Super League
Nicht wie YB: Der FCB gewinnt 5:1 in Vaduz und bodigt den Kleinen

Janko, Delgado, Elyounoussi, Steffen und Doumbia treffen zum klaren Sieg in Liechtenstein. Wenn überhaupt, gibt es nur an der Abwehrleistung etwas zu mäkeln.

Sebastian Wendel (Text) und Céline Feller (Liveticker)
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Keystone

42. Minute: 1:2 liegt Aussenseiter Vaduz gegen den grossen Favoriten aus Basel zurück. Noch drei Minuten bis zur Halbzeitpause. Drei Minuten, in denen es gilt, den knappen Rückstand zu konservieren, um danach beim Pausentee neue Kräfte zu sammeln und nach dem Wiederanpfiff nochmals anzugreifen. Wer weiss: Ein 1:2 birgt immer auch Hoffnung. Schnell der Ausgleich – und schon winkt die Sensation gegen den FCB.

Doch es kommt alles anders. Weil Matthias Strohmeier einen Moment lang denkt, er sei Lionel Messi und nicht Innenverteidiger beim Super-League-Abstiegskandidaten Vaduz. Strohmaier also, der ehemalige Bayern-Junior, will den Ball am eigenen Strafraum mit der Hacke (!) zum Nebenmann spielen. Warum, das weiss nur wer.

Das Kunststück misslingt brachial, der Ball kullert nur einige Meter weit, wird geschnappt von Renato Steffen, der weiterpasst zu Delgado, dessen butterweiche Flanke in die Mitte Mohamed Elyounoussi findet: 3:1 FC Basel. Spiel entschieden.

Delgado der Mann der Stunde

„Kamikaze.“ Vaduz-Coach Giorgio Contini fand nach Spielschluss klare Worte für die Aktion seines Abwehrspielers, die alle Hoffnungen auf einen erneuten Punktgewinn gegen Basel (im April erreichte Vaduz im Heimspiel ein 0:0) raubte. Denn auf beiden Seiten waren sich die Akteure einig: das 3:1 kurz vor der Pause war die spielentscheidende Szene.

Es folgte eine zweite Halbzeit, in der Basel den Vorsprung cool runterspielte. Als sich kurz vor dem Schlusspfiff die Vaduzer schon unter der kühlen Dusche wähnten, schlug Rot-Blau noch zwei Mal eiskalt zu und erhöhte durch Steffen und Doumbia auf 5:1.

„Am Ende ist es ein hoher Sieg, jedenfalls ist es ein verdienter“, sagt Urs Fischer. Der FCB-Coach konnte auch nach dem zweiten Spieltag auf eine gelungene Darbietung seiner Mannschaft zurückblicken: Wie beim 3:0 gegen Sion war Basel spielbestimmend und im Angriff sehr effizient: 8 Tore nach 2 Spielen und nur ein Gegentreffer – eine Traumquote.

Drei der acht Tore davon erzielte Matias Delgado. Der Captain ist bislang der Mann für die entscheidenden Situationen: Gegen Sion erzielte er die Tore zum 1:0 und 3:0, in Vaduz besorgte er vom Penaltypunkt das 2:0 und legte Elyounoussi das 3:1 auf. Delgado ist Dreh- und Angelpunkt der Basler Offensivmaschine, die in grandioser Frühform ist: Herrlich, wie in Vaduz vor dem 1:0 der linke Flügel Elyounoussi plötzlich rechts auftaucht, von Steffen steil geschickt wird und mit einem haargenauen Zuspiel auf den Fuss von Marc Janko das 1:0 vorbereitet.

„Wir haben uns vorgenommen, in der Offensive unberechenbarer zu werden“, so Fischer. Dies bedeute, ein gesundes Mass zu finden zwischen einstudierten Laufwegen und individueller Intuition. Fischer: „Schön, dass es bereits so gut klappt und auch von aussen so wahrgenommen wird.“

Schön anzuschauen ist auch die Entstehung des 2:0: Dieses Mal ist es Steffen, der sich durch die Vaduz-Abwehr dribbelt und schiesst. Zwar kann Vaduz-Goalie Peter Jehle abwehren und nochmals glänzend reagieren gegen die Versuche von Elyounoussi und Delgado – gegen den Penalty des Argentiniers ist er jedoch machtlos: Grippo hatte Janko bei dessen Einschussversuch gefoult und Glück gehabt, nur Gelb statt Rot zu sehen.

YB bereits distanziert

Nach vorne hui – hinten pfui? Das ist zu plakativ ausgedrückt. Doch fest steht: Wenn es am FCB-Auftritt in Vaduz etwas zu rügen gibt, dann die Defensivarbeit in Halbzeit 1. Im Mittelpunkt stand oft Eder Balanta, der grosse Probleme im Stellungsspiel bekundete. Auch technische Fehler schlichen sich beim Kolumbianer ein, wie in der 31. Minute, als sein Befreiungsschlag zu kurz geriet und Simone Grippo zum 1:2 traf.

Dass Goalie Vaclik in jener Aktion zu weit vor dem Tor stand, komplettierte das schlechte Bild, das die FCB-Abwehr in dieser Szene abgab. Positiv aus FCB-Sicht: Nach dem Seitenwechsel agierte der ganze Abwehrverbund stabiler und kompakter – Vaduz wurde kaum mehr gefährlich.

Sechs Punkte aus zwei Spielen – Hauptkonkurrent YB bereits um 3 Punkte distanziert: Besser hätte der FCB nicht aus den Startlöchern kommen können. Im nächsten Spiel trifft Rot-Blau auswärts auf Luzern, danach kommt es zum Heimspiel gegen die Berner.

Vaduz - Basel 1:5 (1:3). - 5680 Zuschauer. - SR Jaccottet. - Tore: 4. Janko (Elyounoussi) 0:1. 19. Delgado (Foulpenalty) 0:2. 31. Grippo 1:2. 42. Elyounoussi (Delgado) 1:3. 89. Steffen (Bjarnason) 1:4. 92. Doumbia (Zuffi) 1:5.

Vaduz: Jehle; Grippo, Bühler, Strohmaier (46. Brunner); Pfründer, Muntwiler, Stanko, Borgmann; Kukuruzovic (72. Mathys); Zarate (63. Avdijaj), Messaoud.

Basel: Vaclik; Lang, Suchy, Balanta, Traoré; Xhaka, Zuffi; Steffen, Delgado (63. Bjarnason), Elyounoussi (82. Callà); Janko (68. Doumbia).

Bemerkungen: Vaduz ohne Janjatovic, Costanzo, Baldinger, Felfel und Ciccone (beide verletzt). Basel ohne Akanji, Sporar (beide verletzt), Serey Die (nicht im Aufgebot) und Fransson (Olympische Spiele mit Schweden). Verwarnungen: 19. Grippo. 25. Strohmaier. 40. Balanta. 86. Doumbia (alle Foul).

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