Skispringen

«Noch eine Quarantäne und die Saison ist für mich gelaufen» – den Skispringern steht ein schwieriger Winter bevor

Simon Ammann nach einem Training im Nordic Zentrum in Kandersteg.

Simon Ammann nach einem Training im Nordic Zentrum in Kandersteg.

Heute beginnt im polnischen Wisla die Skisprung-Saison. Doch die Vorfreude ist getrübt: Die Zuschauer werden fehlen. Und die Unsicherheit rund um die Coronaregelungen ist gross. Immerhin: Das Schweizer Team hofft trotz Abwesenheit des verletzten Killian Peier auf einige sportliche Höhenflüge.

«Die Adler sind wieder losgelassen!» Der internationale Skiverband FIS verbreitet gute Stimmung und hat unter diesem Motto ein emotionales Video zum Skisprung-Saisonstart produzieren lassen. Wer es sieht, bekommt Lust auf Winter, auf weite Flüge, auf Vierschanzentournee und nordische WM.

Doch kaum ist der Film zu Ende, landet man wieder in der Realität. Und erinnert sich an Simon Ammann, der im Mediengespräch vor zwei Wochen wenig euphorisch sagte: «Vielleicht kommt die Vorfreude mit dem Saisonstart.» Sowie an Nationaltrainer Ronny Hornschuh, der erklärte:

Keine Frage: Derzeit dämpft die Corona-Unsicherheit die Freude im Skisprung-Zirkus. Die meisten Wettkämpfe sind zwar weiterhin im Programm, nur jener in Sapporo ist bisher abgesagt, sowie jener der Frauen in Lillehammer. Zuschauer werden aber zumindest in den ersten Saisonwochen nicht dabei sein.

Auch nicht im polnischen Wisla, wo heute Abend die Qualifikation zum ersten Weltcup-Springen der Saison stattfindet. Keine Zuschauer auch in Engelberg im Dezember, keine in Garmisch-Partenkirchen beim Neujahrsspringen an der Vierschanzentournee – und wohl auch an allen anderen Wettkämpfen.

Coronatests und Abstandsregeln

Die fehlenden Zuschauer sind aber nicht das einzige Problem, das die Skisprungteams vor dem Coronawinter umtreibt. Die Organisation der Wettkampf-Reisen wird kompliziert. So verlangt die FIS von jedem Athleten vor jedem Weltcup-Springen einen negativen Coronatest, der nicht älter als fünf Tage ist. Von Austragungsort zu Austragungsort variiert diese Vorgabe zudem, jeder Veranstalter hat seine eigenen Regeln.

Dazu kommen unzählige Fragen: Muss das gesamte Team in Quarantäne, wenn ein Athlet positiv getestet wird? Wird der Wettkampf durchgeführt, wenn mehrere Teams fehlen?

Auch hier sind von Veranstalter zu Veranstalter unterschiedliche Regelungen zu erwarten. Weiter sind da die Abstandsregeln, welche die Wettkampfplanung erschweren. Hornschuh sagt:

In den Hotels sind die Teams möglichst weit voneinander in verschiedenen Etagen untergebracht, gegessen wird gestaffelt. Zu vergessen sind in dieser Saison auch die Treffen mit Berufskollegen, die man den Sommer über nicht gesehen hat.

Teams reisen gemeinsam in einem Charterflug

Die Mannschaften komplett zu trennen, sei aber utopisch, sagt Disziplinenchef Berni Schödler. Zum zweiten Weltcup-Springen im finnischen Ruka bis hin zur Skiflug-WM in Planica werden alle Teams mit einem Charterflug gemeinsam unterwegs sein – dies unter anderem, da die Reise ins russische Nazhny Tagil derzeit nicht mit einem Linienflug absolviert werden kann.

Killian Peier fehlt, ein Schweizer Quartett hofft

Die Schweizer starten mit einem Quartett in die Saison. Neben den Routiniers Simon Ammann und Gregor Deschwanden gehören die beiden Talente Dominik Peter (19) und Sandro Hauswirth (20) zum Team. Der grosse Abwesende ist Killian Peier. Der Romand verpasst die gesamte Saison, nachdem er sich an den Schweizer Meisterschaften in Einsiedeln Ende Oktober das Kreuzband gerissen hat – bei der Landung nach einem Flug, der ihn wohl zum Schweizer Meister gemacht hätte.

Das Schweizer Team leidet mit dem WM-Bronzemedaillengewinner mit. Er war der stärkste Springer in den Trainings, «er war in Topform», sagt Nationaltrainer Ronny Hornschuh. Zudem habe er sich zuletzt zum Teamleader entwickelt. Ärgerlich sei sein Ausfall zusätzlich, da in dieser Saison gleich zwei WM-Titelkämpfe stattfinden werden, jener im Skifliegen in Planica im Dezember sowie die nordische Ski-WM in Oberstdorf Ende Februar.

In die Bresche springen sollen nun also Ammann und Co. – wobei der doppelte Doppelolympiasieger aus dem Toggenburg noch nicht wie gewünscht in Fahrt gekommen ist, wie er sagt. «Ich habe nicht jeden Tag die Form der anderen», sagt der 39-Jährige.

Deschwanden als grösste Schweizer Hoffnung?

Besonders belastet habe ihn die Quarantäne Anfang Oktober, als das Team nach positiven Tests bei Peier und Andreas Schuler nur noch zu Hause trainieren durfte, sagt Ammann.

Immerhin etwas spricht zum Saisonstart für ihn: In Wisla hatte er im Sommer-GP einen starken fünften Platz erreicht. Viel erhofft sich das Trainerteam von Deschwanden, der in Einsiedeln Schweizer Meister geworden ist. Sein Flug habe sich stabilisiert, so Hornschuh.

Ammann bestätigt: «Gregor hätte Killian in dieser Saison herausfordern können.» Und die beiden jungen Athleten Peter und Hauswirth seien nahe dran. «Sie werden die Qualifikation der besten 30 immer mal wieder schaffen», prophezeit Peier, der sich die Saison aus der Ferne anschauen muss.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1