sommer 2014 jedoch in der Krise. Nur sieben Tore in 48 Spielen stehen dem Mittelstürmer zu Buche. Ebenso oft scorte Lafferty im gleichen Zeitraum und in nur neun Einsätzen für sein Heimatland.

O'Neill versteht es also seine Spieler zu Höchstleistungen anzustacheln. Genau das richtige Rezept, damit die feierwütigen Nordiren auch in Frankreich nicht nur Niederlagen zu bejubeln haben.

Nordirland trifft in Gruppe C auf Polen, die Ukraine und Deutschland.

Nordirland trifft in Gruppe C auf Polen, die Ukraine und Deutschland.