Es lässt sich nun halt nicht vermeiden, auch wenn Gökhan Inler das nicht mag: diese Emotionalisierung. Denn dieses Los lässt niemanden kalt. Die Schweiz trifft im ersten Spiel der EM-Gruppenphase auf Albanien. Stellvertretend für die Verbundenheit steht das Bruderduell zwischen Granit und Taulant Xhaka. Es ist das erste in der Geschichte des Fussballs. Nach der EM-Auslosung stellt Nati-Captain Inler klar: «Unser Start gegen Albanien wird eine Art Derby, bei dem es aber um Fussball gehen soll und nicht um die ewig gleichen emotionalisierten Geschichten.»

Doch selbst Nationaltrainer Petkovic spricht von einer «emotionsgeladenen» Partie. «Ich bin sicher, dass Granit mit diesem Druck umzugehen weiss», so Petkovic weiter. Für die Albaner prognostiziert der Nati-Coach keinen einfachen EM-Sommer: «Für sie ist das Spiel gegen uns das erste an einem grossen Turnier. Sie werden dabei eine neue Welt kennenlernen. Es wird nicht einfach sein, damit umzugehen.» Generell spricht Petkovic von einer «guten Gruppe für die Schweiz.» Der 52-Jährige warnt aber vor der vermeintlich einfachen Aufgabe.

«In Lille gegen Frankreich, da war doch was...»

Auf den sozialen Netzwerken äusserten sich derweil zahlreiche Nati-Cracks über die EM-Auslosung. «Ich kann es nicht glauben», sagte Valon Berahmi lapidar. Mannschaftskollege Gelson Fernandes entgegnete ein ungläubiges «Mama mia.» Der Basler Verteidiger Naser Aliji, welcher der albanischen Equipe angehört, erwartet gar «ein historisches Spiel». Der Schweizer Fussballverband deklariert die Affichen derweil als «sehr interessant». Er denkt bereits weiter und postet ein Bild mit dem Schweizer Tennis-Team, das in Lille den Davis Cup gewann. «In Lille gegen Frankreich, da war doch was…», erinnert der Verband und hofft auf ein gutes Omen.

Weniger spezifisch sind die Äusserungen von Xherdan Shaqiri: «Ich freue mich auf diese tolle Gruppe.» Zu diesen Worten fügt der Stoke-Star ein Bild Frankreichs mit allen Flaggen der vier Gruppenmitglieder hinzu. Dasselbe Bild teilt auch FCB-Spieler Shkelzen Gashi. Ob er dann noch zur albanischen Nationalmannschaft gehört, ist eine andere Frage.

Es sind die Gebrüder Xhaka, die interessieren. Mitte Oktober sagte Ragip Xhaka, Vater von Granit und Taulant, gegenüber dem «Blick» noch, dass er ein gutes Gefühl habe, dass es nicht zum Familienduell kommen werde. Die Fussball-Götter entschieden anders. «Dann bin ich halt neutral», fügte Vater Xhaka damals noch an.