Vater Dario als Trainer auf der Bank. Bruder Luca spielt im Mittelfeld des Gegners. Mit welchen Gefühlen gehen Sie am Mittwoch an den Cup-Halbfinal Winterthur gegen Basel?

Nico Zuffi: Ich werde ganz entspannt hingehen und vor allem geniessen. Auch, weil ich für keine der beiden Mannschaften Partei ergreifen muss. Eine ähnliche Situation gab es schon 2015. Damals spielten mein Bruder Sandro und ich mit YF Juventus gegen Basel mit Luca.

Haben Sie kein Herz für den Aussenseiter?

Schon. Ich bin ja ein Winterthurer, die Schützenwiese ist meine Heimat. Aber ich will mich für dieses Spiel für kein Team festlegen.

Was verbindet Sie mit dem zwei Jahre älteren Luca?

Eigentlich fast alles. Wir haben immer alles zusammen gemacht.

Luca verdient viel Geld, geniesst hohe Anerkennung, spielt vor Tausenden von Zuschauern: Würden Sie gerne mit ihm tauschen?

Tauschen will ich nicht, weil ich ihm den Erfolg zu 100 Prozent gönne. Wenn, dann würde ich das gerne mit ihm zusammen erleben. Aber es läuft im Leben nicht immer so, wie man sich das wünscht.

«Ich bin ja ein Winterthurer, die Schützenwiese ist meine Heimat. Aber ich will mich für dieses Spiel für kein Team festlegen.»

Nico Zuffi

«Ich bin ja ein Winterthurer, die Schützenwiese ist meine Heimat. Aber ich will mich für dieses Spiel für kein Team festlegen.»

War es hart für Sie, zu akzeptieren, dass es für eine Profikarriere nicht reicht?

Nein. Klar wäre ich auch gerne in Lucas Situation und beim FC Basel. Aber
ich habe dafür andere Möglichkeiten. Ich kann neben dem Fussball arbeiten und habe etwas mehr Zeit für andere Dinge. Ich bereue nicht, wie es gelaufen ist.

Haben Sie mit Luca schon mal darüber gesprochen, ob er hin und wieder gerne mit Ihnen tauschen würde?

Konkret haben wir nie darüber gesprochen. Aber er ist absolut zufrieden mit seiner Situation. Für ihn ist alles aufgegangen. Schliesslich wollte er schon als kleiner Junge Fussballprofi werden.

Warum er und nicht ich? Haben
Sie diese Frage schon einmal gestellt?

Ich habe diese Frage nie gestellt. Es gibt mehrere Gründe für unsere Wege: Luca war schon immer ein Riesen-Talent. Und er hat sich körperlich gut entwickelt. Nicht wie Sandro und ich. Wir sind plötzlich in die Höhe geschossen und hatten dann Mühe mit der Dynamik.

Bis zu Lucas Durchbruch dauerte es ein wenig. Er war beinahe 22, ehe er in Thun erstmals Super League spielte.

Als Teenager erlitt er einen Kreuzbandriss, was ihn bestimmt eineinhalb Jahre gekostet hat. In Anbetracht dieses Rückschlags ist seine Karriere optimal verlaufen.

Luca Zuffi spielt seit Juli 2014 für den FC Basel.

Luca Zuffi spielt seit Juli 2014 für den FC Basel.

Geht es für Luca noch einen Schritt weiter?

Der nächste Schritt wäre jener ins Ausland. Luca will aber nicht ins Ausland, nur damit er im Ausland gespielt hat. Er ist sehr glücklich beim FC Basel. Ausserdem hat er beim FCB einen gewissen Status. Im Ausland müsste er hingegen wieder bei null anfangen.

Für die EM wurde Luca nicht nominiert.

Das war nach dem Kreuzbandriss der zweite Dämpfer in seiner Karriere. Aber es war nicht so, dass er deswegen nächtelang nicht schlafen konnte. Ehrlich gesagt konnte ich es nicht nachvollziehen, dass Luca nicht nominiert wurde.

Die Zuffis gelten als gelassene, bodenständige und sympathische Familie. Ist Luca vielleicht fast zu leise, müsste er schillernder sein für die ganz grosse Karriere?

Nein, das würde ich so nicht sagen. Klar ist Luca auf und neben dem Platz eher ruhig, doch das zeichnet sich auch positiv in seiner Spielqualität aus. Am Ball ruhig und kontrolliert zu sein, ist eine wichtige Eigenschaft. Wir Zuffis haben nun mal keine grosse Klappe. Und das ist auch gut so.

Vater Dario verkörpert diesen Zuffi-Grove allein schon, weil er nie Cheftrainer werden wollte, sondern sich mit der Rolle als Assistent begnügt.

Bescheidenheit hat er uns nicht nur mitgegeben, sondern tagtäglich vorgelebt. Wir haben keine Rampensau, keinen Entertainer und keinen begnadeten Redner in unserer Familie. Meinem Vater ist es ganz wohl, wenn er nicht im Rampenlicht steht. Die Rolle als Cheftrainer käme für ihn nie infrage.

Wie ist Ihr Vater als Trainer?

Ich höre nur Gutes. Insbesondere von den Junioren, die er in Winterthur trainiert hat. Ball, Technik, Freude – das steht im Zentrum seiner Trainings. Unter meinem Vater trainiert man Dinge, die jedem Fussballer Freude bereiten.

Der Name Zuffi bedeutet etwas im Schweizer Fussball. War der Name für Sie auch eine Bürde?

Über mehrere Ecken habe ich schon mitgekriegt, dass es Eltern von Junioren gab, die behaupteten, die Zuffi-Söhne hätten es in Winterthur einfacher. In Wahrheit war eher das Gegenteil der Fall. Unter den Spielern war es aber nie ein Thema, ob unser Vater nun Nationalspieler war oder Junioren-Trainer in Winterthur. Aber klar: Der Name Zuffi hatte auch Vorteile. Als ich 2014 beschloss, den FC Winterthur zu verlassen, fragte er, ob er ein Probetraining bei einem anderen Challenge-League-Klub einfädeln soll. Ich lehnte aber ab.

Wann haben Sie realisiert, dass Ihr Vater ein grosser Fussballer war?

An Vaters Zeit beim FC Basel kann ich mich nicht erinnern, weil ich sechs war, als wir nach Winterthur gezogen sind. Dass mein Vater erfolgreicher Fussballer war, bei YB und beim FCB spielte, wurde mir erst später bewusst, als ich mit meinen Brüdern die Videokassetten von damals rauf und runter geschaut habe.