Mountainbike
Nino Schurter will in Rio endlich seinen olympischen Medaillensatz komplettieren.

Zwei Mal einen platten Reifen, schliesslich noch den vierten Rang ins Ziel gerettet. Nino Schurter hat kein einfaches Weltcup-Wochenende hinter sich. Trotzdem macht der 30-Jährige zwei Tage später einen lockeren Eindruck. «Ich hatte etwas Pech», sagt der aktuelle Leader im Gesamtweltcup. «Dafür hoffe ich, dass ich mit Platten durch bin für diese Saison.»

Dean Fuss
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Nino Schurter während einer Abfahrt beim Testevent auf der Olympia-Strecke in Rio.

Nino Schurter während einer Abfahrt beim Testevent auf der Olympia-Strecke in Rio.

KEYSTONE

Und das wäre dann auch viel mehr wert, als es ein erster Platz beim Rennen im französischen La Bresse je hätte sein können.Denn die laufende Saison steht für Schurter ganz im Zeichen von Rio – und damit des einen Traumes, den sich der mehrfache Weltmeister und Weltcup-Gesamtsieger noch nicht hat erfüllen können: denjenigen von Olympia-Gold. Es ist die einzige Medaillenfarbe, die dem Bündner noch fehlt. Bronze gewann er 2008 in Peking, Silber nach einem turbulenten Finish 2012 in London. Schurter ist für die Spiele in der brasilianischen Metropole eine der grossen Schweizer Medaillenhoffnungen.

«Ich will in Rio meine dritte Medaille in Serie holen. Das wäre toll», erklärt Schurter seine ganz persönliche Zielsetzung und schiebt nach: «Aber eines ist klar: Ich hoffe schon, dass ich um Gold fahren kann.» Für einen Fahrer seiner Klasse klingt das fast etwas zurückhaltend. Das dürfte aber viel weniger damit zusammenhängen, dass sich Schurter nicht insgeheim die Goldmedaille zum Ziel gesetzt hätte, sondern viel mehr in der klassisch schweizerischen Zurückhaltung in Sachen Zielformulierung begründet sein.

Nino Schurter: «Ich will in Rio meine dritte Medaille in Serie holen. Das wäre toll. Aber eines ist klar: Ich hoffe schon, dass ich um Gold fahren kann.»

Nino Schurter: «Ich will in Rio meine dritte Medaille in Serie holen. Das wäre toll. Aber eines ist klar: Ich hoffe schon, dass ich um Gold fahren kann.»

KEYSTONE/EPA AAP/BRIAN CASSEY

Das zeigt auch das unmissverständliche Motto, mit dem sich Schurter auf Rio vorbereitet: «The hunt for glory», die Jagd nach Ruhm. Unter diesem Titel verbreitet er seit anderthalb Jahren Monat für Monat Video-Episoden im Internet, in denen der Zuschauer einen Einblick in die harte Arbeit des Musterprofis auf seinem Weg nach Rio erhält.

Die altbekannten Konkurrenten

Die Frage nach seinen grössten Konkurrenten im Kampf um die Goldmedaille in Rio beantwortet Schurter wie aus der Pistole geschossen: Julien Absalon und Jaroslav Kuhlavy. Ausgerechnet die beiden Fahrer also, die ihm bei seinen bisherigen Teilnahmen an Olympia vor der Sonne standen. Der 35-jährige Franzose Absalon gewann das Rennen in Peking, der 31-jährige Tscheche Khulavy überholte Schurter in London 2012 in der allerletzten Kurve vor dem Ziel. Diese Niederlage schmerzte Schurter zwar damals, heute aber hat er das längst weggesteckt: «Natürlich ist dieses Rennen in meiner Erinnerung sehr präsent. Aber ich nage nicht mehr am Ausgang von damals. Heute freue ich mich über diese Silbermedaille.»

Und die ist im Endeffekt zumindest auch ein gutes Omen, denn wie in London wird auch in Rio auf einer künstlich angelegten Cross-Country-Strecke gefahren. Schurter hat den Parcours beim Testevent im Oktober 2015 kennen gelernt. «Die Strecke ist sehr ähnlich wie in London, beinhaltet aber etwas mehr Höhenmeter. Das kommt mir entgegen», sagt er. Und es gibt noch ein gutes Omen: Die Olympia-Strecke wurde vom selben Erbauer konstruiert, der auch für die WM-Strecke in Südafrika verantwortlich zeichnete. Und da holte sich Schurter 2013 seinen dritten Weltmeistertitel.

In den kommenden Wochen stehen für Schurter noch einige Rennen – inklusive des ersten Saison-Höhepunkts mit der WM in Tschechien in einem knappen Monat – auf dem Programm. Für die Vorbereitung auf Rio wird er auf den Weltcup in Kanada Anfang August verzichten und stattdessen einen Block Höhentraining einschieben – je nach Wetter findet das im Engadin oder im Höhenzimmer in Magglingen statt. Zwölf Tage vor seinem Olympia-Einsatz am Schlusswochenende der Spiele Mitte August reist Schurter schliesslich nach Rio, wo seine Jagd nach Ruhm mit der Goldmedaille ihren definitiven Höhepunkt finden soll.

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