FC Wohlen
Nicht jeder kann im Fall Wellington einfach seinen Namen ändern

Der Gang vor Gericht ist für einen Angeklagten nie eine angenehme Sache. Im Fall Wellington war die öffentliche Verhandlung für die Beschuldigten im FC Wohlen ein besonders schmerzhafter Seelen-Striptease.

Rainer Sommerhalder
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Urs Bächer ist auf Seiten des FC Wohlen zweifellos der grosse Verlierer im Fall Wellington.

Urs Bächer ist auf Seiten des FC Wohlen zweifellos der grosse Verlierer im Fall Wellington.

Ruedi Burkart

Nackt und verletzlich mussten sich FC-Wohlen-Präsident Andi Wyder und der ehemalige Geschäftsführer Urs Bächer am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Bremgarten vorgekommen sein. Bei Wyder kamen Details zur juristischen Vorgeschichte und zur finanziellen Situation an die Öffentlichkeit, welche mit dem Fall Wellington nichts zu tun haben. Und der arbeitslose Urs Bächer, der auf Ende Januar 2014 vom Klub entlassen wurde, musste Auskunft darüber geben, wie schwierig es für ihn sei, nach dem Fall Wellington wieder eine Stelle zu finden.

Einfacher hatte es da Spielvermittler Davide Persico, dessen Person während der Gerichtsverhandlung als – gelinde gesagt – ziemlich dubios rüberkam. Doch Persico, der im Gegensatz zu Urs Bächer aussagte, Wellington nie monatliche Zahlungen von 1000 Franken versprochen zu haben und auch nie persönlich in Wohlen mit Verantwortlichen des FCW verhandelt zu haben, brachte das Kunststück fertig, als einziger Hauptakteur des Wellington-Transfers nicht auf der Anklagebank zu sitzen. Dafür herhalten musste Handlanger Reiner Hertrampf, während der eigentliche Spielerberater die Ereignisse aus sicherer Distanz und gelassen an seinem Wohnsitz in Spanien verfolgen konnte.

Ein Leben lang gezeichnet

Nicht einmal seiner in Liechtenstein domizilierte Firma – die Gerichtspräsident Lukas Trost während der Verhandlung despektierlich als "Bude" bezeichnete – konnte der Fall Wellington etwas anhaben. Dafür sorgte ein einfachter Trick. Aus SportsCore wurde nach den negativen Medienschlagzeilen neu ProSportInvest.

Ein solches Szenario gibt es für Urs Bächer nicht. Bei der Prüfung jeder Bewerbung werde heutzutage gegoogelt, sagte der 54-Jährige vor Gericht. Und im weltweiten Netz werde ihm im Zusammenhang mit seiner Rolle beim Fall Wellington sogar Unterschlagung von Geldern vorgeworfen. Als Opfer einer Medienkampagne sei er nun sein Leben lang gezeichnet.

Allerdings gab Bächer mit seinen Aussagen auch vor Gericht nicht immer eine gute Falle ab. Dass er die Verantwortlichen der Firma SportsCore einerseits als "anerkannte Fachleute" bezeichnete, um Minuten später konsterniert zu erfahren, dass diese bestritten, je mit ihm persönlich verhandelt zu haben, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Auch für Andi Wyder, den ehemaligen Delegierten des Verwaltungsrates der FCW AG, ist das Leben als Sportfunktionär seit dem Fall Wellington ein Spiessrutenlaufen. Die Nacht in Polizeigewahrsam vor seiner Einvernahme empfand der Architekt bereits vor dem Gerichtstermin als "schlimmste Stunden in seinem Leben".

Ein "Stellvertreterkrieg"

Vor Bezirksgericht musste er nun einerseits mit anhören, wie Simon Käch, der Anwalt von Spieler Wellington, brisante Informationen über finanzielle Belange in Wyders Vergangenheit in Umlauf brachte. Andererseits warf ihm auch Gerichtspräsident Trost vor, aus einer früheren Verurteilung wegen Verstosses gegen das Ausländergesetz nichts gelernt zu haben. Damals ging es um das Engagement von drei polnischen Spielern beim Freiämter Verein. Wyder ging auf diese Anschuldigungen nicht ein und sagte zu seinem Verschulden im Fall Wellington: "Ich habe niemanden getäuscht. Wellington war auch der erste Spieler beim FC Wohlen, bei dem ein Teil des Lohnes durch eine Drittpartei finanziert wurde."

Wyders Anwalt Matthias Fricker ging in seinem Plädoyer so weit, eine politische Auseinandersetzung als Triebfeder im Fall Wellington zu bezeichnen. Er meinte damit die Abrechnung von Jean-Pierre Gallati, dem Spiritus Rector der Wohler SVP, mit dem ehemaligen Verwaltungsratspräsident der FC Wohlen AG und Wohler Gemeinderat René Meier. So gesehen könnte man den öffentlichen Auftritt von Käch, Wyder und Bächer vor Bezirksgericht quasi als juristischen "Stellvertreterkrieg" bezeichnen.

Meier selber wird in wenigen Wochen das zweifelhafte Vergnügen haben, sich ebenfalls vor Bezirksgericht Bremgarten zu den Vorwürfen der üblen Nachrede, der Veleumdung und des Vergehens gegen den unlauteren Wettbewerb erklären zu müssen. Angestrengt hatte diese Klage – wie könnte es anders sein – Wellington-Anwalt Simon Käch.

Ein nachvollziehbares Urteil

Bei aller Polemik am Rande darf man dem Gerichtspräsidenten attestieren, ein ausgewogenes und in seiner Differenzierung verständliches Urteil gefällt zu haben. Die Einholung einer Arbeitsbewilligung ist nun mal Sache des Klubs und der nicht korrekte Weg dazu kann weder Spieler Wellington noch dessen Betreuer Hertrampf angelastet werden. Und das Vorgehen der FCW-Verantwortlichen, zwar die Nuancen der zwei Verträge mit dem Spieler schriftlich festgehalten zu haben, nicht aber die zentrale Vereinbarung mit der Firma Sportscore über deren Beteiligung am Lohn, darf zumindest als naiv bezeichnet werden. Am Rande der Gerichtsverhandlung fiel dafür sogar mehrfach der Begriff "dilettantisch". Seit Mittwoch ist nun auch die entscheidene Frage geklärt: Kann Dilettantismus auch juristisch bestraft werden?