Wann haben Sie von Ihrem Glück erfahren?
Alex Chatelain: Konkret wurde es am Dienstagabend nach dem Spiel in Lugano. Der definitive Entscheid fiel dann am Mittwochmorgen.

Waren Sie überrascht?
Ich war insofern überrascht, dass es am Ende wirklich so schnell gegangen ist. Dass unter Umständen etwas passieren würde, wenn wir in Lugano verlieren, war klar. Da gab es verschiedene Szenarien. Die Wendung, die die Geschichte letztlich nahm, kam dann wirklich überraschend.

Mussten Sie lange überlegen, als Ihnen der Sportchef-Job konkret angeboten wurde?
Schnell, aber nicht allzu lange. Sven Leuenberger holte mich damals in die Organisation des SCB auch im Hinblick darauf zurück, dass ich dereinst mal seine Nachfolge antreten könnte. Deshalb hatte ich dieses Szenario schon immer ein wenig im Hinterkopf. Es war ein Plan, aber nicht in diesem Zeithorizont. Wir hätten uns alle sicher andere Umstände gewünscht.

Was reizt Sie an dieser Aufgabe?
Es ist extrem spannend, mit dieser Mannschaft und dieser Schweizer Trainercrew etwas zu erreichen.

Aber die Herausforderung ist gross, gerade bei einem Verein wie dem SCB, der ständig unter Strom steht.
Ich habe es gerne, wenn etwas läuft. Ich bin keiner, der den ganzen Tag dasitzt und sein Pensum herunterspult. Ich will in einer Position sein, die mitunter auch von Hektik geprägt wird. Gleichzeitig freue ich mich darauf, auch längerfristig zu planen. Nicht nur im Bereich der ersten Mannschaft, sondern auch im Nachwuchs.

Was befähigt Sie zu dieser Aufgabe?
Einerseits habe ich als Spieler meine Erfahrungen gemacht in guten und weniger guten Teams. Ich habe Erfolge und Misserfolge erlebt. Ich glaube deshalb, dass ich beurteilen kann, was es braucht, um erfolgreich zu sein. Andererseits habe ich durch mein Betriebswirtschaftsstudium gelernt, wie man Probleme und Aufgaben analytisch angehen muss. Ausserdem habe ich in den letzten 14 Monaten als rechte Hand von Leuenberger einiges mitbekommen.

Ohne Unterstützung von Leuenberger wird es zumindest zu Beginn aber kaum gehen.
Deshalb bin ich auch froh, dass ich weiterhin auf seine Unterstützung zählen kann. Aber ich fange ja nicht bei null an. Der grösste Unterschied zu vorher ist, dass ich es jetzt bin, der den letzten Entscheid fällt. Und ich werde auch weiterhin von seinem Netzwerk profitieren können.

Apropos Netzwerk. Da müssen Sie im Vergleich zu Sven Leuenberger einiges aufholen.
Das Netzwerk in der Schweiz ist nicht so wahnsinnig gross. Wir sind hier eine kleine Welt im Eishockey. Diese Beziehungen habe ich auch. Der grösste Brocken betrifft das Ausland. Aber dort konnte ich an Leuenbergers Seite einige Erfahrungen sammeln, weil ich bei den Entscheidungen meistens mit involviert war. Und wie gesagt: Wir werfen sein Know-how ja nicht einfach weg. Wenn er den SCB per sofort verlassen hätte, wäre das ein harter Schlag gewesen für die Organisation.

Sie haben bereits ein paar dicke Brocken im Pflichtenheft: Sie brauchen in dieser Saison einen Goalie und einen neuen Ausländer.
Unser Hauptproblem ist, dass wir schon sechs unserer acht Ausländerlizenzen verbraten haben – und alle für Stürmer, von denen momentan nur drei einsetzbar sind. Deshalb wäre es falsch, wenn wir jetzt irgendwelche Schnellschüsse machen würden. Wir müssen überprüfen, welche Option für die Mannschaft für den weiteren Saisonverlauf die beste ist.

Naheliegend wäre ein ausländischer Goalie.
Da will ich mich nicht festlegen. Janick Schwendener hat bewiesen, dass er ein guter Goalie ist. Aber durch das vorzeitige Saisonende von Marco Bührer hat sich die Ausgangslage sicher verändert.