Super League

Neu-Espe Gaudino: der Junge von der Säbener Strasse

Der ehemalige Bayern-München-Spieler Gianluca Gaudino bei seiner Vorstellung beim FC St. Gallen, zusammen mit Trainer Joe Zinnbauer (links) und Präsident Dölf Früh.

Der ehemalige Bayern-München-Spieler Gianluca Gaudino bei seiner Vorstellung beim FC St. Gallen, zusammen mit Trainer Joe Zinnbauer (links) und Präsident Dölf Früh.

Gianluca Gaudino ist beim FC St. Gallen angekommen, die Fans erwarten Grosses vom Bayern-Talent – er selbst will einen Fortschritt sehen. Mit guten Leistungen in der Ostschweiz könnte er sich wieder zurück ins Münchner Starensemble spielen.

St. Gallen gegen Vaduz, das letzte Spiel vor der Winterpause. Gianluca Gaudino sitzt auf der Tribüne und lässt sich von Sportchef Christian Stübi den FC St. Gallen erklären – inkognito. Es ist Gaudinos erste Reise in die Ostschweiz. Dass ein Transfer möglich ist, soll geheim bleiben. Es gelingt.

Gaudino sieht das Derby. Viel Kampf, wenig Kunst. Die Partie endet 2:2. Das Ergebnis schmeichelt den St. Gallern. Der Begabte sieht sich mit der Realität des Schweizer Fussballs konfrontiert. «Auch wir müssen kämpfen», macht ihm Stübi klar. Doch was der 19-Jährige sieht und spürt, sagt ihm zu. Das Gefühl der uneingeschränkten Wertschätzung hat Gaudino in München zuletzt vermisst, auch darum ehrt es ihn, dass sich St. Gallens Bemühungen seit Sommer nie reduzierten.

Begraben unter Superstars

Dass Stübi und Coach Joe Zinnbauer Gaudinos Vater und Berater Maurizio seit Jahren kennen, vereinfacht den Austausch. Gaudino sagt zu, der Wunschtransfer ist perfekt. «Und liegt absolut im Budget», bekräftigt der Sportchef.

Am Ursprung dieses 18-monatigen Leihgeschäfts steht Pep Guardiola. Der Bayern-Coach holte das damals 17-jährige Eigengewächs aus der A-Jugend zu den Profis, erlaubte ihm gar die Teilnahme am Trainingslager. Erste Aufgaben in der Bundesliga und im Pokal warteten – ja gar die europäische Bühne betrat der zierliche Gianluca.

Der Superlativ-missbrauchende Guardiola lobte pausenlos. Das Profibusiness behagte, die eigenen Ansprüche stiegen. Dann kam die Direktive: zurück in die A-Jugend. Der Mittelfeldspieler wurde Opfer der Superstar-Dichte an der Isar.

Ausleihen zum Glück

Im Sommer folgte aus Altersgründen die Versetzung in die zweite Mannschaft der Münchner. Regionalliga statt Champions League. Vater Maurizo, einst Nationalspieler Deutschlands, musste moralische Aufbauarbeit leisten. Nach sechs Monaten in der Viertklassigkeit war für Gaudino klar: Es braucht eine Luftveränderung.

Eine Ausleihe ist in München kein Delikt – sondern eine Chance. Stars wie Toni Kroos oder Philipp Lahm erreichten die Bayern-Elf einst auch erst via «Umweg». Bayern-Vorstand Matthias Sammer meint dazu: «Es sind Talente in der Übergangsphase, es ist schwer, aber eben auch schwerer denn je.»

Wird aus Gaudino ein richtiger Mann?

Als Junge von der Säbener Strasse kommt er nun nach St. Gallen, wo er seines Erachtens die besten Voraussetzungen für seine Entwicklung vorfindet. Das Bayern-Etikett suggeriert Qualität. «Wir können die Erwartungshaltung besser einschätzen als die Öffentlichkeit», entgegnet Stübi, «er kann nicht allein die Liga rocken.»

Dass die Münchner einen topfitten Akteur ins Auslandstudium schicken, steht ausser Frage. «Gianlucas Laktatwerte sind brutal», lobt Zinnbauer. Dennoch stellt der 45-jährige Deutsche die branchenübliche Forderung an die Öffentlichkeit: Zeit. «Wir dürfen nicht vergessen, dass Gianluca vor einem halben Jahr erst offiziell die A-Jugend verlassen hat.» Man werde sehen, ob Gaudino in St. Gallen nun zu einem richtigen Mann werde, sagt der Trainer.

Gaudino verkörpert Zinnbauers Vision vom ballbesitzorientierten Fussball. Dazu kommen Kreativität und Polyvalenz. Auch diese Attribute bringt er mit. In Basel, wo sein Vater zwischen 1997 und 1998 spielte, lernte Gaudino einst das Laufen. Vieles spricht dafür, dass der 19-Jährige wieder in der Schweiz seine ersten Schritte macht – auf dem steinigen Weg zurück ins Münchner Starensemble.

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