Tennis

Neigt sich die Ära von Sand-König Nadal dem Ende?

Rafael Nadal, neunfacher French-Open-Sieger.

Rafael Nadal, neunfacher French-Open-Sieger.

Das am Sonntag beginnende French Open verspricht Spannung wie schon lange nicht mehr. Der neunfache Sieger Rafael Nadal schwächelt. Novak Djokovic in erster Linie, aber auch Roger Federer, Stan Wawrinka oder Andy Murray könnten davon profitieren.

Es fehlt nicht an statistischen Werten, um die Schwächephase von Nadal vor seinem elften French Open zu dokumentieren. Erstmals beginnt er das Turnier ohne zuvor einen Titel auf europäischem Sand gewonnen zu haben. Er ist in der Weltrangliste nur noch die Nummer 7. Seit dem letzten Juni, als er im Final gegen Djokovic seinen neunten French-Open-Titel gewann, konnte der 28-Jährige kein bedeutendes Turnier mehr für sich entscheiden. Von den 4570 Weltranglisten-Punkten auf seinem Konto stammen 2000 von seinem letzten grossen Triumph.

Djokovic hat in den letzten zwölf Monaten dreimal mehr Weltranglisten-Punkte gesammelt. Seit Paris-Bercy Ende Oktober verlor er nur zweimal, bei den kleineren Events in Doha (gegen Ivo Karlovic) und in Dubai (gegen Roger Federer). Seine Erfolgsserie umfasst mittlerweile 22 Siege, davon kamen zehn bei den Sandturnieren in Monte Carlo und Rom zustande. Für sein Ziel, den ersten French-Open-Erfolg und damit die Realisierung des Karriere-Grand-Slams, ist scheinbar alles perfekt aufgegleist. Der souveräne Weltranglisten-Erste leistete sich sogar den Luxus, auf das Masters 1000 in Madrid zu verzichten, weil dort die Verhältnisse ganz anders sind als an der Pariser Porte d'Auteuil.

Nadal: der Herausforderung gewachsen

Bei den Wettanbietern wird Djokovic als klarer Favorit gehandelt. Auf der Tour hingegen sehen viele weiterhin Nadal als ersten Anwärter auf den Titel. "Man darf nicht einfach die vergangenen zehn Jahre ausblenden", meint etwa Roger Federer. "Für mich ist Nadal der Favorit." 2011 sei die Situation ähnlich gewesen wie in diesem Jahr. Djokovic war mit einer noch eindrücklicheren Siegesserie nach Paris gereist, aber im Halbfinal an Federer gescheitert. In den letzten drei Jahren bedeutete jeweils Nadal Endstation für den 27-jährigen Wahl-Monegassen. Djokovic ist einem beträchtlichen Druck ausgesetzt. Im letzten Jahr hielt er diesem nicht stand, er zeigte im Final gegen Nadal eine enttäuschende Leistung.

Aller Rückschläge der letzten Monate und Wochen zum Trotz: Rafael Nadal ist der König von Paris. Nur Federer konnte ihm in den letzten zehn Jahren einmal die Krone entreissen - dank der Mithilfe von Robin Söderling. Die Achtelfinal-Pleite 2009 gegen den Schweden ist die einzige Niederlage, die Nadal bei "seinem" Grand-Slam-Turnier hinnehmen musste. Die anderen 66 Partien hat er gewonnen. "Ich bin zuversichtlich", sagt Nadal auch vor der diesjährigen Austragung. Seit Jahren habe er in jedem Match in Roland Garros das Gefühl gehabt, er könne verlieren. "In diesem Jahr wird es noch mehr der Fall sein. Aber ich denke, ich bin dieser Herausforderung gewachsen."

Federer und Wawrinka in Lauerstellung

Federer und Wawrinka gehören wie der Schotte Andy Murray zum kleinen Kreis der Mitfavoriten. Federers Vorbereitung auf das French Open war durchwachsen mit frühen Niederlagen in Monte Carlo und Madrid sowie dem Turniersieg in Istanbul und der starken Leistung zuletzt in Rom, wo er erst im Final an Djokovic scheiterte. An Ambitionen fehlt es dem 33-Jährigen nie, aber Fakt ist auch, dass die Chancen auf einen 18. Grand-Slam-Sieg anderswo grösser sind als in Paris. In den letzten beiden Jahren scheiterte er jeweils für seine Verhältnisse früh: 2014 im Achtelfinal an Ernests Gulbis und 2013 im Viertelfinal an Jo-Wilfried Tsonga.

Wawrinka kam beim French Open bislang nie über die Viertelfinals hinaus. Im letzten Jahr scheiterte er als Australian-Open-Champion in der 1. Runde an Guillermo Garcia-Lopez. In den letzten Monaten verlief längst nicht alles nach Plan beim Waadtländer. Doch sein Sieg in Rom gegen Nadal lässt alle Hoffnungen zu. In Bestform kann er jeden Gegner schlagen, entscheidend werden für ihn die ersten Runden sein, die er mit möglichst wenig Kraftaufwand hinter sich bringen muss.

Bacsinszky führt Schweizer Trio an

Im Frauen-Tableau sind mit Timea Bacsinszky, Belinda Bencic und Stefanie Vögele drei Schweizerinnen vertreten. Bacsinszky, die in der Jahreswertung die Nummer 12 ist, ist erstmals an einem Grand-Slam-Turnier gesetzt. Die Waadtländerin gewann in diesem Jahr zwei Turniere und stand einmal im Final, kam aber bei einem Major noch nie über die Sechzehntelfinals hinaus. Ihr ist ein guter Parcours zuzutrauen, zumal sie zuletzt in Rom mit Karolina Pliskova und Sabine Lisicki zwei starke Gegnerinnen deklassiert hat. Bencic, die Junioren-Siegerin von 2013, und Vögele sind derweil auf der Suche nach ihrer Form.

Serena Williams, die Siegerin der letzten beiden Grand-Slam-Turniere, wäre auch beim French Open die logische Favoritin. Doch die Amerikanerin musste zuletzt in Rom wegen einer Ellbogen-Verletzung aufgeben. Das erhöht die Chancen von Titelverteidigerin und Rom-Siegerin Maria Scharapowa, deren grösstes Manko die katastrophale Bilanz gegen Serena Williams ist (16 Niederlagen in Serie).

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