Vor Rumänien-Spiel
Nationalspieler Shaqiri zögert: Was wenn Kosovos Nationaltrainer anruft?

Zwei Tage sind seit dem 1:0 gegen Albanien vergangen. Zwei Tage noch bis zum zweiten Schweizer EM-Auftritt gegen Rumänien. Zeit für Xherdan Shaqiri, um noch einmal zurückzublicken: Auf die Karriere, die Frage nach der Nationalmannschaft, den EM-Auftakt.

Etienne Wuillemin
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Xherdan Shaqiri
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Xherdan Shaqiri bereitet sich mit der Schweizer Nationalmannschaft auf das Spiel gegen Rumänien vor.
Xherdan Shaqiri bereitet sich mit der Schweizer Nationalmannschaft auf das Spiel gegen Rumänien vor.
Xherdan Shaqiri bereitet sich mit der Schweizer Nationalmannschaft auf das Spiel gegen Rumänien vor.
Xherdan Shaqiri bereitet sich mit der Schweizer Nationalmannschaft auf das Spiel gegen Rumänien vor.
Xherdan Shaqiri bereitet sich mit der Schweizer Nationalmannschaft auf das Spiel gegen Rumänien vor.
Shaq attack - das Bruderspiel gegen Albanien.
Shaq attack - das Bruderspiel gegen Albanien.
Shaq attack - das Bruderspiel gegen Albanien.
Shaq attack - das Bruderspiel gegen Albanien.
Shaqiri am 10. Juni an der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Albanien.
Shaqiri am 10. Juni an der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Albanien.

Xherdan Shaqiri

Keystone

Es ist viel gesprochen und geschrieben worden vor diesem Duell der Freunde. Es war mehr als ein normales Fussballspiel. Von politischer Brisanz auch. «Wir hatten etwas Schwierigkeiten, damit umzugehen», sagt Shaqiri, «man sah uns den Stress wohl ein bisschen an. Auch ich wäre am liebsten ganz cool geblieben – aber das ist mir nicht vollauf gelungen.»

Auch Shaqiri weiss, dass fussballerisch genügend Raum zur Verbesserung besteht im Vergleich zum Startspiel. «Gegen zehn Mann unter Druck geraten, das darf uns eigentlich nicht passieren.» Darum sein Fazit: «Ich hoffe, wir können schon gegen Rumänien beginnen, einen noch besseren Eindruck zu hinterlassen als beim Startsieg.» Am Mittwoch um 18 Uhr treffen die Teams in Paris aufeinander. Wer gewinnt, ist definitiv im Achtelfinal.

Frankreich war Shaqiris "erstes Turnier"

Das erste grössere Turnier, an das sich Shaqiri erinnert, ist die WM 1998 – auch in Frankreich. Sechsjährig war er, sass zu Hause vor dem Fernseher und trug ein Shirt des Brasilianers Ronaldo, ein Geschenk, sein allererstes Fussballleibchen. «Als Brasilien den Final gegen Frankreich verlor, da musste ich weinen.» Wenn Shaqiri jetzt davon erzählt, kann er lachen.

Auch wenn es darum geht, was viele Jahre später mit der Schweizer Nationalmannschaft einmal möglich sein könnte, ist Shaqiri entspannt. Er betont, dass es wahrscheinlich nicht angebracht ist, als Schweizer über einen grossen Titel zu reden. Aber: «Jeder will doch einmal ein grosses Turnier gewinnen. Und ich finde, es ist legitim, diesen Traum zu haben.» An den Prioritäten für die EM in Frankreich ändert das freilich nichts. «Die nächste Runde zu erreichen, ist unser erstes Ziel. Danach kann alles passieren. Und vielleicht wird die kleine Schweiz ja zur grossen Überraschungsmannschaft.»

