Belinda Bencic
Neuausrichtung als Chance

Marcel Kuchta
Marcel Kuchta
Merken
Drucken
Teilen
Wohin führt der Weg? Belinda Bencic muss sich nach einer völlig verkorksten Saison 2016 neu orientieren.keystone

Wohin führt der Weg? Belinda Bencic muss sich nach einer völlig verkorksten Saison 2016 neu orientieren.keystone

KEYSTONE

Dass es im Team von Belinda Bencic nach einer völlig missratenen Tennis-Saison Veränderungen geben könnte, ja geben muss, das durfte man erwarten. Nach einem Jahr, in welchem aus einer der grössten Hoffnungen der Tennis-Schweiz eine physisch wie psychisch völlig verunsicherte Athletin wurde, die in der Weltrangliste aus den Top Ten mittlerweile bis auf Platz 44 abgerutscht ist, war eine Neuausrichtung unvermeidlich.

Nun ist es zum ersten Knall gekommen. Marcel Niederer, Belinda Bencics Manager, seit sie fünf Jahre alt war, verkündete in einer Medienmitteilung seinen überraschenden Abgang. Die Zeilen lassen sich dahingehend interpretieren, dass diese Trennung nicht ganz freiwillig vonstattenging. So, wie es Niederer formulierte, entsprach er «einem Wunsch der Familie Bencic».

Und er machte in seinem Schreiben auch deutlich, dass er von seinem Geld, welches er in die Karriere der Ostschweizerin investiert hat (geschätzt gegen eine Million Franken), wieder einen Teil zurückverlangt (an den bisher gewonnenen Preisgeldern war er auch schon beteiligt). «Mit dieser Trennung treten die für einen solchen Fall vertraglich vorgesehenen Folgen in Kraft, gemäss denen ich für meine früheren Investitionen in Zukunft faire, ebenfalls bereits festgelegte Entschädigungen erhalten werde.»

Macht man eine «Milchbüechlirechnung», dann trägt also das Management eine grössere Mitschuld am sportlichen Kriechgang des 19-jährigen Riesentalents. Niederer wollte nicht mehr sagen zu den Umständen, die letztlich zum Ende der langjährigen Beziehung führten. Es ist allerdings gut möglich, dass der erfolgreiche Geschäftsmann angesichts der immer schwächer werdenden Leistungen gepaart mit den immer häufiger auftretenden, körperlichen Defiziten auf eine Änderung im Betreuungsbereich gedrängt hat. Und damit vor allem die Position von Bencics Vater und seines langjährigen Freunds Ivan, der seine Tochter auf der WTA-Tour betreut, infrage gestellt hat.

3300 Meter Tennissaiten Die Spieler verbrauchen während des Turniers 3300 Meter an Tennissaiten, was der Distanz zwischen der St.-Jakobshalle und dem Barfüsserplatz entspricht. Damit lassen sich mehr als 300 frische Rackets bespannen, denn je nach Schlägertyp werden für die Bespannung zwischen elf und zwölf Meter Saite benötigt. Das Material kann dabei variieren. Rafael Nadal verwendet 100% Polyester, Roger Federer nutzt wie auch Novak Djokovic ein Hybrid aus Naturdarm und Polyester.
10 Bilder
6 offizielle Schiedsrichter 6 Hauptschiedsrichter sind auf den beiden Plätzen während des gesamten Turniers im Einsatz. Sie werden von 70 Linienrichtern, sogenannten Linesmen, unterstützt. Um alle Linien im Blick zu haben, sind immer neun Linesmen gleichzeitig auf dem Court, die wie auch die Ballkinder nach einer Stunde abgelöst werden.
2 151 985 Euro Preisgeld 2 151 985 Euro Preisgeld werden an den Swiss Indoors ausgeschüttet. Der Sieger bekommt alleine 387 100 Euro und damit mehr als die gesamte Doppelkonkurrenz (330 800 Euro). Zusätzlich gibt es für den Sieger auch 500 ATP-Weltranglistenpunkte.
9200 Zuschauer 9200 Zuschauer finden auf dem Centre-Court Platz. An neun Turniertagen strömten im letzten Jahr insgesamt 71 600 Tennisfans in die St.-Jakobshalle. Der Rekord aus dem Jahr 2012 liegt bei 72 300 Zuschauern. Man darf gespannt sein, wie sich das Fehlen von Roger Federer in diesem Jahr auf die Besucherzahl auswirkt.
10 000 Cüpli Tennis wird nach wie vor vom Flair der Reichen und Schönen geprägt. Champagner und Sekt stehen an der Tagesordnung. Schätzungen zu Folge werde im Laufe der Woche 10 000 Cüpli geleert.
Centre Court aus 275 Holzplatten Der Centre-Court ist ein riesiges Puzzle aus 275 Holzplatten. Die Platten werden zwischen den Turnieren gelagert und können zwei bis drei Mal wiederverwendet werden. Der blaue Farbbelag wird jährlich erneuert.
1300 VIP-Besucher 1300 VIP-Besucher werden pro Tag erwartet. Diese geniessen aus den Logen und dem Bereich direkt hinter den Grundlinien den besten Blick aufs Spielfeld und haben unter anderem Zugang zum Tennisdorf und zum kleinen Village, wo schon so manches Geschäft abgewickelt wurde.
60 Ballkinder 60 Ballkinder im Alter zwischen elf und 16 Jahren, die jedoch nicht grösser als 1,65 Meter sein dürfen, sind an den Swiss Indoors im Einsatz. Im Laufe des Turniers werden die besten ausgewählt, die dann im Final auf dem Platz stehen dürfen. Ob Roger Federer in diesem Jahr trotz sportlicher Abstinenz nach dem Final die traditionelle Pizza mit den Ballkindern verspeist?
4500 Tennisbälle 4500 Tennisbälle der Marke Head wurden vom Veranstalter bestellt. Diese wiegen zwischen 56 und 59,4 Gramm und kommen in 43 Einzelpartien, 16 Doppelpartien und im Training zum Einsatz. Während der Partien sind für die ersten sieben Games und dann immer für neun Games jeweils dieselben sechs Bälle im Spiel, ehe sie ausgetauscht werden.
8000 Logiernächte 8000 zusätzliche Logiernächte bringen die Swiss Indoors der Stadt Basel. Während der Turnierwoche ist rund jeder vierte Basler Hotelgast ein Besucher des Tennisspektakels in der St.-Jakobshalle. In der Nacht vor dem Final wurden in den letzten Jahren jeweils mit Abstand die meisten Logiernächte im Oktober registriert. Dennoch ist die Hotellerie in Basel während des Turniers nur zu 72% ausgelastet. Dieser Wert liegt aber immerhin 3% über dem Oktoberschnitt.

