Nati-Aufgebot
Warum Murat Yakin die Stürmer Itten und Ajeti aufbietet – aber auf Topskorer Michael Frey verzichtet

Nationaltrainer Murat Yakin gibt das Aufgebot für die beiden WM-Qualifikation-Spiele im Oktober bekannt. Nicht mit dabei: Belgiens Topskorer Michael Frey. Dafür sind Cedric Itten und Albian Ajeti zurück.

Etienne Wuillemin und Simon Wespi
Drucken
Teilen
Cedric Itten (links) und Albian Ajeti sollen für die Schweiz die Tore schiessen.

Cedric Itten (links) und Albian Ajeti sollen für die Schweiz die Tore schiessen.

Keystone

Es gibt im Fussball viele frustrierende Momente. Aber nichts ist so mühsam für einen Trainer wie die Feststellung, dass sein Team keine Tore schiesst. Nun muss man rund um das Schweizer Nationalteam nicht gerade die «Alarmstufe Rot» ausrufen, dafür sind die Glücksgefühle der EM zu frisch. Und doch liegen die beiden 0:0 im September in der WM-Qualifikation gegen Italien und Nordirland noch auf dem Magen. Gerade das Remis in Belfast zeigte, dass nicht alles so rosig ist, wie das der neue Nationaltrainer Murat Yakin gerne hätte. Auch wenn er seine etwas eigenartig anmutende Zufriedenheit mit jenem Spiel auch gestern noch einmal betonte.

Die Schweiz schiesst keine Tore – was also tun? Die Lösung könnte auf der Hand liegen. Bei Royal Antwerpen spielt mit Michael Frey ein Schweizer Stürmer, der in diesen Wochen so regelmässig trifft wie kein anderer. Bereits elf Tore hat er in neun Spielen für den Tabellenvierten der höchsten Liga Belgiens erzielt.

Aber Frey ist nicht dabei. Wie kann das sein?

Gibt in Lausanne sein Aufgebot bekannt: Nati-Trainer Murat Yakin.

Gibt in Lausanne sein Aufgebot bekannt: Nati-Trainer Murat Yakin.

Claudio De Capitani / freshfocus

Murat Yakin sitzt an diesem Freitag in Lausanne in einem Saal eines schmucken Hotels. Natürlich hat er erwartet, dass die Frage nach Frey, dem 27-jährigen Berner, kommen wird. Also sagt Yakin:

«Es ist keine Entscheidung gegen Frey, sondern eine für andere Stürmer, die in dieser Konstellation besser passen.»

Tatsächlich sind mit Cedric Itten und Albian Ajeti zwei Angreifer wieder mit dabei, die Ende 2020 letztmals aufgeboten wurden.

Itten schoss die Schweiz im November 2019 mit seinen Toren an die EM. Spielte dann aber bei den Glasgow Rangers zu wenig, um sich für die Endrunde aufzudrängen. Bei Ajeti war die Spielpraxis in der letzten Saison ähnlich mangelhaft. Nun läuft es beiden besser, Itten hat zu Greuther Fürth gewechselt und feierte jüngst gegen Bayern München sein Tordébut, Ajeti kommt bei Celtic Glasgow auch besser in Fahrt. Trotzdem sind ihre Torquoten weit entfernt von jener Freys.

Bereits 11 Tore in Belgien: Michael Frey.

Bereits 11 Tore in Belgien: Michael Frey.

Philippe Crochet/Freshfocus / Panoramic/Photo News

Die Faktoren, die gegen Michael Frey sprechen

Das bedeutet: Yakin gewichtet andere Faktoren höher. Zum Beispiel, dass Itten und Ajeti die jetzigen Mitspieler besser kennen. Er darum glaubt, sie könnten besser ins Teamgefüge passen. In Anbetracht der Umstände, dass mit Breel Embolo, Xherdan Shaqiri und auch Mario Gavranovic drei wichtige Offensivspieler zurückkehren, ist das nachvollziehbar. Dass Itten und Ajeti mit dem Fussball auf der englischen Insel vertraut sind, kommt noch dazu. Wobei die Nati-Türe für Frey selbstredend nicht zu ist. «Wir beobachten ihn weiter. Er muss sich noch weiterentwickeln, weiter Tore schiessen, auch international – dann ist eine Kontaktaufnahme jederzeit möglich», sagt Yakin.

Und Shaqiri schreibt Yakin: «Ich haue die Pille rein!»

Dass die Schweiz über eine Mini-Tor-Krise diskutiert, hat auch mit dem verschossenen Elfmeter von Haris Seferovic in Nordirland zu tun. Wer den nächsten Penalty schiesst, ist darum eine Frage an Yakin. Und der Nationaltrainer antwortet dezidiert: «Meine Meinung ist klar: Ein Penalty ist ein Fall für den Captain. Das war in der Vergangenheit leider nicht immer der Fall, da haben sich einige gedrückt. Das soll sich unter mir ändern.»

Yakin hat diese Gedanken Captain Granit Xhaka mitgeteilt – allerdings bevor sich dieser verletzte. «Nun habe ich eben Xherdan Shaqiri geschrieben, dass ich ihn als Penaltyschütze sehe», erzählt Yakin und lächelt, als er von Shaqiris Antwort berichtet. Sie hat ihm durchaus gefallen. Er schrieb: «Jawoll Trainer, ich nehme die Pille und haue sie rein!»

So sieht das Kader für die WM-Qualifikationsspiele im Oktober aus:

Aktuelle Nachrichten