Triathlon

Nicola Spirig dreht sich als Belohnung für harte Trainings bei Eis und Schnee im Kreis – an Corona-Hotspot in Florida

Nicola Spirig beim Triathlon Uri 2019.

Nicola Spirig beim Triathlon Uri 2019.

Olympia-Siegerin Nicola Spirig startet am Sonntag bei den Triathlon-Weltmeisterschaften im Corona-Hotspot Florida. Es ist ein Rennen der Superlative, bei dem eine Million Dollar Preisgeld ausgeschüttet wird.

Die Winter im Engadin sind lang und kalt – und die Aussichten auf die kommenden Monate verheissen für Ausdauersportler wie Nicola Spirig, die im Bündner Hochtal trainieren, wenig Gutes. Schon in diesem Jahr gab es kaum Wettkämpfe. Und es ist völlig offen, ob, wo und wann das in naher Zukunft möglich sein wird. Umso dankbarer ist die Olympia-Siegerin von 2012 um die Möglichkeit, am Sonntag, bei den Weltmeisterschaften über die ungewöhnliche Mitteldistanz (2 km Schwimmen, 80 km auf dem Velo, 18 km Laufen) starten zu können.

Ausgetragen wird das Rennen in Florida – und damit in einem Bundesstaat, in dem noch immer regelmässig über 10'000 Neuansteckungen mit dem Coronavirus registriert werden.

Wo sonst Nascar-Boliden über den Asphalt donnern

Die Athletinnen und Athleten sind deshalb in einem von zwei offiziellen Hotels untergebracht, durften nur eine Begleitperson mitbringen, sind angehalten, unnötige Kontakte möglichst zu vermeiden und mussten bei der Ankunft einen Schnelltest über sich ergehen lassen. Zwar stehen die USA seit Freitag auf der Liste von Ländern, für die nach der Rückkehr in die Schweiz eine 10-tägige Quarantänepflicht besteht - diese Regelung tritt allerdings erst am 14. Dezember in Kraft. Spirig reist aber bereits am Tag nach dem Rennen wieder zurück. Und entkommt damit einer Quarantäne.

Ausgetragen wird das Rennen in spektakulärer Kulisse: im Daytona International Speedway, einem Kurs, der bekannt ist für sein Tri-Oval, drei überhöhte Kurven, in denen sonst die Fahrer der NASCAR- Serie mit über 300 Kilometern in der Stunde über den Asphalt donnern. Heisst: die Triathlon-Elite, zu der neben Spirig auch die Schweizer Philipp Koutny, Andrea Salvisberg und Ruedi Wild zählen, dreht sich stundenlang im Kreis. Topografisch entspricht das Rennen nicht Spirigs Präferenzen, die sonst coupierte Strecken bevorzugt. Sie sagt: «Eine so flache Strecke ist eine Neuheit für mich. Entsprechend ist es schwierig, Voraussagen zu machen.»

Millionen-Preisgeld für die Triathlon-Elite

Schwierig ist es auch, weil sich Spirig in Daytona nicht nur mit den Konkurrentinnen von der olympischen, sondern auch von der Langdistanz messen wird. Am Start steht mit der Deutschen Anne Haug zum Beispiel die letzte Siegerin des Ironman Hawaii. Spirig will in diesem Wettkampf aber nicht nur einen Formtest im Hinblick auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Tokio verstanden haben, sondern sieht diesen sogar als Belohnung. Belohnung für die harten Trainings im Engadin, bei Schnee, ohne Aussicht auf Wettkämpfe. Sie habe gut trainiert und es geschafft, die Motivation hoch zu halten, «deshalb ist mein Ziel schon erreicht.»

Nicht ganz erfüllt hat sich die Hoffnung auf sommerliche Temperaturen, am Tag nach der Ankunft war es gerade einmal sechs Grad warm, und damit nicht nur «überraschend kühl», sondern auch «nicht gerade so, wie man das von Florida erwarten würde», wie Spirig sagt. Heiss wird es auch am Sonntag nicht, prognostiziert sind aber immerhin 22 Grad. Damit wird es ähnlich warm sein wie Anfang November in Valencia, als Spirig ihren einzigen von insgesamt ohnehin nur vier Weltcup-Wettkämpfen der Saison bestritten und dabei den zweiten Platz belegt hat.

Ist die Strecke coupiert, sorgt Nicola Spirig oft auf der Radstrecke für den Unterschied. Bei der Daytona Challenge dürfte das schwierig werden.

Ist die Strecke coupiert, sorgt Nicola Spirig oft auf der Radstrecke für den Unterschied. Bei der Daytona Challenge dürfte das schwierig werden.

Bei der Daytona Challenge geht es um insgesamt 1,15 Millionen Dollar Preisgeld, die Hälfte davon für die Frauen. Es ist der höchstdotierte Triathlon der Geschichte, die Schnellsten erhalten 100'000 Dollar, und selbst für die Letztplatzierten gibt es noch 500 Dollar. Das ist im Triathlon ein Novum. Beim Ironman Hawaii zum Beispiel erhalten die Sieger zwar 120'000 Dollar, aber nur die zehn Erstklassierten erhalten Preisgeld.

Für Nicola Spirig ist aber nicht das Geld der Ansporn. Sondern die Möglichkeit, sich wieder einmal zu messen. Und der Kälte des Engadins für einen Moment zu entkommen. Die Feiertage verbringt sie mit der Familie im Engadin. Bevor es im Januar wieder an die Wärme gehen soll.

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