3300 Meter Tennissaiten Die Spieler verbrauchen während des Turniers 3300 Meter an Tennissaiten, was der Distanz zwischen der St.-Jakobshalle und dem Barfüsserplatz entspricht. Damit lassen sich mehr als 300 frische Rackets bespannen, denn je nach Schlägertyp werden für die Bespannung zwischen elf und zwölf Meter Saite benötigt. Das Material kann dabei variieren. Rafael Nadal verwendet 100% Polyester, Roger Federer nutzt wie auch Novak Djokovic ein Hybrid aus Naturdarm und Polyester.

Getty Images/iStockphoto

Marcel Niederer hat damit wohl einen wunden Punkt getroffen. Aber er hat vermutlich eben auch erkannt, dass der lahmende Bencic-Kahn nur mit einem radikalen Kurswechsel wieder flottgekriegt werden kann. Die langjährige, intensive Beziehung aller Beteiligten (Manager, Tochter, Vater plus Trainerin Melanie Molitor) macht es allerdings umso schwieriger, die verkrusteten Strukturen aufzubrechen. Und oft braucht es in solchen Situationen eine grössere Erschütterung, um alle involvierten Parteien wachzurütteln.

Deshalb muss der Abgang von Niederer per se nicht schlecht sein. Er erfordert von den Hauptdarstellern in dieser Geschichte eine totale Neuorientierung. Im Zentrum steht aber die sportliche Zukunft von Belinda Bencic. Mit einem Wechsel im Management ist es nicht getan. Nach dem schlechten Jahr 2016 muss sie sich grundsätzliche Fragen stellen. Zum Beispiel: Was kann sie tun, damit ihr Körper wieder bereit ist für den anstrengenden Turnieralltag? Oder: Ist bei der Turnier-Planung weniger nicht mehr? Und vor allem: Macht das Modell mit dem Vater als Coach und Hauptbetreuer wirklich noch Sinn?

Stan Wawrinka ATP:3; Alter:31, Siege 2016: 43; Niederlagen 2016: 14; Turniersiege 2016: 4; Preisgeld 2016: $5,663,783; Preisgeld Karriere: $26,619,354.
10 Bilder
Milos Raonic ATP: 4; Alter: 25; Siege 2016: 47; Niederlagen 2016: 14; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $3,880,233; Preisgeld Karriere: $12,712,216.
Kei Nishikori ATP: 5; Alter: 26; Siege 2016: 52; Niederlagen 2016: 16; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $3,715,751; Preisgeld Karriere: $15,043,162.
Marin Cilic ATP: 11; Alter: 28; Siege 2016: 39; Niederlagen 2016: 20; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $2,035,943; Preisgeld Karriere: $15,486,053.
David Goffin ATP: 12; Alter: 25; Siege 2016: 45; Niederlagen 2016: 21; Turniersiege 2016: 0; Preisgeld 2016: $1,862,255; Preisgeld Karriere: $4,650,665.
Grigor Dimitrov ATP: 18; Alter: 25; Siege 2016: 36; Niederlagen 2016: 23; Turniersiege 2016: 0; Preisgeld 2016: $1,519,436; Preisgeld Karriere: $7,362,022.
Richard Gasquet ATP: 19; Alter: 30; Siege 2016: 30; Niederlagen 2016: 16; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $1,124,945; Preisgeld Karriere: $14,633,471.
Jack Sock ATP: 23; Alter: 24; Siege 2016: 29; Niederlagen 2016: 18; Turniersiege 2016: 0; Preisgeld 2016: $1,034,792; Preisgeld Karriere: $4,501,756.
Marcos Baghdatis ATP: 35; Alter: 31; Siege 2016: 25; Niederlagen 2016: 20; Turniersiege 2016: 0; Preisgeld 2016: $900,983; Preisgeld Karriere: $7,581,490.
Pablo Carreno Busta ATP: 36; Alter: 25; Siege 2016: 34; Niederlagen 2016: 24; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $810,918; Preisgeld Karriere: $2,550,038.

Stan Wawrinka ATP:3; Alter:31, Siege 2016: 43; Niederlagen 2016: 14; Turniersiege 2016: 4; Preisgeld 2016: $5,663,783; Preisgeld Karriere: $26,619,354.

Keystone