French Open

Neuer Trainer: Bacsinszkys «Krieger der Sterne» war einst Schüler von Vater Igor

Timea Bacsinszky erfindet sich derzeit neu.

Timea Bacsinszky erfindet sich derzeit neu.

Erfan Djahangiri soll Timea Bacsinszky (28, WTA 63) zurück in die Spur helfen. Er war einst der Schüler ihres Vaters Igor, mit dem sie längst gebrochen hat. Mit dem Iraner arbeitete sie schon einmal acht Jahre zusammen, ehe sie sich vor sechs Jahren von ihm trennte.

Als sie das Wichtigste gesagt hatte, was sie an diesem Nachmittag zu sagen hatte, reichte ihr jemand ein Papiertaschentuch. Das wird dringend benötigt, sagte Timea Bacsinszky mit einer tränenerstickten Stimme, aber auch mit einem Lachen. Die Zeit hatte nicht gereicht, sich von der Wadenzerrung, die sie vor knapp einem Monat erlitten hatte, zu erholen. So fehlt die Romande im Hauptfeld der French Open in Paris, an dem Ort, der ihr so viel bedeutet.

Wäre es nicht dieser Ort gewesen, wo vor fünf Jahren ihre Karriere noch einmal neu begann, sie hätte die Aussichtslosigkeit ihres Ansinnens wohl früher erkannt. Doch Paris, das ist eben mehr für die 28-Jährige. 2015 und 2017 erreichte sie hier die Halbfinals. Also wollte sie das tun, was sie hier immer tut, lief am Samstag durch die Couloirs des Stade Roland Garros und verteilte Schokolade. «Hier fühle ich mich wie Zuhause. Es hat mir so sehr gefehlt.»

Ärzte rieten von der Teilnahme ab

Am Samstag hätte sie mit Belinda Bencic trainieren wollen, doch dann setzte der Regen ein. Es ist irgendwie bezeichnend für das, was Timea Bacsinszky derzeit durchmacht. Seit einem Jahr wird sie von Verletzungen geplagt: erst war es eine komplexe Verletzung am rechten Handgelenk, die ihre Karriere bedrohte, nun waren es muskuläre Probleme. «Auch wenn das sehr emotional für mich ist, muss ich mir eingestehen, dass es keinen Sinn macht», sagt sie.

Die Fasern hätten sich noch nicht ausreichend erholt. Zwar fühle sie sich beim lockeren Spiel wohl, doch abrupte Richtungsänderungen verursachen Schmerzen. Eine Echographie hat sie in ihrer Entscheidung bestärkt, auf Roland Garros zu verzichten. «Die Ärzte haben empfohlen, dass es besser wäre, nicht zu spielen», sagt Bacsinszky. Sie brauchte eine weitere Nacht, in der sie sich Gedanken machte, ob sie den Rat befolgen will. Denn: es ist ja Paris. 

«Mein Feuer ist immer noch da»

Timea Bacsinszky wird im Juni 29, bald will sie ihren Verlobten Andreas Blattner heiraten. Doch an ein Karriereende will sie nicht denken, schon gar nicht an diesem Tag, schon gar nicht an diesem Ort. «Denn hier passieren immer unglaubliche Dinge. Mein Feuer ist immer noch da. Und ich möchte noch viele schöne Kapitel schreiben.» Es sei mit Sicherheit nicht ihr letzter Auftritt in Roland Garros gewesen, versicherte sie kämpferisch. So ist sie, Timea Bacsinszky.

Nach fünf Jahren gehen Timea Bacsinszky und Dimitri Zavialoff getrennte Wege.

Nach fünf Jahren gehen Timea Bacsinszky und Dimitri Zavialoff getrennte Wege.

Sie nimmt das Seuchenjahr auch als Anlass, sich grundlegend Gedanken zu machen. Vor einer Woche trennte sie sich doch etwas überraschend nach fünf Jahren von ihrem Trainer Dimitri Zavialoff. «Wir sind am Ende unseres Weges angelangt», sagte sie. Eine Trennung sei immer schmerzhaft und einschneidend, auch wenn sie im Guten geschehe. In ihre Beziehungen, ob privat oder beruflich, investiere sie viel Herzblut und Zeit, stellte sie klar. 

Djahangari, der «Krieger der Sterne»

Viel Zeit hat sie auch mit ihm verbracht: Erfan Djahangiri (38). Acht Jahre war der Iraner ihr Trainer, ehe sie sich im Sommer 2012 von ihm trennte. Doch der Kontakt ist nie abgebrochen. «Wir haben immer viel diskutiert», sagt Bacsinszky, die in der letzten Woche in Lausanne mit dem Ex-Profi arbeitete. Ironie des Schicksals: seine ersten Tennisstunden nahm Djahangari als 6-Jähriger ausgerechnet bei Bacsinszkys Vater Igor, mit dem sie längst gebrochen hat. 

Vielleicht ist er der Mann, der ihr in diesen schwierigen Momenten wieder auf die Beine helfen kann. Sie, die in Dingen, Wörtern und Begebenheiten Zeichen erkennt, wird wissen, welche Botschaften sich in dessen Namen verbergen. Erfan steht für Glück und Freiheit, «für denjenigen, der von den Sternen kommt», wie er einmal erklärte. Der persische Name Djahangari steht für «Krieger». Es sind alles Attribute, die Bacsinszky jetzt helfen würden.

Neuer alter Trainer von Timea Bacsinszky: Erfan Djahangiri.

Neuer alter Trainer von Timea Bacsinszky: Erfan Djahangiri.

Rückkehr in Ungarn Mitte Juni

Nach den French Open fällt sie aus den Top 200 der Weltrangliste. Sie will sich bei kleineren Turnieren wieder herantasten. Ab dem 11. Juni spielt sie in Hodmezovasarhely in Ungarn, von wo die Eltern ihrer Mutter stammen. In der Folgewoche bei einem mit 100'000 Euro dotierten Turniere in Montpellier. Ob sie weiter mit Djahangari arbeitet, ist offen. Er ist zweifacher Vater und arbeitet als Tennistrainer in Lausanne. Sein Zeitbudget ist entsprechend ausgelastet.

Gesichert ist hingegen, dass Bacsinszky trotz ihres Rückfalls in der Weltrangliste auch bei den US Open und im kommenden Januar bei den Australian Open antreten kann. Sie profitiert von einem geschützten Ranking, das sie bei insgesamt acht Turnieren nutzen kann. Bacsinszky sagt, sie müsse diese Regelung klug für sich einsetzen. Bei Turnieren, wo ihre Chancen auf Siege intakt sind. Denn sie will ja wieder hierhin: nach Paris, an ihren Sehnsuchtsort.

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