Einzelkritik der Nati: Schweiz-Albanien
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Yann Sommer
Ricardo Rodriguez
Johan Djourou
Fabian Schär
Stephan Lichtsteiner
Valon Behrami
Blerim Dzemaili
Granit Xhaka
Xherdan Shaqiri
Admir Mehmedi
Haris Seferovic

Einzelkritik der Nati: Schweiz-Albanien

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Es ist vor allem ein Spiel, das sich in den Köpfen vieler Schweizer Spieler eingenistet hat. Jener Achtelfinal gegen Argentinien an der WM 2014. «Wir reden viel darüber innerhalb des Teams. Einige sind davon überzeugt, dass es – gemessen an der Bühne – das beste Spiel war, das die Schweiz je absolviert hat.» Auch Shaqiri glänzte an jenem 1. Juli 2014 in São Paulo. Als wirbliger, kreativer, lauffreudiger und explosiver Spielgestalter. Nachdem er bereits gegen Honduras einen Hattrick erzielt hatte, war es der nächste Beweis dafür, was er dieser Mannschaft geben kann.

Ohne Lust und Leidenschaft

Wenn es nur immer so wäre! Aber so ist das nicht. Die Beziehung Shaqiris zur Schweizer Nationalmannschaft hat in der Zwischenzeit komplexe Züge angenommen. Es gab Partien, da fehlten Lust und Leidenschaft. Dazu erobert mit Breel Embolo gerade wieder ein «neuer» Jüngling die Herzen des Publikums. Und Shaqiri selbst ist nicht mehr der junge unbeschwerte Wirbelwind, sondern einer der Leader, der dieses Team führen muss.

Nur, wie damit umgehen? Shaqiri sagt: «Die Leute erwarten einiges von mir. Es ist nicht einfach, den sehr hohen Erwartungen immer gerecht zu werden. Ich habe natürlich eine gewisse Visitenkarte und einiges erreicht, was nicht viele geschafft haben. Die Mannschaft braucht mich, aber ich brauche auch die Mannschaft. Aber ja, ich bin ein Spieler, der eine Partie mit einem Pass oder Tor entscheiden kann.»

Dass dies nicht immer gelingen kann, ist normal. Ein Grund dafür waren zuletzt Probleme in den Vereinen. Nach dem Wechsel von Basel zu Bayern München (Sommer 2012) sind die Einsatzzeiten je länger, desto geringer geworden. Nach zweieinhalb Saisons folgte der Transfer zu Inter Mailand. Wiederum sechs Monate später, letzten Sommer, wechselte Shaqiri zu Stoke City – einem Verein, der mit Glamour nicht mehr viel zu tun hat.

Würde der mittlerweile 24-Jährige im Rückblick etwas anders machen? Vielleicht nach dem FCB einen Zwischenschritt einlegen, wie es Granit Xhaka tat? «Nein, ich habe alles richtig gemacht. Ich gehörte zum besten Kader, das die Bayern je hatten, habe viele Spiele gemacht und gleich alles (das Triple, d. Red.) gewonnen.» Die Stimmen, die Shaqiris Weg kritisch beleuchten, kümmern ihn kaum. «Auf Kritik schaue ich nicht gross. Ich schaue auf meine Mannschaft und mich.»

