Sport

Nayla Stössel nach der Absage des CSIO St.Gallen: «Wir hatten Glück im Unglück»

Der CSIO St.Gallen hatte 2013 mit dem Wetter zu kämpfen, dieses Jahr mit dem Coronavirus.

Der CSIO St.Gallen hatte 2013 mit dem Wetter zu kämpfen, dieses Jahr mit dem Coronavirus.

In diesem Jahr findet kein CSIO St.Gallen statt. Der Schaden, der durch die Absage entstand, ist zwar überschaubar. Welchen Einfluss die Coronapandemie jedoch auf die Ausgabe 2021 haben wird, ist noch nicht abzuschätzen.

Ende Mai 2013 regnete es in Strömen. Der Boden im Gründenmoos in St.Gallen war aufgeweicht. Kaum ein Pferdetransporter kam mehr ohne Hilfe eines Traktors vom schlammigen Platz. Für Nayla Stössel war es damals ihr erster CSIO St.Gallen als OK-Präsidentin. Und es geschah, was vorher in Jahrzehnten nie passierte: Sie musste die Grossveranstaltung aufgrund der Wassermassen frühzeitig abbrechen, die Reiter und Besucher nach Hause schicken. «Das war mein bisher schwierigster Moment als Präsidentin», erzählte sie Jahre später in einem Interview. Heute sagt sie im Telefongespräch:

Doch in diesem Jahr ist vieles anders als sonst. Und so kam mit der Coronapandemie auch die Absage des CSIO St.Gallen 2020. Bereits Anfang April gab das OK bekannt, dass der Grossanlass in diesem Jahr nicht durchgeführt werden wird. «Reiter, Sponsoren und Aussteller wollten Gewissheit haben», so Stössel. Dennoch fiel die Absage nicht leicht. «Wir haben uns ein Jahr darauf vorbereitet, deshalb ist es schmerzlich und bitter.» Stössel sagt aber auch: «Wir hatten Glück im Unglück.»

OK-Präsidentin Nayla Stössel

OK-Präsidentin Nayla Stössel

Sponsoren geben grünes Licht für 2021

2013 musste eine laufende Veranstaltung abgebrochen werden. «Nun standen wir zwar in den Startlöchern, hatten jedoch noch nicht mit der Ausführung der Pläne begonnen», sagt Stössel. Die Zeltstadt und der Reitplatz werden jeweils erst fünf Wochen vor dem Event aufgebaut. So hatten bei der Absage die Arbeiten noch nicht begonnen. «Deshalb ist der Schaden für uns überschaubar», sagt Stössel. Genaue Zahlen will sie nicht nennen. Auch über die Zukunft des CSIO St. Gallen kann sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel sagen. Denn vieles ist noch unsicher.

Noch weiss man nicht genau, wie die Folgen der Pandemie für die Wirtschaft sein werden. Auch für den CSIO St.Gallen ist das entscheidend. Der Event wird hauptsächlich durch Sponsorengelder finanziert; Eintritte und Festwirtschaft sind deutlich kleinere Posten im Budget. Das war auch im Jahr 2013 ein Vorteil, als aufgrund des Wetters weniger Besucher kamen – und die Veranstaltung schliesslich abgebrochen werden musste. Um sich vor solchen Verlusten zu schützen, arbeitete der CSIO St.Gallen anschliessend mit Rückstellungen – nicht mit einer entsprechenden Versicherung. Eine solche werde zwar laufend geprüft, sei jedoch nicht ganz günstig.

Stössel sagt weiter: «Auch die für uns so wichtigen lokalen Partner zeigten grossmehrheitlich Verständnis für die Situation und gaben uns grünes Licht für das kommende Jahr». Doch sie betont, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise heute noch nicht definitiv abschätzbar sind. Deshalb könne es im Herbst, wenn der Kick-off für den nächsten Anlass erfolgt, oder auch erst im nächsten Frühling, wenn die ersten Sponsoringbeiträge bezahlt und Hospitality-Angebote gebucht werden, wieder anders aussehen – trotz laufender Verträge.

Auch ein Turnier ohne Zuschauer ist ein Thema

Denn die grösste Unsicherheit ist die Pandemie selbst. Noch kann niemand sagen, wie lange das Coronavirus uns noch beschäftigen wird. «Einige Experten sprechen davon, dass dieses Thema auch nächstes Jahr noch präsent sein wird», so Stössel. «Wir schauen deshalb auch über den Zaun, fragen wie es andere machen und sind laufend im Austausch mit Veranstaltern von verschiedenen Anlässen.» Ihr Vorteil sei es jedoch, dass der CSIO St. Gallen in einer Freiluftarena mit viel Platz stattfinde. Dennoch wird auch über ein Turnier ohne Zuschauer gesprochen. Ein reiner Wettkampf also, ohne Festwirtschaft, ohne VIP-Zelt, ohne Aussteller – und ohne Stimmung. Möglich sei das natürlich schon, sagt Stössel. Aber dadurch fehle eben auch das, was den CSIO St.Gallen für die Sponsoren und Partner interessant mache: Eine Plattform, um sich auszutauschen.

Momentan sind das jedoch nur Überlegungen. Weit voraus planen kann Stössel nicht. Etwas steht jedoch bereits fest: Die Änderungen, die auf das Jahr 2019 hin vollzogen wurden, werden beibehalten. Dazu gehören etwa die Einführung des Schweizer Cupfinals, die Prüfungen für junge Pferde aber auch der ausgebaute Erlebnispark. Und auch das Jubiläum des 25. Nationenpreises in St.Gallen soll 2021 nachgeholt werden. Am liebsten vor vielen Zuschauern – und bei strahlendem Sonnenschein.

Meistgesehen

Artboard 1