Super League
Neuer Thun-Trainer: Jeff Saibene tritt die Nachfolge von Ciriaco Sforza an

Bereits am Dienstagmorgen leitet Jeff Saibene zum ersten Mal das Training des FC Thun. Der Luxemburger übernimmt das Traineramt bei den Berner Oberländern und unterschreibt einen Vertrag bis im Sommer 2017.

Ruedi Kuhn
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Jeff Saibene stellt sich am Dienstagmorgen der Mannschaft vor
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Jeff Saibene ist in Thun angekommen
Jeff Saibene neuer Thun-Trainer

Jeff Saibene stellt sich am Dienstagmorgen der Mannschaft vor

Keystone

Montagmorgen: Jeff Saibene sitzt in der Lounge des Restaurants Einstein in Aarau und wirkt entspannt. Mehr noch. Er zeigt sich von der lockeren Seite. Der Luxemburger geniesst den Augenblick.

Der Grund liegt auf der Hand: Saibene ist wieder im Geschäft. Nach dem freiwilligen Abgang beim FC St. Gallen Anfang September übernimmt der 47-Jährige das Traineramt in Thun.

«Die Vorfreude auf die neue Herausforderung ist riesig», sagt er am Tag bevor er sein erstes Training im Berner Oberland leitet.

«Der österreichische Kulttrainer Ernst Happel hat einmal gesagt, dass jeder Tag ohne Fussball ein verlorener Tag ist. Für mich gilt das Gleiche. Ich kann ohne Fussball einfach nicht leben.»

Sforzas Nachfolger war schnell gefunden

Es ist die Sucht nach Fussball, die Happel und Saibene verbindet. Einen Unterschied gibt es allerdings zwischen den beiden Trainern. Happel ist 1992 im Alter von 67 Jahren leider viel zu früh gestorben.

Saibene aber lebt – und wie! Fünf Wochen, nachdem Saibene den Verwaltungsrat des FC St. Gallen um die Vertragsauflösung gebeten hat, steigt er wieder ins Trainerbusiness ein. Wie so oft im Fussball ging alles schnell.

Nach der Entlassung von Ciriaco Sforza boten die Thuner Klubverantwortlichen Markus Lüthi (Präsident) und Andres Gerber (Sportchef) Saibene zu einem Gespräch auf. Nach kurzer Zeit war klar: Saibene übernimmt die Nachfolge des erfolglosen Sforza und unterzeichnet bei den Berner Oberländern einen Vertrag bis Ende Saison 2016/17.

Saibenes Familie bleibt im Aargau

Saibene beim FC Thun: Auf der einen Seite ist das völlig logisch, auf der anderen Seite ist das ziemlich verrückt. Logisch ist es deshalb, weil Saibene von 2006 bis 2008 bereits Trainer der Thuner war. Erst arbeitete er als Assistent von Heinz Peischl, dann übernahm er die Position des Chefs. Der Captain des FC Thun hiess damals Andres Gerber. Jener Andres Gerber also, der heute als Sportchef tätig ist.

«Andres und ich haben uns in dieser Zeit näher kennengelernt und gut verstanden», sagt Saibene. «Es ist schön, dass er sich jetzt an mich erinnert hat. Ich freue mich auf die Rückkehr nach Thun. Ich werde mir möglichst schnell eine kleine Wohnung suchen. Meine Familie bleibt in unserem Haus in Küttigen.»

Aus der Pause wurde nichts

Kommen wir zum verrückten Teil. Saibene wollte nach dem freiwilligen Rücktritt in St. Gallen eigentlich eine längere Pause machen. Nun trainiert er zwei Tage nach seiner offiziellen und feierlichen Verabschiedung in der AFG Arena bereits wieder einen Verein der Super League. Warum die schnelle Rückkehr ins unberechenbare Fussballgeschäft? «Der Abgang in St. Gallen war einerseits schmerzlich, anderseits kam er mir vor wie eine Erlösung», sagt Saibene. «Der Druck war von einem Tag auf den andern weg. Ich konnte endlich los lassen. Aber», fügt er hinzu, «die Lust am Fussball kehrte viel schneller zurück als ich gedacht hatte.»

Sekunden nach diesem Zitat erzählt Saibene die Geschichte, dass er nur fünf Tage nach dem Abgang beim FC St. Gallen nach Frankreich gereist ist, um sich ein Spiel der Ligue 2 anzuschauen. «Ein Verantwortlicher vom FC Sochaux hat mich zur Partie gegen US Créteil eingeladen», erinnert sich Saibene. «Das Traineramt bei Sochaux war vakant und hätte mich gereizt. Es kam dann allerdings nicht dazu.»

Berner Oberland statt Frankreich

Statt in Sochaux arbeitet Saibene in Thun – kann das gut gehen? Es kann! Ein Blick auf die Spieler- und Trainerkarriere des 86-fachen Luxemburger Internationalen zeigt: Saibene ist kein Mann von kurzen Gastspielen.

Beim FC Aarau war er als Spieler und Trainer während zehn Jahre tätig. Beim Luxemburger Verband stand er sieben Jahre unter Vertrag. Und bei St. Gallen arbeitete er zuletzt während viereinhalb Jahren und erreichte vor zwei Jahren dank einem Erfolg gegen Spartak Moskau (1:1, 2:4) die Gruppenphase der Europa League und holte gegen hochkarätige Teams wie Valencia, Krasnodar und Swansea sechs Punkte.

Für den Meistertitel reichte es nicht

Kein Zweifel; die Fans der Ostschweizer haben Saibene für immer in Ihr Herz geschlossen. Ein kleines Denkmal hat Saibene jedenfalls auf sicher. Das grosse Denkmal ist allerdings schon vergeben: Das hat sich der bisher erfolgreichste und populärste Trainer des FC St. Gallen verdient. Die Nummer eins der Vereinsgeschichte ist und bleibt wohl Marcel Koller. Koller holte mit den Grünweissen in der Saison 1999/2000 den Meistertitel. Das hat nicht einmal Saibene geschafft.

Am Dienstagmorgen leitet Jeff Saibene bereits sein erstes Training beim FC Thun. Da geht es - zumindest vorerst - nicht um den Meistertitel, sondern um den Kampf gegen den Abstieg.

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