Challenge League

Neuer FCA-Spielmacher Arxhend Cani: «Embolo ist für mich wie ein Bruder»

Arxhend Cani in seinem ersten Spiel für den FC Aarau gegen Xamax

Arxhend Cani in seinem ersten Spiel für den FC Aarau gegen Xamax

Der Grenchner Arxhend Cani reifte in der Talentschmiede des FC Basel zum Profi. Während sein Weggefährte Breel Embolo mittlerweile in der Bundesliga spielt, lanciert Cani seine Karriere beim FC Aarau aufs Neue.

Unser Gespräch mit Arxhend Cani läuft seit rund 20 Minuten, als plötzlich FCA-Trainer Marinko Jurendic am Tisch steht und lachend sagt: «So jung und schon so viel zu erzählen?» Was als Scherz gemeint ist, hat viel Wahres dran. Am 2. August wird Cani 20 Jahre alt und zurückblicken auf sein junges Leben, das ihm bereits viele Erfahrungen in den Rucksack gepackt hat.

Mit 13 das Elternhaus verlassen

Am prägendsten waren die vergangenen sieben Jahre. Nach einer normalen Kindheit als Sohn kosovarischer Einwanderer im solothurnischen Grenchen, in der Arxhend jede freie Minute mit dem Ball am Fuss verbrachte, liegt ein Angebot vom grossen FC Basel auf dem Tisch. Dieses annehmen heisst auch: Mit 13 Jahren das Elternhaus verlassen und ins Wohnhaus neben dem St. Jakob-Park ziehen. Weil von verschiedenen Seiten das grosse Potenzial des kleinen Arxhend betont wird, entscheidet er gemeinsam mit den Eltern: Ich wage das Abenteuer.

«In den ersten Jahren im Wohnhaus wurden wir optimal betreut. Doch dadurch, dass ich so früh von zu Hause ausgezogen bin, habe ich gelernt, mich selber zu beschäftigen. Und die Bindung zu meinen Eltern und meinen zwei Brüdern wurde enger, weil ich sie nur selten sah. Wenn ich nach Hause gehe, verbringe ich Zeit mit ihnen, statt mich ins Zimmer zu verkriechen und Playstation zu spielen.»

Vom 1997er-Jahrgang in der Basler Nachwuchsabteilung haben es ungewöhnlich viele bis in den Profifussball geschafft. Allen voran Breel Embolo, DER Hoffnungsträger der Schweizer Nationalmannschaft und beim Bundesliga-Grossklub Schalke 04. Mit ihm, den Ajeti-Zwillingen Albian und Adonis (St. Gallen), Charles Pickel (GC) und Raoul Petretta (FCB) hat Cani in den gemeinsamen Jahren im Nachwuchs Freundschaften fürs Leben geschlossen. «Wir treffen uns fast jede Woche. Breel habe ich schon in Deutschland besucht und wenn er nach Basel kommt, sehen wir uns immer.» Verglichen mit seinen Freunden, hat es Cani bislang am wenigsten weit gebracht. Er spielt «nur» in der Challenge League. Grund zur Enttäuschung oder gar zur Eifersucht? «Nein, nein! Wir sind wie Brüder. Und als solche gönnt man sich den Erfolg.»

Arxhend Cani (4. v.l.) gemeinsam mit Breel Embolo (3. v.r.) bei den FCB-Junioren

Arxhend Cani (4. v.l.) gemeinsam mit Breel Embolo (3. v.r.) bei den FCB-Junioren

Die Schlüsselmomente im Cup

2014 wird Paulo Sousa Trainer beim FC Basel und beordert eine Handvoll U21-Junioren in den Trainingsalltag, darunter Cani. «Sousa war beeindruckend. Er hat uns gesagt: Fussballerisch seid ihr Jungen alle top. Jetzt müsst ihr lernen, wie Männer zu spielen.» Als der Portugiese ein Jahr später weiterzieht, schielt Cani nach der Angewöhnungszeit auf einen Platz im Profikader. Vergebens. Urs Fischer schickt die meisten Jungen wieder in die U21 und lässt ausländische Profis verpflichten. «Das war im ersten Moment eine grosse Enttäuschung. Als Fussballer will man immer das Maximum», sagt Cani rückblickend. Mit der Zeit realisiert er, dass eine jahrelange Ausbildung in der besten Schweizer Nachwuchsschmiede nicht automatisch auch einen Stammplatz beim FCB bedeutet. Dass er aber dank des exzellenten Rufs von in Basel geförderten Spielern einen Vorteil hat gegenüber all den Junioren von kleineren Klubs, die ebenfalls ins Profigeschäft drängen.

Schon damals denkt Cani daran, sich ausleihen zu lassen, entscheidet sich jedoch wegen seines immer noch sehr jungen Alters dafür, zu bleiben. Bis im vergangenen Winter der damalige Winterthur-Coach Sven Christ (heute FCA-Nachwuchschef) anfragt und sich Cani sagt: «Ich muss jetzt in den Männerfussball, in der U21 stagniere ich.» In dem halben Jahr auf der Schützenwiese lernt er, was es heisst, Fussball zu arbeiten, und erlebt im Cup gegen YB und Basel zwei Schlüsselspiele für die weitere Karriere: «Gegen YB traf ich im Penaltyschiessen, der Druck war riesig. Und gegen Basel habe ich erst nicht gespielt, bin dann reingekommen und habe ein Tor gemacht. Im Fussball sind Enttäuschung und Jubel sehr nah.»

Arxhend Cani im Dress der Schweizer Juniorennationalmannschaft.

Arxhend Cani im Dress der Schweizer Juniorennationalmannschaft.

Zurück nach Hause

Als im Frühling die neue Basler Klubleitung die Parole ausgibt, künftig mehr auf den Nachwuchs zu setzen, liebäugelt Cani naturgemäss wieder mit einem Platz beim FCB. Wieder vergebens. Priorität haben Junioren, die das vergangene Halbjahr in Basel waren, nicht die ausgeliehenen. Statt seinen Vertrag abzusitzen, schauen sich Cani und sein Berater nach der nächsten Leihstation um – und werden in Aarau fündig. Dort sucht man einen jungen Offensivspieler, der im Nachwuchs auch auf nationaler Ebene Aufgebote erhielt. U21-Nationalspieler Cani, passt da gut ins Anforderungsprofil. Nach einigen Testtrainings entscheiden sich die FCA-Verantwortlichen, Cani vorerst für ein Jahr auszuleihen, den Lohn bezahlt weiterhin der FCB.

Im ersten Spiel gegen Xamax liefert Cani erste Kostproben seiner Übersicht und seiner Technik. Auch wenn nach erst wenigen Trainings mit den neuen Teamkollegen noch vieles Stückwerk blieb. Cani: «Aarau ist genau richtig für mich. Ein neuer Trainerstaff, ein guter Teamgeist und offensiver Fussball. Hier will ich Fuss fassen im Profifussball. Den Traum vom FCB habe ich noch nicht ganz aufgegeben.» Und noch einen Vorteil hat der Wechsel ins Brügglifeld: Grenchen, die Heimat, ist nah. So nah, dass er nach sieben Jahren wieder ins Elternhaus gezogen ist.

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