Fussball
Neymar vor dem Wechsel zu PSG – die wichtigsten Fragen und Antworten

Neymars Transfer zu Paris Saint-Germain ist angeblich in trockenen Tüchern. Noch heute soll der Brasilianer in Frankreich den Medizintest absolvieren. Hier gibt es die wichtigsten Fragen und Antworten.

Adrian Müller
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Ist Neymars Zeit beim FC Barcelona endgültig abgelaufen?

Ist Neymars Zeit beim FC Barcelona endgültig abgelaufen?

KEYSTONE/EPA EFE/JUANJO MARTIN

Geht er oder bleibt er? Hast du bei der ganzen Transfer-Posse um Barcelonas Neymar den Überblick verloren? Wir können es dir nicht verübeln. Schliesslich überschlugen sich in den letzten Tagen die Meldungen. Fast schon stündlich wurden gegensätzliche Berichte und Meinungen publiziert. Deshalb hier die aktuelle Übersicht mit allen wichtigen Fragen und Antworten.

Wie ist der aktuelle Stand?

Nach einstimmigen Medienberichten stand Neymar kurz vor der Unterschrift bei Paris Saint-Germain. Mohamed Bouhafsi, Journalist und Fussball-Chef beim französischen Fernsehsender BFMTV, schreibt am Montag, dass PSG den Transfer in den nächsten 24 bis 48 Stunden vollziehen möchte. Die festgeschriebene Ablösesumme beläuft sich auf 222 Millionen Euro. Der tatsächliche Deal könnte über 300 Millionen Euro betragen.

Die deutsche Zeitung «Kicker» berichtet ebenfalls am Montag, dass der Brasilianer heute Dienstag seinen Medizintest beim französischen Klub absolvieren soll. Die Überprüfung sollte in Katar vonstatten gehen.

Am Dienstagmorgen schreibt jedoch die Zeitung Mundo Deportivo, dass Neymar nach Brasilien fliegt. Der Stürmer habe immer noch Zweifel und wolle deshalb im Kreise seiner Familie über seine Zukunft nachdenken.

Weshalb will Neymar wechseln?

Angeblich hat Neymar es satt, im Schatten von Lionel Messi zu stehen. Statt selbst der Starstürmer zu sein, war er in der vergangenen Saison mehr und mehr «nur» der Vorbereiter von Messi und Suarez. Das Fass zum Überlaufen brachte angeblich das unglaubliche Comeback Barcelonas gegen PSG in der vergangenen Champions League. Neymar soll sauer gewesen sein, dass in den Medien Messi als Held dargestellt wurde und nicht er. In der französischen Hauptstadt erhofft er sich eine grössere Rolle.

Wie will PSG den Transfer finanzieren?

Wie die «Mundo Deportivo» ausführt, soll der Spieler die Ausstiegsklausel selbst bezahlen, damit die Franzosen nicht gegen das Financial Fair Play verstossen. Im Gegenzug soll der Brasilianer vom katarischen PSG-Eigentümer zum WM-Botschafter 2022 ernannt werden, wofür er 300 Millionen Euro erhalten soll.

Was sagt die Uefa?

Der europäische Fussballverband Uefa hat angekündigt, den Transfer, sofern er denn über die Bühne geht, zu untersuchen. Das bestätigte Andrea Traverso, Financial-Fairplay-Chefaufseher der UEFA, gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur EFE. «PSG muss die Regeln des FFP respektieren – genau wie alle Klubs in Europa», sagt Traverso. «Wir werden die Details des Transfers unabhängig davon analysieren, ob eine Beschwerde eingeht, um sicherzustellen, dass die Regeln des Fairplay respektiert werden.»

Auch PSG-Direktor Nasser Al-Khelaifi muss sich ans Financial Fairplay halten.

Auch PSG-Direktor Nasser Al-Khelaifi muss sich ans Financial Fairplay halten.

KEYSTONE

Die UEFA kommt damit der spanischen Liga zuvor, die gegen Paris Saint-Germain Beschwerde einlegen wollte. «Es geht um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Liga. Dieses Mal geht es um Barca, nächstes Mal sind vielleicht Real Madrid oder Atlético betroffen», sagt Liga-Direktor Javier Tebas gegenüber «Mundo Deportivo».

Die Finanzaufsicht der UEFA kann den Transfer aber nicht verhindern. Die einzige Möglichkeit einzugreifen sind nachträglich ausgesprochene Sanktionen. «Sie müssen beweisen, dass sie innerhalb von drei Jahren nicht mehr als 30 Millionen Euro Verlust machen», sagt Andrea Traverso. Ohnehin könne PSG ja noch einige Spieler verkaufen und so nötige Millionen für die Bilanz generieren.

Was hat Barcelona vor?

Barcelona sei bereit, mit PSG über den Transfer zu verhandeln. Wie die spanische Zeitung «Marca» schreibt, stellen die Katalanen aber die Bedingung, dass Mittelfeldspieler Marco Verratti Teil des Deals ist. Der Italiener ist schon längere Zeit auf der Wunschliste des FC Barcelona.

Marco Verratti spielt vielleicht bald bei Barca.

Marco Verratti spielt vielleicht bald bei Barca.

Keystone

Die «Blaugrana» haben zudem finanzielle Massnahmen getroffen. Nach Informationen von «Lavanguardia» friert der Klub seine Bonuszahlungen an Neymars Vater fürs Erste ein. Diese Woche hätten 26 Millionen an Neymar da Silva Senior überwiesen werden sollen, für das Erfüllen von Neymars Vertrag. Stattdessen hat Barca die Summe nun bei einem Notar deponiert. Sollte der Spieler in Barcelona bleiben, wird das Geld nachträglich noch ausgezahlt. Sollte der Transfer zu PSG Realität werden, will der Verein zuerst mit seinen Anwälten klären, ob die Summe bezahlt werden muss.

Wie sind die Reaktionen?

Neymars Teamkollegen sind alles andere als erfreut über das Transfer-Theater. Wie die in Barcelona stationierte Zeitung «Sport» schreibt, haben die Teamkollegen die «Show endgültig satt». Eine Quelle nahe des Teams sagt gegenüber der Zeitung, dass die Spieler denken, Neymar schade mit seiner Aktion dem Ansehen des Vereins und der Mannschaft.

Ligadirektor Javier Tebas relativiert die Bedeutung des 25-Jährigen für die Spanische Liga. «Ich wäre besorgter, wenn Messi oder Ronaldo unsere Liga verlassen würden. Sie sind wichtiger für den spanischen Fussball», sagt Tebas gegenüber der «Marca». Barcelona sei grösser als Neymar.

In Paris bereitet man sich indes auf die Ankunft des neuen Stürmerstars vor. Angeblich sollen die Verantwortlichen von Paris Saint-Germain bei der Stadt Paris nachgefragt haben, ob sie den Brasilianer statt im Parc des Princes bei einer Pariser Sehenswürdigkeit den Fans vorstellen können.

Wer wird als Nachfolger gehandelt?

Verschiedene Namen sind diesbezüglich schon gefallen. Das katalanische Radio bringt Monacos Stürmertalent Kylian Mbappé ins Spiel. Transfer-Guru Gianluca Di Marzio sieht Dortmunds Ousmane Démbélé als prädestinierten Nachfolger des Brasilianers. Aber auch Atlético Madrids Antoine Griezmann wurde schon mit Barcelona in Verbindung gebracht.

Kommt Kylian Mbappé nach Barcelona?

Kommt Kylian Mbappé nach Barcelona?

Keystone