Yann Sommer (Tor, Borussia Mönchengladbach) Debüt: 30.05.2012. 17 Spiele, kein Tor.
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Roman Bürki (Tor, Borussia Dortmund) Debüt: 18.11.2014. 4 Spiele, kein Tor.
Marwin Hitz (Tor, Augsburg) Debüt: 10.06.2015. 2 Spiele, kein Tor.
Johan Djourou (Verteidigung, Hamburger SV) Debüt: 01.03.2006. 59 Spiele, 2 Tore.
Nico Elvedi (Verteidigung, Borussia Mönchengladbach) Debüt: 28.05.2016. 1 Spiel, kein Tor.
Michael Lang (Verteidigung, FC Basel) Debüt: 14.08.2013. 15 Spiele, 2 Tore.
Stephan Lichtsteiner (Captain, Verteidigung, Juventus Turin) Debüt: 15.11.2006. 80 Spiele, 5 Tore.
François Moubandje (Verteidigung, Toulouse) Debüt: 15.11.2014. 10 Spiele, kein Tor.
Ricardo Rodriguez (Verteidigung, Wolfsburg) Debüt: 07.10.2011. 35 Spiele, kein Tor.
Fabian Schär (Verteidigung, Hoffenheim) Debüt: 14.08.2013. 19 Spiele, 5 Tore.
Steve von Bergen (Verteidigung, Young Boys) Debüt: 06.09.2006. 49 Spiele, kein Tor.
Valon Behrami (Vize-Captain, Mittelfeld, Watford) Debüt: 08.10.2005. 64 Spiele, 2 Tore.
Blerim Dzemaili (Mittelfeld, Genoa) Debüt: 01.03.2006. 46 Spiele, 5 Tore.
Gelson Fernandes (Mittelfeld, Rennes) Debüt: 22.09.2007. 55 Spiele, 2 Tore.
Fabian Frei (Mittelfeld, Mainz) Debüt: 07.10.2011. 7 Spiele, 1 Tor.
Xherdan Shaqiri (Mittelfeld, Stoke City) Debüt: 03.03.2010. 51 Spiele, 17 Tore.
Granit Xhaka (Mittelfeld, Borussia Mönchengladbach) Debüt: 04.06.2011. 41 Spiele, 6 Tore.
Denis Zakaria (Mittelfeld, Young Boys) Debüt: 28.05.2016. 1 Spiel, kein Tor.
Breel Embolo (Angriff, FC Basel) Debüt: 31.03.2015. 9 Spiele, 1 Tor.
Eren Derdiyok (Angriff, Kasimpasa) Debüt: 06.02.2008. 50 Spiele, 10 Tore.
Shani Tarashaj (Angriff, Grasshoppers) Debüt: 25.03.2016. 2 Spiele, kein Tor.
Admir Mehmedi (Angriff, Bayer Leverkusen) Debüt: 04.06.2011. 40 Spiele, 3 Tore.
Haris Seferovic (Angriff, Eintracht Frankfurt) Debüt: 06.02.2013. 29 Spiele, 7 Tore.

Yann Sommer (Tor, Borussia Mönchengladbach) Debüt: 30.05.2012. 17 Spiele, kein Tor.

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Die Zeit verrinnt. Ein letztes Thema noch, das zur Sprache kommt. Eines, das in den letzten Wochen an Aktualität gewonnen hat – der Kosovo. Im Spätsommer wird das Land erstmals an einer WM-Qualifikation mitspielen dürfen. «Jeder weiss, dass ich im Kosovo geboren bin. Darum habe ich mich über die Nachricht der Aufnahme in die Fifa und Uefa natürlich gefreut», sagt Shaqiri.

Ausweichende Antwort

Die Frage lautet, ob Shaqiri auch künftig weiter für das Schweizer Nationalteam spielen wird. Er antwortet diplomatisch: «Im Moment gibt es nichts zu sagen oder zu entscheiden. Aber ich stelle jetzt eine Gegenfrage: Was ist, wenn der Nationaltrainer des Kosovo anruft und sagt, ich könne Captain werden? Was würden Sie tun? Das ist doch eine schwierige Frage. Aber ich habe für die Schweiz immer alles gegeben. Und werde das auch künftig tun.»

Dass die Captain-Frage für Shaqiri einen hohen Stellenwert geniesst, wurde schon vor der EM deutlich. An einem Podiumsanlass zeigte er sich enttäuscht, dass er nicht ins Captain-Team um Lichtsteiner und Behrami aufgenommen wurde.

Dass er es verdient, künftig diesem Gremium anzugehören, kann er nun beweisen. Mit leidenschaftlichen Auftritten wie gegen Argentinien. Gelegenheit dazu erhält er an der EM noch genügend.