Davis Cup
New York - Genf ohne Halt: keine Pause für Federer und Wawrinka

Nachdem die Schweizer Roger Federer und Stan Wawrinka ihr Grand-Slam-Turnier in New York beendet hatten, ging es gestern sofort weiter nach Genf. Hier muss das Team von Captain Severin Lüthi am Wochenende im Davis-Cup ran.

Michael Wehrle, Genf
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Stan Wawrinka und Captain Severin Lüthi (links) bereiten sich in Genf auf die Spiele gegen Holland vor.

Stan Wawrinka und Captain Severin Lüthi (links) bereiten sich in Genf auf die Spiele gegen Holland vor.

Keystone

Am frühen Montagmorgen, mitten in der Nacht Schweizer Zeit, sass Severin Lüthi noch auf der Tribüne im Arthur Ashe Stadium zu New York und musste zusehen, wie Roger Federer im Final des US Open gegen Novak Djokovic seinen 18. Grand-Slam-Titel verpasste. Machtlos sass Coach Lüthi da, konnte nicht mehr helfen.

Anschliessend blieb nicht einmal mehr Zeit, die Partie gemeinsam zu verarbeiten. Denn bereits gestern Morgen um 8.45 Uhr landet Lüthi in Genf und schlüpft von seiner Rolle als Coach Federers in die des Captains des Davis-Cup-Teams.

Gegen Holland müssen die Schweizer von Freitag bis Sonntag ihren Platz unter den besten 16 Teams in der Weltgruppe verteidigen. Schon um 10 Uhr steht Lüthi in der Palexpo-Halle, trainiert mit Henri Laaksonen. «Ich fühle keinen Jetlag», sagt er nur zwei Stunden später. Vielleicht werde er ja am Nachmittag noch müde. «Aber manchmal ist es kein Nachteil, wenn es sofort weitergeht», betont der Berner.

Keine Pause für die Sportler

Zu dieser Zeit ist Federer noch unterwegs, erst am Abend trifft er in Genf ein, 24 Stunden nach seinem Kumpel Stan Wawrinka. Für den war das US Open aber auch schon zwei Tage vorher zu Ende, nach der Halbfinalpleite gegen Federer.

«Ich bin bereit», sagt Wawrinka, der aber wie Federer erst heute in Genf erstmals trainiert. Klar sei der Terminplan eng, doch das habe er vorher gewusst und die Reiserei sei er gewohnt. «Natürlich ist es für manche Spieler hart, direkt nach einem Grand-Slam-Turnier im Davis-Cup ranzumüssen», sagt Lüthi. Doch sei es schwierig, eine bessere Woche zu finden.

Die Spieler selbst hätten diesen Termin vor einigen Jahren gewählt. Und schliesslich treffe es nur die wenigen Profis, die beim Turnier weit kämen, so wie jetzt die Schweizer.

Eher schwach platzierte Holländer

Bei Gegner Holland sieht das ganz anders aus. Nicht ein Mann des Aufgebots für Genf spielte in New York. Die Nummer eins, Robin Haase, sagte ab. Weil auch Igor Sijsling verzichtet, hält einzig Thiemo de Bakker, die Nummer 144 der Welt, von den bekannteren Spielern die Fahne der Gäste hoch.

Als Nummer zwei steht Jesse Huta Galung, die Weltnummer 436, im Team. Als haushoher Favorit geht deshalb die Schweiz, die Titelverteidigerin, in dieses Abstiegsspiel. Eingebrockt haben sich das die Nummer zwei und vier der Welt, Federer und Wawrinka, selbst. Im März haben sie auf die erste Runde in Belgien verzichtet, prompt unterlagen die Schweizer trotz zweier Einzelsiege von Laaksonen.

«Für mich ist es nicht seltsam, dass wir nun gegen den Abstieg spielen», sagt Wawrinka. Mit dem Triumph von Lille sei vor knapp einem Jahr ein Traum in Erfüllung gegangen. Jetzt sei es einfach wieder eine Partie im Davis-Cup, die er mit seinen Kollegen geniessen und gewinnen wolle. Klar fehle Haase, der ihn in diesem Jahr bereits geschlagen habe. «Aber wir müssen auf uns schauen», betont Wawrinka. Und nur auf diese Begegnung. «Ich will nicht absteigen», sagt er «wie es dann nächstes Jahr weitergeht, ist noch kein Thema.»

Bewusster Verzicht auf Nachwuchs

«Das ist schwierig zu planen», sagt auch Lüthi, der bewusst keine Nachwuchsspieler ins Team genommen hat. Neben Federer, Wawrinka und Laaksonen ist nur noch Routinier Marco Chiudinelli dabei. «In Belgien durften sie schnuppern, aber hier ist alles eine Nummer grösser, auch mit Roger und Stan», erklärt Lüthi. «Die Talente müssen wissen wo sie stehen und dafür arbeiten, weiterzukommen, sich ein Aufgebot zu verdienen.» Das habe er ihnen erklärt. «Sie verstehen es und sie müssen es auch verstehen», sagt er.

Es hat noch Karten

9200 Fans finden auf den Tribünen der Genfer Palexpo-Hallen Platz. Noch gibt es Tickets, zwischen 1800 und 2500 pro Tag, allerdings nur an der Tageskasse.

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